Ein Mitarbeiter der Spielbank Bad Homburg hat nach aktuellen Erkenntnissen der Polizei den Glücksspielanbieter um 1,1 Millionen Euro betrogen. Ein Tatverdächtiger sitzt bereits in Haft. Die Umstände der Tat sind genauso bemerkenswert wie die erbeutete Summe. Letztlich hat das Sicherheitssystem der renommierten Spielbank funktioniert, wenn auch erst im letzten Moment.

Casino Bad HomburgZwei verschiedene Taten werden untersucht

Beine aktuellen Pressekonferenz der Spielbank wurde bekannt gegeben, dass bereits im Januar 2019 eine Summe von 300.000 Euro entwendet worden war. Damals war es jedoch nicht möglich, einen Täter zu ermitteln. Zwar waren Mitarbeiter der Spielbank auf der Verdächtigenliste der Polizei. Aber die Liste war zu umfangreich, um Ermittlungen gegen bestimmte Personen durchzuführen. Doch die Spielbank blieb nicht untätig. Neben der Polizeiarbeit sorgte der Casino-Betreiber dafür, dass eine privat engagierte Forensikerin wichtige Hinweise auf die Täter liefern konnte. Zudem wurde eine renommierte Kanzlei engagiert, um den Fall weiter zu verfolgen. Dadurch konnte die ursprünglich sehr umfangreiche Liste mit Tatverdächtigen deutlich reduziert werden.

Zur Festnahme des mutmaßlichen Täters kam es jedoch erst nach einer weiteren Tat. Dieses Mal wurden 800.000 Euro aus einem Tresor erbeutet. Aufgrund der Umstände der Tat war es möglich, die bereits existierende Liste auf wenige Personen zu beschränken. Letztlich konnten genügend Indizien und Beweise gesammelt werden, um eine Verhaftung des Tatverdächtigen durch die Polizei zu erreichen. Die zweite Tat soll im März stattgefunden haben. Die Verhaftung wurde allerdings erst im April durchgeführt. Das hängt mutmaßlich damit zusammen, dass der Verlust des Geldes erst relativ spät aufgefallen ist. Mittlerweile sind zwei weitere Spielbank-Mitarbeiter unter Verdacht, als Mittäter an den beiden Diebstählen beteiligt gewesen zu sein.

Suche nach gestohlenem Geld bislang erfolglos

Auf der aktuellen Pressekonferenz der Kur- und Kongreß-GmbH, welche die Spielbank Bad Homburg betreibt, wurde mitgeteilt, dass das gestohlene Geld bislang nicht aufgetaucht sei. Das dürfte auch damit zusammenhängen, dass zwischen den Taten und dem Zugriff der Polizei so viel Zeit vergangen ist, dass das Diebesgut außer Reichweite geschaffen werden konnte. Allerdings kann es durchaus sein, dass das Geld im Laufe der Ermittlungen oder des Gerichtsverfahrens auftaucht. Wenn die Beweise ausreichen, um eine Verurteilung auch ohne das Diebesgut zu erreichen, könnte es beispielsweise dazu kommen, dass die Rückzahlung des Geldes zu einer Reduzierung der Strafe führt.

Die Polizei hatte großes Interesse daran, die Tat vollkommen aufzuklären, auch um eventuelle Nachahmungstäter abzuschrecken. Der aktuelle Fall ist nicht völlig untypisch. Auch in der Vergangenheit hat es schon Spielbank-Mitarbeiter gegeben, die dank ihres Insiderwissens Diebstähle begehen konnten, die für eine externe Person unmöglich gewesen wären. Die Polizei geht davon aus, dass eine Lücke im internen System der Spielbank genutzt wurde, um die beiden Diebstähle zu begehen. Allerdings hat der mutmaßliche Täter nach den Angaben auf der aktuellen Pressekonferenz Fehler gemacht, die letztlich dazu geführt haben, dass eine Festnahme stattfinden konnte. Unter anderem wurde angedeutet, dass es Videoaufnahmen gibt, die den Täter zeigen.

Spielbanken nicht nur in Hollywood beliebtes Verbrecher Ziel

Es gibt zahlreiche Hollywood-Filme, in denen es um Kriminelle geht, die ein Casino ausrauben. Die bekanntesten Filme mit diesem Thema sind wohl Ocean's Eleven, Ocean’s Twelve und Ocean's Thirteen. In diesen Filmen ist allerdings der Casino-Besitzer eine eher unsympathische Person, der kein Zuschauer den Casino-Reichtum gönnt. Bei der Spielbank Bad Homburg handelt es sich hingegen um ein staatliches Unternehmen, bei dem ein erheblicher Teil des Gewinns direkt an den Staat in Form von Steuern fließt. Insofern wurden bei der aktuellen Tat nicht irgendwelche privaten Casino-Besitzer ausgeraubt, sondern die deutschen Staatsbürger. Aber bei den Summen, die im Raum stehen, hat das vermutlich eine untergeordnete Rolle für den oder die Täter gespielt.

Grundsätzlich sind alle Anbieter von Glücksspiel, von großen Spielbanken wie in Bad Homburg bis hin zu kleinen Spielhallen, wie es sie in jeder Stadt gibt, potenzielle Ziele für Kriminelle, die das schnelle Geld machen möchten. Nicht immer gehen die Täter dabei so dezent vor wie im aktuellen Fall. Oft wird gerade bei Spielbank-Überfällen Gewalt angewendet. Theoretisch könnten auch seriöse Online-Casinos zum Ziel von Kriminellen werden. Aber da kein Bargeld vorrätig ist und moderne Kasinos mit sicheren SSL-Verschlüsselungen arbeiten, ist es eher unwahrscheinlich, dass sich Kriminelle daran versuchen, ein Casino im Internet auszurauben.