Liechtenstein steht kurz davor, ein kleines Las Vegas zu werden. Was passiert gerade in dem Fürstentum? Die Casino-Dichte im Fürstentum Liechtenstein wird immer noch größer. Viele Einwohner aber sind total dagegen, daß ihr geliebtes Land zu einem neuen Las Vegas werden soll. Der Trend geht weiterhin zu den modernen Online Casinos, aber der Bedarf an Spielbanken wird immer größer. Das große graue Gebäude befindet sich direkt hinter der österreichischen Grenze nach Vorarlberg. Die Betreiber des Casinos versprechen ihren Besuchern nicht nur einen «goldenen Herbst» sondern auch «einen Goldrausch».
Die Gäste sollen sich auf jeden Fall als «ganz spezielle» VIPs fühlen. Die Leuchtschrift “Casino Schaanwald” strahlt weit hinaus in das Obere Rheintal, und die Fenster leuchten Nachts in Blau oder Rot. Auch im 20 km entfernten Balzers am anderen Ende des Fürstentums soll ein Casino entstehen, aber die Einwohner wehren sich strikt dagegen. In Ruggell gibt es schon seit längeren Zeiten eine Spielbank und in Triesen soll demnächst auch noch ein Casino entstehen. Die Konzessionen für mehrere Spielbanken sind beantragt und weitere sind in Planung. 

Wird die Casino-Dichte im Fürstentum bald höher als in Monaco oder Las Vegas

LiechtensteinLiechtenstein wird langsam zum neuen Spiele Mekka Europas. Die Casino-Dichte ist bald größer als in Macau, Las Vegas oder Monaco, da das Fürstentum nur eine Einwohnerzahl von 38.000 Personen hat. Das Geschäft mit den Spielern, die vor allem aus Österreich, Deutschland und der Schweiz kommen, boomt ohne Ende. 12 Millionen Schweizer Franken spielten die Casinos im vergangenen Jahr in die Kasse des Fürstentums. Statt den erwarteten 3 Millionen kann sich das allemal sehen lassen. Über die Geldspielabgabe kassiert das Fürstentum 17,5 bis zu 40 Prozent der Bruttospielerträge. Steuern auf Spieleinsätze sind weitaus niedriger als in den umliegenden Ländern. Im Vergleich dazu zieht die Schweiz 40 bis 80 Prozent der Differenz zwischen Spieleinsätzen und Gewinnen als Abgabe ein. 

Ein sehr lukratives Geschäft für die Casinobetreiber

Die neue Konkurrenz aus dem Fürstentum Liechtenstein läßt dies speziell die Schweiz deutlich spüren. Im «Blick» beklagte Hermann Bürgi, der Präsident der Eidgenössischen Spielbankenkommission,  das die Einkünfte an den Standorten in St.Gallen und Bad Ragaz massiv eingebrochen sind. Das Glücksspiel war in dieser Art 150 Jahre lang im katholisch geprägten Liechtenstein verboten. Ein Tabubruch hat den Boom im Fürstentum ausgelöst. Mit dem Segen des Fürstenhauses lockerten die Regierung und der Landtag 2015 und 2016 das Geldspielgesetz. Das erste Casino ( Casino Admiral ) eröffnete im August 2017 in Ruggell. 2 Monate danach zog die Nachbargemeinde Schaanwald nach. Der Wirtschaftsminister Martin Meyer hatte bis zu seinem Abschied 2013 für eine liberale Glücksspielpolitik gekämpft. Inzwischen ist Martin Meyer Chef der Immobiliengruppe ITW, welche kräftig im Spielcasino-Markt mitmischt, und profitiert daher selbst davon. 

Klage von Bürgern

Viele Einwohner haben gegen das Spielbank-Vorhaben eine Initiative gestartet und vor dem Vaduzer Landgericht Klage eingereicht. Allerdings stehen die juristischen Chancen ziemlich schlecht, was ein erster Termin vor Gericht Ende August zeigte. Der Kampf wird aber auch außerhalb des Gerichtssaals weitergeführt. Casino-Betreiber drohen renitenten Bürgern anscheinend mit Schadenersatzklagen. 

Imagesorgen im Fürstentum

Die Stimmen im Fürstentum, denen der Spielrausch zunehmend zu heftig wird mehren sich. «In der Bevölkerung ist die Angst vor einem klein Las Vegas groß», so das «Vaterland», die Parteizeitung der mitregierenden Vaterländischen Union. Die Zeitung schreibt über «Sorgen und Ängste in der Bevölkerung» und setzt sich für eine «sinnvolle Eingrenzung» ein, was die Zahl der Casinos betrifft. Für die Casino Betreiber ist es bisher sehr einfach eine Lizenz zu erhalten; aber nun wird langsam darüber nachgedacht, keine neuen Casinos mehr zuzulassen. Die Regierung ist der Meinung, dass die bisherigen Investoren von Spielbanken auf keinen Fall durch höhere Abgaben oder strengere Auflagen erschreckt werden sollen.  Eine drastische Verschärfung, wie eine Verdoppelung der Abgabe, fordert dagegen die Oppositionspartei Freie Liste. Der Landtagsabgeordnete Thomas Lageder brachte hierzu einen prägnanten Vergleich um dies zu verdeutlichen. «Zwei Casinos zusammen haben 2018 ungefähr ein Drittel des Gewinns der Landesbank gemacht.» Am nicht ganz so kleinen Liechtensteiner Bankenmarkt ist das staatliche Geldhaus immerhin die Nummer zwei. Die Befürchtungen wachsen dahingehend, dass man sich Sorgen darüber macht ob die Casinos sich negativ auf das Image des Fürstentums auswirken. Nach mehreren Steuerskandalen in den letzten Jahren hat sich das Fürstentum Liechtenstein mit großer Mühe vom internationalen Pranger als Steueroase und Geldwaschanlage weg gekämpft. In der Zwischenzeit tauscht Liechtenstein mit vielen anderen Ländern Informationen über steuerrelevante Einkommen ausländischer Anleger aus. Die Vertreter der Regierung sind fleißig unterwegs, um Liechtenstein wieder als einen sauberen Finanzplatz zu präsentieren. 

Das neue Image als” kleines Las Vegas von Europa”, ist daher sehr kontraproduktiv, sagen einige Finanzmarkt Vertreter und Politiker. Der Landesfürst Hans-Adam II. sagte: «Die Leute, die spielen wollen, werden spielen – ob nun hier in einem Casino oder irgendwo anders. Ich sehe hier kein riesiges Problem», Für Ihn sei es völlig egal ob das Fürstentum zwei oder zwanzig Casinos habe.