Tschechische Glücksspielgruppe will in Österreich expandierenWährend in fernen Ländern wie Japan die Legalisierung des Glücksspiels eine regelrechte öffentliche Debatte bezüglich der Spielsucht der Menschen ausgelöst hat, so verhält sich dies in der Alpenrepublik Österreich gänzlich anders. Insbesondere Robert Chvatal, seines Zeichens Chef der größten tschechischen Glücksspielgruppe Sazka, sieht hierin eine große Chance für den Erfolg des eigenen Unternehmens. Seiner Ansicht nach sei gerade für Casinos in Österreich sehr viel mehr möglich, als bislang geschöpft wird.

Lotto als Gradmesser für das Glücksspiel

Eines muss der Neid ihm lassen - Robert Chvatal hat stets den Finger am Puls der Zeit. In einem Interview bemerkte er erst kürzlich, dass sich immer mehr Menschen in den Abendstunden am heimischen TV die jeweilige Ziehung der Lottozahlen ansehen und hierfür weniger die Trafiken aufsuchen. Als Chef der Sazka-Gruppe, die zunächst als reiner Lotterie-Konzern begann und nunmehr die Fühler auf dem internationalen Glücksspielmarkt ausgestreckt hat, ist diese Erkenntnis sicherlich nicht uninteressant für den 49-jährigen. Vielmehr sieht der Chef des größten tschechischen Glücksspielunternehmens in dem Verhalten der Menschen eine Chance für ehrgeizige Expansionspläne. Diese sollen in der Alpenrepublik ihren Anfang nehmen. Erste Schritte wurden diesbezüglich bereits dahingehend unternommen, als dass die Sazka-Gruppe insgesamt 34 Prozent der österreichisch-teilstaatlichen "Casag" Casinos Austria erworben hat. Zusätzlich zu diesen 34 Prozent ist die Sazka-Grppe noch mit 11,56 Prozent an den jeweiligen Lotterien beteiligt, so dass die Lotterien auch weiterhin als sogenannte Cash-Cow für den Casino Konzern fungiert.

Da geht noch mehr

Robert Chvatal vertritt jedoch nicht die Ansicht, dass der Markt in Österreich bereits gänzlich abgegrast wurde. Vielmehr möchte die Sazka-Gruppe gerade auf dem Lotto-Markt zukünftig durch innovative Produkte weiter wachsen und die eigene Marktposition nachhaltig stärken. Da der Trend eindeutig in Richtung Digitalisierung geht ist die Kategorie "Online-Gaming" besonders interessant. In diesem Bereich ist das Lotto in Österreich deutlich weiter als das tschechische Pendant, welches gerade erst zu wachsen beginnt. Zur Realisierung seiner Pläne würde die Sazka-Gruppe nur zu gern weitere Anteile der Casag übernehmen. Aus diesem Umstand macht Robert Chvatal keinen Hehl, doch hat hierbei auch die österreichische Staatsholding ÖBIB ein Wörtchen mitzureden. Als zweitgrößter Aktionär hinter der Sazka-Gruppe hält die ÖBIB rund ein Drittel der Anteile. Zudem ist auch das in Graz ansässige Unternehmen Wechselseitige sowie weitere kleinere Aktionäre an der Casag beteiligt.

Den Staat möchte Robert Chvatal auch überhaupt nicht aus der Casag verdrängen. Da das Glücksspiel als überaus sensible Branche angesehen werden muss ist es wichtig, dass der Staat auch zukünftig die Rolle eines Regulators einnimmt. Dennoch hat die Sazka-Gruppe, die durch die tschechischen Milliardäre Jiri Smejc und Karel Komarek gegründet wurde, den eigenen Anspruch der Nummer 1. Über genügend Erfahrung verfügt die Gruppe zweifelsohne, da sie bereits im Jahr 2011 die vollständige staatliche tschechische Lotterie übernahm und diese damit vor der Pleite rettete. Nur ein Jahr später übernahm die Sazka-Gruppe ein Drittel der Opap in Griechenland. Seitdem konnte die Opap eine Börsennotierung verzeichnen und wuchs global zu einem der größten Lotto- sowie Sportwettenanbieter heran. Dies jedoch war der Sazka-Gruppe noch nicht genug, sie übernahm auch 32,5 Prozent der italienischen Lottoitalia. Diese war bis dato die größte europäische Nationallotterie. Bezüglich des Vorstandes von Casinos Austria äußerte sich Robert Chvatal nicht weitergehend. Vielmehr wird derzeitig davon ausgegangen, dass der Einstieg der Sazka-Gruppe bei der Casag vermutlich erst im Frühjahr 2018 vollzogen werden kann. Ein entsprechender Antrag an die österreichische Bundeswettbewerbsbehörde - kurz BWB - muss noch eingereicht werden.

Den Antrag wird die Sazka-Gruppe in naher Zukunft auch einreichen und sowohl Experten als auch Chvatal sehen bei diesem Vorgang keine nennenswerten Probleme. Als größere Hürde könnte sich indes der Prozess der internationalen Behördengenehmigungen erweisen. Chvatal möchte diese Hürde jedoch dahingehend nehmen, als dass der nationale Vorstand der Casag beibehalten wird. Seiner Erfahrung nach ist dies für eine etablierte Gruppe die beste Lösung, auch wenn internationale Manager das bestehende Team ergänzen sollen. Der bisherige Vorstand in persona Karl Stoss sowie Dietmar Hoscher haben auslaufende Verträge während hingegen Bettina Glatz-Kremsner noch einen gültigen Kontrakt bis zum Jahr 2019 hat und als Managerin ohnehin unumstritten ist. Der Casag-Aufsichtsrat genießt das volle Vertrauen der Sazka-Gruppe, zumal sie ohnehin erst nach Abschluss des Deals in dieses Gremium einziehen können.