Staatliches Online-GlücksspielOtto Wulferding, seines Zeichens Chef vom Deutschen Glücksspielverband (DSBV), hat sich in einem Interview für ein staatliches Online-Glücksspielangebot ausgesprochen. Damit könnte der Markt ein großes Stück weit von dem illegalen Angebot gereinigt werden.

Zusätzlich zu dem ohnehin schon vorhandenen Angebot an staatlichen Spielbanken sollte der Staat auch online tätig werden dürfen und entsprechende Glücksspielangebote vertreiben dürfen. Laut Wulferding wäre auf diese Weise eine absolut ordnungsgerechte und faire Handhabung unter staatlicher Kontrolle möglich. Ein Vorschlag, der auf der einen Seite sicherlich nachvollziehbar ist aber nicht gänzlich unproblematisch. Wulferding ist Geschäftsführer von der Spielbankengesellschaft im baden-württembergischen Stuttgart.

Staatlich reguliertes Online-Glücksspiel kein Novum

Wulferding hat durchaus Recht mit seinen Worten, dass sich das Glücksspielangebot im Onlinebereich aufgrund der modernen Endgeräte in Form von Smart-TV-Angeboten sowie Tablets und Smartphones regelrecht rasant dynamisch weiterentwickelt. Der DSBV-Chef gab zu bedenken, dass sich das öffentlich-rechtliche Angebot recht schwer damit tut überhaupt noch mitzuhalten. Als Verband ist es jedoch die Aufgabe, das Gemeinwohl von insgesamt 9 Spielbanken in 35 Städten Deutschlands zu vertreten. Zusätzlich dazu existieren derzeitig acht weitere Spielbankunternehmen in insgesamt sechs Bundesländern, die privat betrieben werden. Das Problem ist einfach, dass sich auf dem unregulierten Online-Markt unzählige Glücksspielanbieter tummeln, deren Sitz oftmals im Ausland liegt und die sich nicht im rechtlichen Rahmen bewegen. Aus diesem Grund seien laut Wulferding mehr legale staatlich regulierte Angebote im Netz erforderlich. In Belgien sowie Dänemark sind derartige Angebote bereits vorhanden, so dass es unseriöse oder gar illegale Anbieter schwerer haben würden.

Hat Wulferding die Worte der Kanzlerin vergessen?

Eines hat Wulferding bei seinem durchaus guten Vorschlag allerdings nicht bedacht - in Bezug auf das Internet hat der Staat relativ wenig Erfahrung. Es ist noch noch nicht so lange her, als Bundeskanzlerin Angela Merkel das Internet als "Neuland" für die Bundesregierung und ihre Abgeordneten bezeichnete. Das öffentliche Gelächter war groß, da mittlerweile in Deutschland wohl jedes Kleinkind bereits Erfahrungen mit dem Internet sammeln konnte. Zweifelsohne ist das Netz für die Nutzer sowohl Fluch als auch Segen zugleich und auch für die Glücksspielbranche wäre ein staatlich reguliertes Glücksspielangebot durchaus facettenreich. Dass die Länder durchaus Erfahrungen mit dem Glücksspiel haben belegen die aktuellen Zahlen. Allein im Jahr 2015 wurden 78,31 Millionen Euro mittels der Spielbanken eingenommen. Der Hauptteil fiel dabei jedoch auf die klassischen Automatenspiele, die ja nunmehr durch das Mindestabstandsgesetz deutlich zum Schutz des Spielers reduziert werden sollen.

Deutscher Behördenwahnsinn beim Online-Glücksspiel?

Es mag sich der normal denkende Mensch gar nicht ausmalen, wie ein staatlich reguliertes Online-Glücksspiel umgesetzt werden würde. Der Behördenwahnsinn, den Deutschland ja regelrecht erfunden hat, müsste erst einmal eben jene Regeln umsetzen, die zuvor über Wochen - wenn nicht sogar Jahre - im Bundestag ausdiskutiert und anschließend beschlossen worden sind. In Anbetracht der Tatsache, dass Bundeskanzlerin Merkel mit anderen Thematiken weitaus beschäftigter zu sein scheint könnte sich die Einführung eines staatlichen Online-Glücksspielangebotes derartig lang hinziehen, dass so mancher Glücksjäger es wohl in diesem Leben nicht mehr erleben würde. Sicherlich ist der Umstand stimmig, dass das Netz eine wahre Vielzahl von illegalen Anbietern zu bieten hat, doch müsste hierfür die Regierung hierfür wohl erst einmal ein offizielles Gutachten einholen und herausfinden, wie das "Neuland" Internet überhaupt funktioniert.