Jetzt ist es soweit! Liechtensteins Behörden kommen sowohl personell, als auch logistisch an ihre Grenzen. Das betrifft insbesondere das Amt für Volkswirtschaft, das die zentralen Aufgaben rund um das Geldspiel wahrnimmt, wozu auch die Bewilligung und Aufsicht der Spielbanken gehört. In puncto Aufsicht kooperiert das Amt für Volkswirtschaft sehr eng mit der Finanzmarktaufsicht (FMA), in deren Zuständigkeitsbereich die „Überwachung der Einhaltung der Sorgfaltspflichten der Spielbanken“ liegt. Anfang Oktober hat nun die Regierung des Fürstentums getagt und in einer nicht öffentlichen Sitzung den Beschluss gefasst, dass das Amt für Volkswirtschaft eine neue Abteilung bekommt, die die Geldspielaufsicht zusätzlich unterstützen und weiter stärken soll.

Beschluss nach Tätigkeitsbericht

LiechtensteinUnter der Leitung von Thomas Gstöbl wird sich die neu zu gründende Abteilung einer ganzen Reihe von Aufgaben widmen. Dazu gehört auch, dass die Einhaltung der Vorschriften zur internen Organisation überwacht wird, ebenso wie das Führen eines „effizienten Risikomanagements“. Es wird dafür sorgen, dass die „Reporting-Pflicht“ eingehalten wird, dass die Casinos einen ordnungsgemäßen und „transparenten Spielbetrieb“ gewährleisten, dass die Bruttospielerträge richtig berechnet und die daraus resultierenden Geldspielabgaben korrekt abgeführt werden und dass die gesetzlichen sozialen Konzepte, die der Spielsucht-Vorbeugung dienen, auch tatsächlich Berücksichtigung finden.

Bei der Sitzung hatte das Amt für Volkswirtschaft einen umfassenden Tätigkeitsbericht aus dem Jahre 2018 vorgetragen, mit dem es über seine vielfältigen Aufsichtstätigkeiten Rechenschaft ablegte. Der Gesamtaufwand ist allein schon durch die bisher bewilligten Spielcasinos extrem angestiegen. Für die Zukunft wird ein noch höherer Aufwand erwartet, sobald die neuen Spielbanken in den Markt eintreten. Um eine Lizensierung von Online Casinos ging es bei dieser Sitzung nicht. 

Mit dem Beschluss, die Geldspielaufsicht zu stärken, misst die Regierung einer lückenlosen und professionellen Aufsicht eine entscheidende Bedeutung bei. Aktuell ist das Amt für Volkswirtschaft allerdings noch damit beschäftigt, die personellen und organisatorischen Strukturen zu definieren.

Banken fürchten um ihren Ruf

 In den letzten Jahren hat sich das kleine Fürstentum ganz klammheimlich zu einem Glücksspielparadies erster Güte gemausert. Im „Aplenländle“ stößt der anhaltende Casino-Hype aber nicht nur auf Gegenliebe. Die Vertreter der Banken fürchten um ihren Ruf. Denn es ist noch gar nicht so lange her, dass Liechtenstein als ein Eldorado für Geldwäscher und Steuerhinterzieher galt. Nur durch harte Arbeit und politische Unterstützung ist es den Finanzplatz-Vertretern gelungen, das Land nach außen hin wieder international wettbewerbsfähig und „sauber“ zu präsentieren. Doch damit nicht genug. Der Finanzplatz soll sogar in einen der nachhaltigsten der Welt umgewandelt werden – mit ökologisch und sozial verträglichen Dienstleistungen auf dem Finanzsektor. Da steht das boomende Glücksspiel den Verantwortlichen natürlich im Weg.

Sofern man die in Planung befindlichen Spielbanken dazu zählt, dann hat Liechtenstein mehr Casinos pro Kopf, als beispielsweise Las Vegas, Monaco, Reno und selbst Macau. Die letzte Bewilligung wurde übrigens erst vor wenigen Wochen für den Bau eines Casinos in Triesen ausgesprochen. 

Zwei Spielcasinos haben ihre Tore bereits geöffnet. Drei weitere warten noch auf ihre Lizenzen. Damit wächst Liechtenstein zu einer wahren Metropole des Glücksspiels auf dem globalen Markt heran. Der Pro-Kopf-Anteil ist immens. Auf 7.600 Einwohner käme dann ein Casino. In Monaco liegt der Anteil beispielsweise bei 39.000 Einwohner pro Casino. 

Der Staat teilt die Bedenken der Finanz-Vorstände im Übrigen nicht. Kein Wunder! Es kommt ja auch reichlich Geld in die Staatskassen. Die erwarteten 3,3 Millionen Schweizer Franken an Geldspielabgaben, die für 2018 kalkuliert worden waren, haben sich fast vervierfacht. Aktuell freut sich das Finanzministerium über fette 12 Millionen und hofft, dass das auch in Zukunft so bleibt. Wenigstens für die kommenden zwei Jahre.

Finanz-Affäre schadete der Reputation

Es ist gut zehn Jahre her, dass die Reputation des Fürstentums durch eine weitreichende Affäre in den Keller rutschte. Damals hatte ein Angestellter der Liechtensteiner Fürstenbank (LGT) ganz ungeniert Kundendaten gestohlen und an das Bundesdeutsche Finanzamt verhökert. Der gute Ruf des Alpenstaates war von einem auf den anderen Tag ruiniert. Gebrandmarkt, als Oase für Steuerhinterzieher und andere zwielichtige Gestalten, wurde Liechtenstein international geächtet. Die Banken reagierten prompt und schwenkten erbarmungslos auf eine sogenannte „Weissgeld-Strategie“ um. Gerade die führenden Banken, wie die VP Bank, die Liechtensteinische Landesbank (LLB) und die LGT haben den Umschwung nicht nur gut verkraftet, sondern gleichzeitig für weitreichende internationale Expansionen genutzt.

Simon Tribelhorn ist der Geschäftsführer des Liechtensteiner Bankenverbands (LBV) und damit die treibende Kraft in puncto Nachhaltigkeitsstrategie. „Für uns und den Finanzplatz bleibt vor allem entscheidend, dass die in den vergangenen Jahren erworbene, hohe internationale Anerkennung in sämtlichen Compliance-Fragen keinen Schaden nimmt“, sagt er und seine Bedenken sind ihm dabei anzusehen. Die aktuelle Diskussion um die neuen Spielbanken will der Verband kontinuierlich weiterverfolgen. Zumindest eine Gefahr ist nicht zu leugnen, dass das Land in Zukunft wieder Vorwürfen der Geldwäsche ausgesetzt sein wird, da vorwiegend ausländische Spieler das Glücksspielangebot des Fürstentums nutzen. Liechtenstein liegt am Dreiländer-Eck Deutschland, Österreich und Schweiz und damit ausgesprochen günstig für Gamer, die in den nahe gelegenen Casinos ihrer Heimatländer gesperrt wurden. Zwar verfügen die Liechtensteiner Spielbanken ebenfalls über Sperrlisten, allerdings greifen sie auf die der Nachbarländer nicht zurück. Auch Landtagspräsident Albert Frick fürchtet um den guten Ruf des Fürstentums, dass sich „... mit Knochenarbeit zurück auf einen als seriös angesehenen Finanzplatz gekämpft hat.“