Eine 42-jährige Britin musste sich vor Gericht verantworten, weil sie eine Krebserkrankung vorgetäuscht und Spendengelder gesammelt hatte, um angeblich die teuren Behandlungskosten damit zu finanzieren. Stattdessen floss das Geld in ihren aufwendigen Lebensstil, Glücksspiel und Reisen. Nicole Elkabbass wurde vor dem Canterbury Crown Courts der Prozess gemacht. Sie bestritt sämtliche Vorwürfe, doch die Jury befand sie Ende November dieses Jahres der Veruntreuung und des Betruges für schuldig.

Keine Krebs-Diagnose

Gesetz GlücksspielDie Mutter eines elfjährigen Jungen hatte sich bei dem Spendenportal GoFoundMe im Netz angemeldet und dort eine Seite eingerichtet. Sie erfand eine bevorstehende lebensrettende Krebsoperation, bei der ihr angeblich der rechte Eierstock entfernt werden sollte und brachte dadurch insgesamt rund 600 gutmütige Spender dazu, in den Fond einzuzahlen. 45.000,- Britische Pfund, was mehr als 50.000,- Euro entspricht, konnte sie durch diesen Schwindel ergaunern. Das Geld nutzte sie, um ihren aufwändigen Lebensstil zu finanzieren, für den ihr andernfalls die entsprechenden Mittel gefehlt hätten. Dazu gehörten auch Kurzurlaube im Ausland, Hotel- und Restaurantbesuche, Tottenham Hotspur Tickets im Wert von über 4.000,- Britischen Pfund, Haarverlängerungen und hohe Einsätze in Online Casinos. Für den Spendenaufruf diente der Frau aus dem Küstenstädtchen Broadstairs ein Foto, das sie kränklich in einem Krankenhausbett zeigt. Staatsanwalt Ben Irwin konnte jedoch nachweisen, dass es sich auch bei diesem Foto um eine hinterlistige Täuschung gehandelt hatte. Das Bild stammte aus einer Zeit, als man ihr die Gallenblase entfernt hatte. Bewiesen werden konnte dies durch die Aussage eines Bekannten der Angeklagten. Der Arzt Humphrey Morris erklärte vor Gericht, dass er das Krankenbett aufgrund der auffälligen Tapete, die sich an der Wand hinter dem Bett befand, dem Hospital zuordnen konnte, in dem zwei Jahre zuvor seine damalige Freundin operiert worden war. Darüber hinaus widersprach er der Angabe von Nicole Elkabbas, dass er angeblich ihre Krebserkrankung diagnostiziert hätte. Schon als die 42-Jährige ihm von ihrer mutmaßlichen Krankheit und dem Spendenaufruf erzählte, sei ihm „... die ganze Sache äußerst komisch“ vorgekommen.

Behandelnder Arzt existierte nicht

Ein Chirurg mit „Adleraugen“, der am Private Spencer Hospital in Margate praktiziert, war Nicole Elkabbass als erster auf die Schliche gekommen und meldete seinen Verdacht bei der Polizei. George Tsavellas sagte aus, dass er „... online auf die Kampagne aufmerksam gemacht worden war“ und direkt skeptisch war. Nachdem er das Foto von Nicole Elkabbas sah, war ihm klar, dass sie nicht in irgendeinem spanischen Krankenhaus lag, wie sie behauptet hatte, sondern in „seiner“ Klinik, dem Private Spencer Hospital in Margate. Er selbst führte im November 2017 eine Schlüsselloch-Operation bei ihr durch, bei der ihr die Gallenblase entfernt worden war. Eine Routine-Operation. Das Foto von der Angeklagten im Krankenbett sei zu diesem Zeitpunkt entstanden, vermutete der Arzt. Um sicher zu gehen konsultierte er den Krankenhausmanager, der die Vermutung bestätigte, dass die Aufnahme aus dem November 2017 stammte und nicht aus dem Frühjahr 2018, als das Bild in den sozialen Medien erschien. George Tsavellas berichtete vor Gericht, wie er zunächst seine „... Gewerkschaft und das Rechts-Team des Krankenhauses“ verständigt und bezüglich der strengen Regularien hinsichtlich vertraulicher Informationen zu Patienten befragt hatte. Erst nachdem ihm die Unterstützung des Rechtsteams der Klinik versichert wurde, wandte er sich an die Polizei. Die Ermittler nahmen daraufhin Kontakt zu dem Krankenhaus in Barcelona auf, in dem sie sich nach eigenen Angaben zum Zeitpunkt der Aufnahme aufgehalten haben soll. Dort war sie nicht bekannt, und auch der behandelnde Arzt, dessen Namen sie mit Dr. Filipe Suarez angab, existierte nicht.

Gericht glaubte den Zeugen

Bei ihrer Verhaftung gab Nicole Elkabbas an, dass sie eine Krebsbehandlung mit intraperitonealer Chemotherapie erhalten habe. Im Verlauf des Prozesses gestand sie jedoch vor Gericht, dass dies eine Lüge war. Außerdem gab sie an, bereits seit zehn Jahren an Spielsucht zu leiden. Ihr Verhalten erklärte sie damit, dass „... Süchtige so etwas tun.“ Auch bestand sie während all der Verhandlungstage darauf, dass der Gynäkologe Nicholas H. Morris bei ihr im Februar 2018 Krebs diagnostiziert hatte und anschließend 25.000,- Britische Pfund für eine „aussichtsreiche Behandlung“ forderte. Nachdem sie ihm versicherte, diese Summe nicht zahlen zu können, hätte er ihre Anrufe und Nachrichten blockiert. Dr. Morris bestritt diese Behauptungen mehrfach und bezeichnete sie als „reine Fantasie“. Er fügte noch hinzu: „Sie war noch nie eine Patientin von mir, und sie hat mich noch nie in einem Krankenhaus oder in einer Klinik gesehen, in der ich arbeite", fügte er hinzu. Das Gericht glaubte ihm. Auch in den Aufzeichnungen des Krankenhauses waren keine Hinweise zu finden, die bestätigten, dass Nicole Elkabbass dort an Krebs behandelt wurde.

Die Jury befand die ehemalige M & S Mitarbeiterin des Betrugs und des Besitzes von kriminellem Eigentum – womit die unrechtmäßig eingenommenen Spendengelder gemeint sind - für schuldig. „Es wird nicht das letzte Mal sein, dass Sie von Herrn Morris hören“, rief die Angeklagte nach dem Schuldspruch. Am 5. Februar 2021 wird das Urteil offiziell verkündet. Sie wurde gegen Kaution freigelassen. „In Bezug auf die aktuelle Gesetzeslage wird es eine Freiheitsstrafe geben“, sagte der Richter abschließend.