Der Vatikan ist gegen Glücksspiel. Das ist für sich genommen noch keine Nachricht, denn die katholische Kirche sieht das Glücksspiel seit jeher als Sünde. Insofern kann es nicht überraschen, dass der Kirchenstaat sich gegen Online Casinos positioniert. Allerdings ist erstaunlich, in welchem Umfang das Engagement erfolgt. In Italien ist die katholische Kirche mittlerweile sehr stark engagiert im konkreten Kampf gegen Glücksspiel.

Priester KircheVatikan sieht wachsenden Glücksspiel-Umsatz mit Sorge

In Italien lag der Glücksspiel-Umsatz im Jahr 2018 bei 107 Milliarden Euro. Das ist eine deutliche Steigerung im Vergleich zum Vorjahr. 2017 konnte die Branche einen Umsatz von 101,8 Milliarden Euro vermelden. Diese Zahlen wurden erst jüngst veröffentlicht und in vielen Presseerzeugnissen heiß diskutiert. Oft wird allerdings nicht erwähnt, dass von dieser stattlichen Summe etwa 82 Milliarden Euro an die Spieler als Gewinne ausgeschüttet wurden. Umsatz und Gewinn sind zwei sehr unterschiedliche Dinge, sowohl für die Casino-Besucher als auch für die Casino-Betreiber. Bemerkenswert sind diese Zahlen trotzdem, denn ein Jahresgewinn von knapp 20 Milliarden Euro kann sich ohne jeden Zweifel sehen lassen für eine aufstrebende Branche.

Laut Statistik haben im Jahr 2018 ungefähr 17 Millionen Italiener Glücksspiele genutzt. Auch wenn dies nicht statistisch erfasst wurde, gehen die meisten Experten davon aus, dass ein großer Teil dieser Spieler nur kleine bis mittlere Beträge setzt. Dafür gibt es eine kleine Gruppe von Spielern, die sehr hohe Umsätze generiert. Genau in dieser Zielgruppe sieht die katholische Kirche das größte Problem. Allerdings wird in den Statistiken nicht erfasst, wie viele Spieler am Ende tatsächlich finanzielle Probleme bekommen. Ein hoher Umsatz im Online Casino muss noch nicht zwangsläufig bedeuten, dass der Kunde am Ende auch finanzielle Probleme bekommt. Ohne das Problem zu verharmlosen: Wer viel Geld hat, kann auch viel Geld verlieren, ohne in Stress zu geraten.

Werbeverbot nach Ansicht der Kirche nicht ausreichend

In Italien gibt es ein Werbeverbot für Glücksspiel. Solche Verbote sind mittlerweile in vielen Ländern üblich, auch wenn die Spiele unter einer legalen Lizenz fair und seriös angeboten werden. Mit dem Werbeverbot soll dem Spielerschutz Genüge getan werden. In Italien gilt dieses Werbeverbot zwar grundsätzlich für alle Medien, aber die katholische Kirche weist darauf hin, dass es vor allem in den sozialen Medien nach wie vor sehr viel Werbung für Online Casinos gibt. Während die Werbung im Fernsehen und in Zeitungen leicht zu kontrollieren ist, gilt das für die Werbung in sozialen Medien nicht. Beispielsweise können die Kunden auch Werbung aus anderen Ländern in den sozialen Medien sehen, die aber trotzdem Relevanz auf dem heimischen Markt hat.

Grundsätzlich könnte Italien das Werbeverbot wahrscheinlich noch strenger umsetzen, indem die lizenzierten Casino-Anbieter zu deutlich umfangreicheren Maßnahmen gesetzlich gezwungen würden. Letztlich kann Werbung nur dann entstehen, wenn der entsprechende Anbieter die Werbung initiiert oder begünstigt. Aber an dieser Stelle gibt es das leider auch in Italien verbreitete Problem, dass es neben den legalen Anbietern auch noch die illegalen gibt. Spätestens an dieser Stelle ist es dann kaum noch möglich, Werbung zu kontrollieren. Einzelne Webseiten kann ein Land vielleicht noch aussperren, aber solche Maßnahmen funktionieren in den sozialen Medien nicht.

Noch Luft bei der Umsetzung aktueller Gesetze

Die katholische Kirche beklagt, dass die bereits geltenden Gesetze oftmals nicht die gewünschte Wirkung haben. Seit Januar 2019 dürfen in Italien Glücksspiele nicht mehr beworben werden. Anscheinend gibt es aber immer noch viel Werbung, die längst verboten ist. An dieser Stelle müsste die Justiz tätig werden, um die Gesetzesverstöße zu verfolgen. Das findet allerdings derzeit nicht im wünschenswerten Umfang statt, sodass einige Anbieter, die es nicht ganz so eng sehen mit den Gesetzen, begünstigt werden. Letztlich ist das auch ein Problem für die seriösen Casinos, die sich an das gesetzliche Werbeverbot für Glücksspiel halten.

Italien hat genauso wie viele andere Länder Schwierigkeiten, das Glücksspiel in der Praxis vernünftig zu regulieren. Vielleicht bedarf es am Ende einer großen EU-Initiative, um das Problem zu lösen. Eine moderne EU-Lizenz für Casinos wäre ein guter Anfang, um Spielregeln festzulegen, die in allen Ländern gelten würden. Angesichts des grenzenlosen Internets und der riesigen Möglichkeiten für Glücksspiel-Fans im Internet, ist es wahrscheinlich ein fataler Irrglaube zu denken, dass eine Regulierung in der heutigen Zeit innerhalb nationaler Grenzen funktionieren kann. Seriöse Online Casinos halten sich zwar an die nationalen Regulierungen, aber solange die Regeln nicht auf dem gesamten Markt durchgesetzt werden, werden weder die Spieler optimal geschützt noch die seriösen Anbieter.