Warum Novomatic die Casinos Austria nicht kaufen darf…

Novomatic SchachbrettStill und ziemlich heimlich hat die nun Novomatic die Casinos Austria Übernahme doch bei der BWB (Österreichische Bundeswettbewerbsbehörde) angemeldet. Die dementsprechende APA-Presseaussendung ging bezeichnenderweise am 23.12.2015, also einen satten Tag vor dem friedlichen Weihnachten, hinaus: Ein Klassiker der Spindoktoren, wichtige Nachrichten kurz vor großen Feiertagen oder langen Ferienperioden zu verteilen. Damit ist garantiert, dass das Medienecho erstens nicht so groß und zweitens sehr viel Pulver in der Zwischenzeit verraucht ist. Wir tun der Novomatic gerne den Gefallen und schreiben erst am heute darüber - dafür aber etwas ausführlicher, damit das Thema hoffentlich die Wichtigkeit erfährt, die es verdient.

Novomatic AG beantragt nur 25% direkten Anteil

Die Anmeldung bei der BWB ist lange überfällig, hatte doch schon im November der Generaldirektor der BWB, Theodor Thanner, seine Überraschung via Fernsehen bekundet, dass ihm niemand diesen Zusammenschluss vorlegte. Ein weiteres interessantes Detail. Die Novomatic beantragt derzeit "nur" 25% an den CASAG und 25% indirekt an den Lotterien. (siehe dazu Bekanntmachung gemäß § 10 Abs 3 Z 2 KartG ).

Es ist uns nicht ganz ersichtlich warum gerade dieser Prozentsatz angegeben wird, denn die Novomatic hält derzeit bei ungefähr 40% an der CASAG. Vielleicht weil man damit vorerst unter allen aktienrechtlich bedenklichen Anteilen bliebe?  Vielleicht auch, weil man erst ab einer 25% Übernahme einen Zusammenschluss melden muss.

Novomatic hatte die Verzögerung der Vorlage bei der BWB immer mit dem komplizierten Aktionariatstruktur der verschiedenen Eigentümer der CASAG begründet. Interessant in dem Zusammenhang ist, dass die beiden tschechischen Milliardäre Komarec und Smejc schon im Oktober ihre 11% Anteil von der Donau Versicherung (CAME Holding) vom BWB absegnen hatten lassen. Die beiden hatten also keine Probleme, mit offenen Karten zu spielen.

Novomatic hat bereits eine dominante Marktposition - aber welcher Markt?

Nicht unergeblich für die Beurteilung der Marktanteile der Novomatic wird die Segmentierung des österreichischen Glückspielmarktes sein. Wenn man rein das landbasierte Casino Geschäft (Spielbanken, Automatencasinos) betrachtet dann entfallen nach ersten Recherchen auf die Casinos Austria etwa 33 Prozent Marktanteil und auf Novomatic 28 Prozent, der Chef der BWB spricht sogar von einem 60% Marktanteil der Casinos Austria schon am heutigen Tag. Ab einem Marktanteil von 30% wird es heikel bzw. kann die Behörde eine marktbeherrschende Stellung vermuten.

Der Hund liegt jedoch in der Definition des Marktanteils begraben (geographisch relevant, sachlich relevant): Nun beginne eine schwierige Aufschlüsselung anderer Aktivitäten, wie beispielsweise die verschiedenen "Novomatic nahen" - Firmen in den Bundesländern und natürlich die Vielzahl an unter Lizenz vermieteten und aufgestellten Novoline Automaten. Auch hier erinnern wir an die famosen 4.000 ungenutzten VLT-Lizenzen, die in der Glück GMBH schlummern und welche von Karl Stoss aus nicht nachvollziehbaren Gründen niemals verwendet wurden. Mit diesen Lizenzen könnte übrigens ganz entspannt das Wiener Automatenverbot ausgehebelt werden, da diese Lizenzen österreichweit gültig sind und Wiener Gesetzgebung ausschalten würden.

Wenn man dann noch die Sportwetten in den Admiral Casinos dazuzählt (wir erinnern daran, dass die Umsätze der Wett-Terminals in Wien aufgrund des Automatenverbots gerade durch die Wolken schießen), dann wird die Sache etwas komplizierter. Allerdings ist bei den Sportwetten der online Markt offen, das bedeutet in diesem Fall würde eine Nicht-Monopolstellung eventuell durchgehen, aber auch nur wenn man online und offline Markt wiederum zusammen betrachtet.

Ganz besonders interessant sieht es auch im online Casino-und Poker Bereich als separater Markt gesehen aus. Da ist das Spieleportal Win2day.at nach Auffassung des österreichischen Gesetzgebers das einzig legale Angebot in Österreich (was geltendem EU Recht widerspricht) und da würde sich Novomatic also eine Monopolposition abholen.

