Svenska Spel, der staatliche Glücksspielanbieter in Schweden, verzeichnete im ersten Halbjahr 2019 einen empfindlichen Rückgang beim Umsatz. Als Grund wird angegeben, dass die Kosten für die neue Regulierung, die seit Anfang des Jahres gilt, das Geschäftsergebnis negativ beeinträchtigt hätten.

Negative Entwicklung kommt nicht überraschend

schwedische flaggeDie meisten Experten hatten erwartet, dass der staatliche Glücksspielanbieter Svenska Spel auf dem neu regulierten Glücksspielmarkt die Anpassungsschwierigkeiten haben könnte. Deswegen ist es nicht erstaunlich, dass im ersten Halbjahr ein Umsatzrückgang von 4 Prozent verzeichnet werden musste. Immerhin gelang es Svenska Spel einen Umsatz von 389,4 Millionen Euro im ersten Halbjahr zu erwirtschaften. Nur mit Online-Sportwetten und Online Casinos gelang es dem schwedischen Anbieter, ein Plus zu erwirtschaften. Der Umsatz im Online-Geschäft war mit 92,2 Millionen Euro im ersten Halbjahr fünf Prozent höher als im ersten Halbjahr 2018. Das neue Online-Glücksspiel und vor allem die Pferdewetten entwickelten sich zu einem echten Kassenschlager. Allerdings ist der Umsatz mit den Sportwetten neben den Pferdewetten etwas zurückgegangen. Beim umsatzstärksten Bereich, dem Lotto, wurde ein Umsatzrückgang von 3 Prozent verzeichnet. Besonders drastisch war der Rückgang bei den landbasierten Casinos von Svenska Spel. Der Umsatz sank um 14 Prozent in diesem wichtigen Segment. Die Zahlen sind aber letztlich nicht dramatisch, zumal Svenska Spel gute Argumente dafür hat, warum das erste Halbjahr für den Anbieter insgesamt schwierig war.

Schaute man sich die Zahlen in Schweden etwas genauer an, wird schnell deutlich, dass viele Anbieter im ersten Quartal große Schwierigkeiten hatten. Die Kosten für den Umstieg auf die neue Regulierung waren und sind teilweise noch sehr hoch. Gerade für Svenska Spel, einen der Top-Anbieter in Schweden, war es mit viel Aufwand und Mühe verbunden, die neuen Regulierungsvorgaben einzuhalten. Trotz dieser Schwierigkeiten ist es bemerkenswert, dass der Umsatz nur relativ geringfügig zurückgegangen ist. Positiv ist zudem, dass bei den Online-Angeboten sogar einen Aufschwung gibt. Zudem lässt sich feststellen, dass im zweiten Quartal die Zahlen insgesamt deutlich besser sind als im ersten Quartal. Das deutet darauf hin, dass sich Svenska Spel insgesamt im Laufe des Jahres wieder erholen wird vom leichten Umsatzrückgang. Der schwedische Markt hat sich fundamental verändert durch die neue Lizenz der schwedischen Glücksspielbehörde. Vor ein paar Jahren hätte man sich noch nicht vorstellen können, dass Schweden irgendwann einmal überhaupt Online-Glücksspiel zulassen würde. Lange Zeit galt das als nahezu ausgeschlossen. Doch irgendwann haben sich die Pragmatiker auch in Schweden durchgesetzt und einen modernen Glücksspielmarkt im Internet geschaffen.

Schwedisches Modell auch für Deutschland interessant

Der schwedische Anbieter Svenska Spel ist ein staatliches Unternehmen. Die Überführung in ein privates Unternehmen ist geplant, aber noch nicht komplett umgesetzt. Aber die Kontrolle wird wahrscheinlich beim Staat bleiben. Ganz sicher ist das aber noch nicht. Klar ist aber, dass sich durch den neuen Glücksspielmarkt vieles geändert hat in Schweden. Die zahlreichen Casino-Fans müssen sich nicht mehr darauf verlassen, dass eine EU-Lizenz genauso gut ist wie eine nationale Lizenz in Schweden. Durch die neue schwedische Casino-Lizenz ist es möglich, bei Anbietern zu spielen, die direkt im Land nach schwedischen Regeln kontrolliert werden. Das ist ein riesiger Fortschritt. In Deutschland wäre auch eine nationale Casino-Lizenz möglich. Vielleicht wird es sogar bald eine derartige Lizenz geben, wenn die Bundesländer sich auf eine ähnliche Regulierung wie in Schweden beim neuen Glücksspielstaatsvertrag einigen können. Es würde sich lohnen, den Blick nach Skandinavien schweifen zu lassen, denn Schweden machte interessante Erfahrungen mit der neuen Regulierung. Insbesondere lässt sich feststellen, dass die neue Glücksspielbehörde sehr mächtig ist. Einige Anbieter mussten schon empfindliche Geldbußen bezahlen.

Das schwedische Modell könnte aber noch in anderer Hinsicht interessant sein für Deutschland. Die zahlreichen Spielbanken, die aktuell in Deutschland vorhanden sind, können nach dem schwedischen Modell in Institutionen umgewandelt werden, die auch Online-Glücksspiele zur Verfügung stellen dürfen. Dabei wäre es allerdings wichtig, den Spielbanken möglichst freie Hand zu lassen. Ein Blick in die Schweiz zeigt, dass es keine besonders gute Idee ist, die Regeln so streng zu machen, dass am Ende kein attraktives Angebot herauskommt. Ein regulierter Glücksspielmarkt kann nur dann zu einem echten Erfolg werden, wenn das Angebot, das durch die Regulierung geschaffen wird, für die Casino-Fans interessant ist. Ansonsten findet das statt, was in Schweden lange Zeit der Fall war: Die Casino-Fans spielen einfach in Casinos, die eine Lizenz in Malta, Gibraltar oder vielleicht auch irgendwo in Asien haben. Das Internet macht es möglich. Den Casino-Fans in Schweden ist mit der aktuellen Regulierung sehr viel besser geholfen als mit irgendwelchen Appellen, Glücksspiel im Internet meiden. Das wird ohnehin nicht stattfinden, denn Casino-Fans sind in dieser Hinsicht sehr beharrlich. Wer Lust hat auf Glücksspiel, möchte ein attraktives Angebot vorfinden, das zudem auch noch fair und seriös ist. In Schweden hat man das verstanden und vielleicht wird es auch in Deutschland demnächst einen modernen Regulierungsrahmen für Casinos geben.