GlückVielleicht haben Sie beim Lesen der Überschrift gedacht, dass hier der Autor ein Sprichwort durcheinander gebracht hat. Dem ist nicht so. Die nachfolgende Geschichte zeigt, dass sich manchmal Glück und Unglück die Hand reichen. Doch der Reihe nach.

Der Wiesbadener Marko M. besucht am 04. November 2011 das Spielcasino der Stadt und es wird seine Nacht. Um 1.35 Uhr kann er sein Glück kaum fassen. Der Schrei „Jackpot! Danke Gott! Jackpot!“ lässt alle Anwesenden wissen, dass Marko M. den Bingo-Jackpot mit 514.242,06 Euro geknackt hat. Der 48-Jährige kann von nun an alle finanziellen Sorgen um sein Unternehmen vergessen. Vergnügt verlassen er, seine Frau und sein Sohn um 2.30 Uhr den Ort des Glücks.

Das Unglück nimmt seinen Lauf

18 Stunden später, Samstag, 20.35 Uhr: Den Rettungskräften auf der Autobahn A3 präsentiert sich ein fürchterliches Bild. Fünf Autos sind bis zur Unkenntlichkeit zerstört, die Unfallstelle ein Trümmerfeld über 200 Meter verteilt. Ein 56-Jähriger Familienvater stirbt, viele weitere Menschen werden an diesem Abend teils schwer, teils leicht verletzt. Marko M. ist der Urheber diese Infernos.

Nachdem er viel zu lange auf den Beinen war, wendet er seinen VW Touareg bei Kilometer 138 zwischen Idstein und Niedernhausen auf der A3. Er hatte bemerkt, dass er in Richtung Köln unterwegs war, aber nach Wiesbaden wollte. Mit 160 Kilometern pro Stunde rast er auf dem Weg zurück in die Landeshauptstadt in den Gegenverkehr.

40 Stunden ohne Schlaf, Alkohol und Kokain zeigten dem Glück die rote Karte

Ab dem 10. März 2015 muss sich Marco M. vor dem Landgericht der hessischen Hauptstadt verantworten. Dem mittlerweile 51-Jährigen wird fahrlässige Tötung und vorsätzliche Körperverletzung in sechs Fällen zur Last gelegt. Dazu kommt, dass der Angeklagte durch Alkohol- und Kokainkonsum eine Gefährdung des Straßenverkehrs darstellte. Außerdem hatte er über 40 Stunden nicht geschlafen. Zu betörend war der Spielgewinn in der Wiesbadener Spielbank, zumal Marko M. am darauffolgenden Nachmittag nochmals 13.000 Euro in der Spielbank von Bad Homburg abgeräumt hatte.

Das Urteil des Prozesses wird sicher in erheblichem Maße das weitere Leben von Marko M. prägen. Nichts, was sich mit einer halben Million Euro reparieren ließe. Glück ist zerbrechlich wie dieser Fall zeigt. Die ungezügelte Freude über den hohen Jackpot kostete einen anderen Menschen das Leben und viele Unbeteiligte ihre Gesundheit. Mit den Füßen auf dem Boden zu bleiben, das allein kann das größte Glück bedeuten.