Die Gründer des bekannten britischen Online Casino und Sportwettenanbieters Bet365 zählen laut eines Berichtes der Sunday Times zu den größten Steuerzahlern in Großbritannien. Für das Fiskaljahr 2017/18 schätzt der Autor des Berichts die gesamte Steuerlast der Familie auf 156 Millionen Pfund. Die Familie ist damit der zweitgrößte Steuerzahler für diesen Zeitraum. Nur Stephen Rubin, der Mehrheitseigner der Sportartikel-Firma JD Sports, kommt mit 181,6 Millionen Pfund auf eine noch höhere Steuerbelastung.

Bet365 hat Coates-Familie zu Milliardären gemacht

Bet365 Denise und John Coates Die Coates-Familie wird auf ein Gesamtvermögen von 5,8 Milliarden Pfund geschätzt. Bet365 wurde von der Familie gegründet und gehört bis heute zu 93 Prozent den Geschwistern Denise und John Coates sowie deren Vater Peter. Die Coates-Familie beschränkt sich allerdings nicht auf den Besitz. Das Triumvirat hat die komplette Kontrolle des Unternehmens inne. Denise und John Coates teilen sich als Co-CEOs mit ihrem Vater Peter, der als Chairman des Unternehmens geführt wird, die Leitung des operativen Geschäfts.

Das Führungstrio musste im Fiskaljahr 2017/18 eine Körperschaftsteuer in Höhe von 26,8 Millionen Pfund für eine Dividenden-Auszahlung in Höhe von 84 Millionen Pfund bezahlen. Doch das ist nur ein kleiner Teil des Einkommens der Gründerfamilie. Denise Coates dürfte sich über ein Gehalt in Höhe von 220 Millionen Pfund freuen. Damit steht die erfolgreiche Dame in Großbritannien an der Spitze der Gehaltsempfänger. Dieses Gehalt war allerdings mit einer sehr hohen Steuerzahlung verbunden. Die Experten der Sunday Times gehen davon aus, dass Denise Coates 99 Millionen Pfund Einkommensteuer bezahlen musste.

Gründer profitieren von starkem Wachstum bei Bet365

Bet365 durfte sich im Fiskaljahr 2017/18 über eine Umsatzsteigerung in Höhe von 25 Prozent freuen. Der Gesamtumsatz lag bei 2,86 Milliarden Pfund. Bemerkenswert auch: Von diesen 2,86 Milliarden Pfund wurden 2,71 Milliarden Pfund durch Sportwetten und Casino-Spiele erwirtschaftet. Die hohen Umsatzzahlen erklären sehr gut, warum die Gründerfamilie zu den großen Steuerzahlern in Großbritannien gehört. Für Experten aus der Sportwetten- und Glücksspielbranche ist es keine Überraschung, dass Bet365 derart erfolgreich ist, denn der Anbieter steht seit Jahren vor allem mit den Sportwetten in vielen Rankings weit oben.

Bemerkenswerter Patriotismus oder langfristige Strategie?

Es ist keineswegs selbstverständlich, dass Unternehmensbesitzer in der Sportwetten- und Glücksspielbranche so hohe Steuern zahlen wie die Coates-Familie. Viele Buchmacher und Casinos sind in Steuerparadiesen wie Malta, Gibraltar oder Zypern ansässig, um möglichst wenig Geld an den Start zu verlieren. Ganz offensichtlich haben die Besitzer von Bet365 eine andere Einstellung. Aber es ist unwahrscheinlich, dass dies nur Patriotismus oder verantwortungsvolles Verhalten im Sinne des Gemeinwohls ist.

Bet365 ist sehr erfolgreich, weil das Unternehmen seit vielen Jahren große Anstrengungen verfolgt, seriös und zuverlässig aufzutreten. Mit einem Firmensitz in Großbritannien war und ist das nicht nur in UK deutlich einfacher. Mittlerweile hat das Unternehmen zudem einen großen Mitarbeiterstamm, der nicht einfach an einen neuen Ort verpflanzt werden könnte. Angesichts der positiven finanziellen Entwicklung in den letzten Jahren wäre das wahrscheinlich auch unternehmerisch nicht die beste Idee. Unter dem Strich muss sich niemand Sorgen machen um die Coates-Familie, denn die hohen Steuerzahlungen zeigen auch, dass die Einnahmenseite beeindruckend ist.

Deutscher Fiskus verpasst große Chance

An den Steuerzahlungen der Bet365 Gründer wird deutlich, wie wertvoll ein renommierter Sportwetten- und Glücksspielanbieter für den Staat sein kann. Mit einer modernen Gesetzgebung für Buchmacher und Casinos könnte auch Deutschland zu einem florierenden Ort für diese Branche werden. Da Sportwetten und Casino-Spiele ohnehin online genutzt werden, wäre das zumindest ein bedenkenswerter Ansatz, um mehr Einnahmen für den Staat aus diesem lukrativen Wirtschaftszweig zu generieren.