Der aktuelle Glücksspielstaatsvertrag hat noch bis zum 30. Juni 2021 Gültigkeit. Trotz einigen Lockerungen des staatlichen Monopols existieren noch immer keine bundesweit gültigen Konzessionen für Glücksspiel- und Sportwetten-Anbieter. Ab Sommer 2021 wird ein neuer Glücksspielstaatsvertrag erwartet, der mehr Rechtssicherheit verschafft. Schon lange ist die Sportwetten- und Glücksspiel-Branche im Umbruch, und diesen Umstand will jetzt ein junges Unternehmen ausnutzen. Mit erstaunlichem Selbstbewusstsein, „massiven“ Invests und provokantem Marketing fordert es die eingesessenen Marktführer heraus. 

hpybet sportwettenSportwettenanbieter Hpybet prescht auf den Markt

„Wir gehen von einer weiteren Konsolidierung des Sportwettenmarkts aus und streben mittelfristig an, uns mindestens unter den Top-Zwei der Anbieter wiederzufinden,” sagt Peter Reinhardt, Geschäftsführer des erst 2017 gegründeten  Sportwettenanbieters Hpybet, selbstbewusst.. Die Tochter des börsennotierten Konzerns Playtech BGT Sports Group (PBS) unterhält ein Geschäftsführer-Triumvirat. Neben Reinhardt gehören auch Michael Lessig und Andreas Köberl dazu. Lessig und Reinhardt verfügen über jahrelange Erfahrung in der Sportwettenbranche. Beide hatten Top-Positionen besetzt: Peter Reinhardt arbeitete erfolgreich für Bet 365 und Lessig für X-Tip. Bei Betfair waren beide, und Köberl hatte lange Jahre einen Beratervertrag mit Microsoft.   

Hpybet will Tipico verdrängen

An 500 Standorten soll Hpybet inzwischen schon Filialen betreiben – und das allein in Deutschland. Das Unternehmen investiert weiter und weiter. Bis Ende des Jahres kündigt es zusätzlich 500 Betriebe an. Von den rund 4.000 Sportwetten-Läden, die es in der Bundesrepublik gibt, gehören etwa 25 % zu Tipico. Derzeit muss man davon ausgehen, dass Hpybet den aktuellen Marktführer von seinem Stammplatz verdrängen will.„Wir sprechen potenziell 3000 Shop-Betreiber an, zu uns zu wechseln. Wir möchten die Umwälzung der Branche nutzen und mit unserem Produkt, der Marke und mit unseren Franchise-Partnern den Markt durchdringen,“ kündigt Peter Reinhardt an und verweist darauf, dass zurzeit kaum ein Anbieter den hohen technischen Standards gerecht wird. Und nur wenige Wettbewerber würden den “Spagat zwischen wachsenden Kundenansprüchen und steigender Regulierung” schaffen, stellt er fest. “Die Hpybet-Produkte sind besonders innovativ durch ihre Omnichannel-Architektur. Es wird bei uns künftig keinen Unterschied mehr geben, ob unser Kunde den Service mobil, am PC oder stationär abruft,” ergänzt der PBS-Geschäftsführer.

Hpybet: Jung, frech und nahbar

Reinhardt gibt an, dass neben der Verdopplung der Ladenlokale auch ein „massives“ Marketing gestartet wird. „Wir werden im Herbst eine breit angelegte Kampagne im deutschen Markt starten, die sowohl über TV, Social Media als auch analog laufen wird.” Details könne er zum jetzigen Zeitpunkt jedoch noch keine nennen. Als „jung, frech und nahbar“ soll Hpybet am Markt wahrgenommen werden. So lautet das ambitionierte Ziel. „Wir wollen etwas für die Markenbildung bei der Zielgruppe junge Erwachsene und innovative Early Adopters tun und insbesondere das Produkt Sportwette markentechnisch besser positionieren.“ Angeblich investiert Hpybet in diesem Jahr noch einen siebenstelligen Betrag in die Kommunikation. 

Tipico nutzt Partner aus dem Profisport als Werbe-Tool, wie beispielsweise den FC Bayern München und die Deutsche Fußball Liga. Bwin steht Tipico in nichts nach und arbeitet u.a. mit Borussia Dortmund und dem Deutschen Fußball-Bund. Dadurch fließen alljährlich zweistellige Millionenbeträge ins Sportsponsoring. Hpybet nimmt allerdings vorerst noch Abstand von Kooperationen mit dem Profisport. Möglicherweise sind die Budgets derzeit nicht ausreichend. 

Glücksspielmarkt in Deutschland noch immer unreguliert

Der Glücksspielmarkt in Deutschland befindet sich noch immer in einer juristischen Grauzone. Immerhin einigte sich die Ministerpräsidenten-Konferenz am 21. März in Berlin auf eine Neuregelung: den inzwischen dritten Glücksspieländerungsstaatsvertrag. Hierbei geht es darum, den auf bisher 20 Konzessionen beschränkten Sportwettenmarkt in Zukunft zu regulieren und für private Anbieter zu öffnen. Im Klartext heißt das: es werden neue Lizenzen vergeben. Diese haben allerdings einen Pferdefuß: sie gelten nur vom 1. Januar 2020 bis zum 30. Juni 2021, denn dann endet der aktuelle Glücksspielstaatsvertrag. Wie es danach weitergeht, bietet derzeit leider nur Anlass zu Spekulationen. Im Besonderen bei der Frage zum Umgang mit den bisher nicht regulierten Online Casinos gehen die Meinungen weit auseinander: Hessen und Schleswig-Holstein würden das Online Glücksspiel gern legalisieren, da sie auf hohe Steuereinnahmen hoffen. Andere Bundesländer wie Nordrhein-Westfalen und Berlin sind dagegen. Ob, und wenn ja, was für ein Kompromiss gefunden wird, ist im Moment noch sehr ungewiss.