Wie kann man 695.000 Euro mit Spielautomaten gewinnen? Entweder man hat sehr viel Glück oder aber kriminelle Energie. Drei Angestellte eines Spielhallen-Betreibers in Korntal-Münchingen wollten sich nicht auf ihr Glück verlassen. In einem aktuellen Verfahren des Amtsgerichts Ludwigsburg wird geklärt, ob die drei Angeklagten wegen dieser Tat verurteilt werden.

Spielautomaten abrechnen und Teil des Gewinns kassieren

Merkur GamingBei den herkömmlichen Spielautomaten, die in Spielhallen und Spielbanken aufgestellt sind, gibt es eine einfache Notwendigkeit: Die Spielgeräte müssen regelmäßig geleert werden. Da die Spieler mit Scheinen und Münzen spielen, sammelt sich mit der Zeit Geld, das vom Betreiber des Gerätes kassiert werden muss. Schon aus Sicherheitsgründen ist es üblich, dass Spielautomaten in kurzen Abständen gelehrt werden. Die drei Angeklagten im aktuellen Verfahren waren bei einer Spielhallen-Kette dafür zuständig, die Spielautomaten regelmäßig zu leeren. Für den Besitzer der Spielhallen-Kette waren die Person absolut vertrauenswürdig, da alle drei Mitarbeiter schon viele Jahre im Betrieb aktiv waren. Aber von 2016 bis 2018 sollen die drei Spielhallen-Mitarbeiter planmäßig diverse Spielautomaten so geleert haben, dass ein großer Teil des Gewinns in die eigenen Taschen geflossen ist. Damit das gelingen konnte, sollen sich nach Überzeugung des Gerichts die drei Mitarbeiter gegenseitig gedeckt haben. Im aktuellen Verfahren ist es bislang nicht gelungen, ein vollständiges Geständnis von einem der Angeklagten zu bekommen. Lediglich einer der Angeklagten hat zugegeben, etwa 30.000 Euro aus Spielautomaten entwendet zu haben.

Als neutraler Beobachter darf man staunen darüber, wie leicht es offensichtlich für die Spielhallen-Mitarbeiter war, eine Summe von 695.000 Euro zu entwenden. Es ist sehr wahrscheinlich, dass insgesamt ein wesentlich höherer Gewinn entstanden ist, dann ansonsten wäre es wohl aufgefallen, dass viel Geld in der Kasse fehlte. Wie hoch der Gesamtgewinn war, ist bislang im Verfahren nicht thematisiert worden. Aber sicher ist, dass die Abrechnungen der Spielautomaten nicht mit den Geldbeträgen, die beim Spielhallen-Betreiber abgeliefert worden sind, in Einklang zu bringen sind. Der Hintergrund: Jeder Spielautomat produziert automatisch Abrechnungen. Das ist schon aus rechtlichen Gründen nötig. Bislang ist nicht ganz klar geworden, wieso jahrelang niemandem aufgefallen ist, dass die Abrechnungen nicht mit den abgelieferten Summen übereinstimmten. Erst als eine neue Mitarbeiterin in der Buchhaltung tätig wurde, fiel die Sache auf. Entweder waren die Täter besonders clever, oder aber die Abrechnungen wurden nicht korrekt erledigt. Auch das wird im weiteren Verfahren noch zu klären sein. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Angeklagten mindestens in 30 Fällen beim Leeren der Spielautomaten Geld in die eigene Tasche gesteckt haben.

Interessante Details im aktuellen Verfahren

Es ist noch nicht klar, ob die drei Casino-Mitarbeiter wirklich für die Unterschlagung von 695.000 Euro verurteilt werden. Das Gericht hat im Moment die Schwierigkeit, die Taten genau zuzuordnen. Theoretisch wäre es auch möglich, dass nur einer der Casino-Mitarbeiter der Haupttäter war. Die Staatsanwaltschaft hat bereits in einem Rechtsgespräch eine Haftstrafe auf Bewährung angeboten. Wenn die Sachlage klar wäre und die Beweise erdrückend, müsste die Strafe eigentlich deutlich höher ausfallen. Insofern wird es spannend sein zu sehen, zu welchem Schluss das Gericht kommen wird. Immerhin könnte es auch sein, dass die Argumentation der Angeklagten, dass ganz andere Personen das Geld gestohlen hätten, schlüssig ist. Dabei ist ein Detail aus dem Prozess besonders interessant: Offenbar war es üblich, den Schlüssel für den Münztresor an der Rückwand des Tresors zu befestigen. Das ist eine abenteuerliche Idee, die aber gegebenenfalls zumindest Raum für begründeten Zweifel eröffnen könnte. Ob diese Argumentation am Schluss ausreicht, können wir an dieser Stelle nicht erklären. Aber ganz offensichtlich lief einiges schief in der Spielhallen-Kette.