Und - last not least - der grösste Brocken von allen: falls die Novomatic sich auch noch eine Kontrolle an den Lotterien erkaufen kann, dann wäre das österreichische Lotteriemonopol völlig in den Händen von Johan Graf, dem Haupteigentümer der Novomatic. Die Novomatic hat bereits oefter bekundet, dass man in der Zukunft gross in das Lotteriegeschaeft einsteigen will.

Welchen Preis zahlt die Novomatic eigentlich für die CASAG?

Seit der österreichische Finanzminister seinen Plan, die CASAG Aktien anzukaufen und in weiterer Folge die gereinigte Struktur an die Börse zu bringen, ankündigte, hatten wir bereits von einer Unterbewertung der CASAG und der Lotterien geschrieben. Jedoch ist seit dem Einstieg der Novomatic und schlussendlich auch der Tschechen der kolportierte Preis der Aktien kontinuierlich gestiegen und dürfte immer näher am realen Wert des Unternehmens ankommen. Und zwar nicht einer Bewertung anhand der Geschäftszahlen sondern anhand des Potentials, das im weit verzweigten Firmenkonglomerat seit Jahren schlummert und aus unerfindlichen Gründen nicht realisiert wird.

Bei den Zahlen, die kursieren, fällt vor allem auf, dass die Tschechen einen höheren Preis pro Aktie gezahlt haben und augenscheinlich zu zahlen bereit sind. Daher ist es nicht nachvollziehbar warum in der Hauptversammlung der Casinos das Vorkaufsrecht der Tschechen abgewürgt wurde. Die Tschechen haben allerdings zur Überraschung des österreichischen Establishments bereits eine Anfechtungsklage gegen das ihnen vorenthaltene Vorkaufsrecht eingebracht und geben sich nicht so leicht geschlagen.

Was den besseren Preis für die CASAG Aktien betrifft, bleibt es den Vertretern der Medial und anderer privater Anteilseigner vorbehalten das Angebot der Novomatic zu akzeptieren und einen eventuell höheren Preis der Tschechen auszuschlagen. Sie müssen nur ihren eigenen Aktionären Rechenschaft geben. 

Noch spannender wird die Angelegenheit aber, sobald eventuell am Ende der Geschichte der Anteil des österreichischen Staates in der OBIB zum Verkauf steht. Da Finanzminister Schelling ja bereits  mit einem vorauseilenden Kniefall vor einer österreichischen Lösung einen Verkauf an die Tschechen ausgeschlossen hatte, kann er eigentlich nur noch den Preis, den die Novomatic bieten wird, annehmen. Verhandlungstechnisch eigentlich ein schwerer Fehler, aber der österreichische Steuerzahler ist ja einiges gewöhnt und kann dann bei der nächsten Wahl abstimmen, ob er damit zufrieden ist, dass aus dem Staatsanteil nicht das Maximum herausgeholt wurde.

Wer braucht eine österreichische Lösung?

Es kommt uns so vor, als ginge es bei der österreichischen Zockerbude um eine wichtige Infrastruktureinrichtung wie die Wasserwerke, Strom oder die super defizitäre Bundesbahn. Wer braucht bitte eine österreichische Lösung für seine Jetons, Wettscheine oder Rubbellose? Warum soll ein neu entstehender, privater Monopolist ein besseres Angebot und Service für die Spieler anbieten als die besten internationalen Firmen?

Wir sprechen tagein-tagaus von einem offenen, europäischen Markt und hier wird in vorbildhafter Balkanmanier fuer eine österreichische Firma Stellung bezogen? Falls sich ein Staat entscheidet, dass das Glücksspiel legal ist, gibt es nur eine Lösung: Völlige Öffnung des Glücksspiel-Markts online und offline mit Lizenzen für alle, die es sich leisten können und den Anforderungen entsprechen. Danach hat der Staat nur noch kontrollierende Funktion und kassiert Steuereinnahmen, die wie das italienische oder UK-Beispiel zeigen, wesentlich höher sind als jene in einer Monopolsituation.

Aber die Spieler haben bereits längst abgestimmt, welche Lösung für sie die ideale ist. Sie spielen vorzugsweise in internationalen Casinos mit europäischer Lizenz, weil dort das Angebot (Boni, Auswahl der Spiele) und Service eindeutig besser ist als bei staatlichen oder privaten Monopolisten. 

Solange das Internet frei ist, werde wir uns entscheiden können, wo wir unseren Spaß haben wollen und sind zum Glück weder der Novomatic noch den Casinos Austria ausgeliefert..

 

Photo: (c) Pixabay.com

 

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Von G. H. | 26. September 2018 | Kategorien: Nachrichten, Wirtschaft | Labels: , , , , , , |

Über den Autor: G. H.

G. H.
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