In der Schweiz wird der Kopf einer illegalen Glücksspiel-Organisation angeklagt. In dem Verfahren geht es um einen Schaden von 20 Millionen Franken. Die Staatsanwaltschaft von Solothurn behauptet in der Anklageschrift, dass der Angeklagte zwischen 2013 und 2017 eine Organisation geleitet habe, die in der Schweiz illegale Glücksspiele angeboten habe. Das Ausmaß des illegalen Angebotes war laut Anklageschrift beträchtlich, sodass Beobachter im Fall einer Verurteilung mit einer beträchtlichen Strafe rechnen.

Schweizer Polizei CasinoMehr als 90 illegale Glücksspiel-Anbieter in der ganzen Schweiz

Die Staatsanwaltschaft hat bei ihren Recherchen ermittelt, dass in der Schweiz über 90 verschiedene Lokale betrieben wurden, in denen illegales Glücksspiel unter der Leitung des Angeklagten angeboten wurde. Das ist eine bemerkenswerte Anzahl, die darauf hindeutet, dass sehr viele Menschen das verbotene Geschäft betrieben haben müssen. Umso erstaunlicher ist es, dass es möglich war, in diesem Umfang aktiv zu werden. Der Angeklagte 53-jährige Türke gehört laut Staatsanwaltschaft zur kurdisch-türkischen Wettmafia, die bevorzugt in Basel, Bern und Solothurn aktiv ist. Mit der Festnahme des Anführers der Organisation in der Schweiz ist der Polizei ein wichtiger Erfolg gelungen.

Dem Angeklagten wird vorgeworfen, dass er die Lokale mit der nötigen Technik ausgestattet habe. Darüber hinaus sei auch Kompetenz in Form von Buchhaltern, Casino-Personal und Geldeintreibern zur Verfügung gestellt worden. Teilweise seien mithilfe der Glücksspiel-Mafia sogar Lokale deutlich vergrößert worden, um die gewünschten Angebote zur Verfügung stellen zu können. Letztlich wurde die illegale Organisation wie ein Unternehmen geführt, nur dass das Geschäftsmodell in der Schweiz nicht legal möglich gewesen wäre. Doch die kurdisch-türkische Wettmafia beschränkte sich nicht darauf, Glücksspiele anzubieten. Auch andere Straftaten werden dem Angeklagten im derzeitigen Verfahren vorgeworfen.

Gesetzesverstöße von Nötigung bis illegale Beschäftigung

Im aktuellen Prozess werden auch Nötigungen, zum Beispiel Androhungen im Falle fehlender Zahlungen, und Gewaltdelikte verhandelt. Darüber hinaus muss sich der Angeklagte verantworten für die Beschäftigung von illegal eingeschleusten Osteuropäerinnen, die laut Anklageschrift für den Betrieb der verbotenen Glücksspiel-Angebote extra in die Schweiz geholt wurden. An solchen Details wird deutlich, wie umfangreich das gesamte Unternehmen war. Der finanzielle Schaden in Höhe von 20 Millionen Franken ist angesichts der Dimensionen des Netzwerks fast schon erstaunlich niedrig. Neben dem Anführer der Glücksspiel-Mafia müssen sich noch 15 weitere Personen in Verfahren wegen Gesetzesverstößen verantworten. Prozessbeobachter gehen davon aus, dass es zu zahlreichen Verurteilungen kommen wird, da die Beweislage gut ist.

Hohe Nachfrage ermöglicht Erfolg der Glücksspiel-Mafia

Im Gerichtsprozess geht es nicht um die Voraussetzungen, die überhaupt dazu geführt haben, dass ein illegaler Glücksspiel-Ring in der Schweiz derart erfolgreich werden konnte. Aber viele Experten sind sich einig darüber, dass das Glücksspiel in der Schweiz zu streng reguliert ist. Das gilt insbesondere für das Online-Glücksspiel. Auch seriöse Online Casinos haben es seit jeher schwer, im Alpenland eine Lizenz zu bekommen. Die mittlerweile neu geschaffene Regulierung für Online-Glücksspiele ist sogar noch strenger als früher. Alle Erfahrungen zeigen jedoch, dass die Nachfrage nach Glücksspiel mehr oder weniger unabhängig davon ist, ob es legale oder illegale Angebote gibt. Wenn die legalen Angebote nicht ausreichen, suchen sich die Spieler illegale Casinos, um ihrer Leidenschaft nachzugehen.

Genauso wie in Deutschland fehlt es laut Branchenvertretern auch in der Schweiz an einer pragmatischen Regulierung. Pragmatisch würde in diesem Fall bedeuten, dass seriöse Anbieter mit einer Schweizer Lizenz ausgestattet werden könnten. Das würde vor allem den Schweizer Behörden die Möglichkeit geben, das Glücksspiel besser zu regulieren. Selbst wenn es mit drastischen Maßnahmen möglich sein sollte, Online Casinos komplett aus der Schweiz auszusperren, blieben immer noch die zahlreichen illegalen landbasierten Angebote. Zwar ist der Schlag gegen die kurdisch-türkische Wettmafia, der im aktuellen Verfahren gipfelt, bemerkenswert. Aber niemand sollte sich der Illusion hingeben, dass damit das illegale Glücksspiel in der Schweiz vorbei ist. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass längst andere Anbieter in die Lücken gestoßen sind.