Der Inhaber der Spielhallen-Kette zeigte sich im bisherigen Verfahren entsetzt darüber, dass die drei Casino-Mitarbeiter sein Vertrauen missbraucht hätten. Aber ganz schuldlos scheint der Unternehmer auch nicht so sein, denn ansonsten hätte es kaum passieren können, dass der Tresorschlüssel an der Rückwand des Tresors zu finden war. Blindes Vertrauen ist in Geschäftsbeziehungen nie eine gute Idee. Theoretisch ist es eine gute Idee, dass der Inhaber der Spielhallen-Kette sich nach eigener Aussage nicht zu einem schwachen Glied in der Sicherheitskette machen wollte und deswegen nichts von dem Tresorschlüssel wusste. Aber in der Praxis wäre es wahrscheinlich besser gewesen, wenn der gute Mann seine Mitarbeiter ein bisschen strenger kontrolliert hätte. Eine Verurteilung ist die notwendige Voraussetzung dafür, dass der Casino-Betreiber die Möglichkeit bekommt, den entstandenen Schaden zurückzufordern. Da aber bislang überhaupt kein Geständnis vorliegt, ist auch völlig unklar, wie viel Geld noch übrig ist. Vielleicht liegt die Staatsanwaltschaft auch völlig daneben und tatsächlich gibt es noch andere Täter. In jedem Fall hat der Betreiber der Spielhallen-Kette einen erheblichen Schaden erlitten, der sich nicht leicht ausgleichen lässt.

Tonbandaufzeichnung könnte zu Verurteilung führen

Die Angeklagten haben einen großen Fehler gemacht. Der Staatsanwaltschaft liegt eine Tonbandaufzeichnung vor, in der wohl ein Angeklagter dazu aufgefordert wird, die komplette Schuld auf sich zu nehmen. Da er keine Kinder habe, sei für ihn die Strafe wesentlich leichter zu ertragen. Allerdings gibt es wohl keine genaueren Äußerungen zum Umfang der Tat in dieser Tonbandaufzeichnung. Gegebenenfalls kann es ein großer Unterschied sein, ob 30.000 oder 695.000 Euro entwendet worden sind. Anders als in den USA haben die Staatsanwälte in Deutschland nur begrenzte Möglichkeiten, wenn es darum geht, einen Angeklagten mit einer Strafmilderung zu einer Aussage zu bewegen. Aus amerikanischen Fernsehserien ist bekannt, dass an dieser Stelle dann alle drei Angeklagten die Gelegenheit bekommen, die Wahrheit zu sagen. Wer als Erster auspackt, bleibt straffrei oder wird nur mit einer milden Strafe bedacht. Das ist allerdings in der deutschen Rechtsprechung in dieser Form nicht vorgesehen.

In jedem Wirtschaftsunternehmen gibt es grundsätzlich die Gefahr, dass sich Mitarbeiter aus der Kasse bedienen. Allerdings ist die Gefahr besonders deutlich, wenn Bargeld kassiert wird. Deswegen gibt es vor allem in Spielhallen meist sehr restriktive Sicherheitsvorkehrungen, die dafür sorgen, dass genau das nicht passiert. Wenn jedoch drei vertrauenswürdige Mitarbeiter gemeinsame Sache machen, hilft das wahrscheinlich auch nichts. Grundsätzlich gilt nicht nur in Online Casinos, dass in Geldfragen Kontrolle immer besser ist als Vertrauen. Aber das weiß der Inhaber der Spielhallen-Kette, der einen Schaden von 695.000 Euro zu beklagen hat, mittlerweile wohl auch. Übrigens sind auch Online Casinos nicht komplett immun gegen betrügerische Mitarbeiter. Aber da das Geld online transferiert wird, ist es sehr viel schwieriger, keine Spuren zu hinterlassen. Für die Casino-Besucher ist die Sache aber ganz einfach: Aus der Kundensicht ist es egal, wo das Geld landet, solange die Spiele fair ablaufen. In den seriösen Online Casinos mit EU-Lizenz ist das der Fall.