Schleswig-Holstein wird auch in Zukunft 23 Lizenzen für Online Casinos vergeben. Mindestens bis Mitte 2021 werden die aktuellen Lizenzen verlängert. Die Ministerpräsidenten der Bundesländer sind zu diesem Kompromiss auf der Ministerpräsidentenkonferenz in Berlin gelangt. Wie die Lübecker Nachrichten berichten, darf die Landesregierung in Kiel den Sonderweg beim Glücksspiel weitergehen. Für die betroffenen Online Casinos ist das eine gute Nachricht, denn ansonsten wären die Lizenzen in diesem Jahr ausgelaufen.

Mittelfristiges Ziel: Liberalisierung des Glücksspiel-Marktes

Schleswig HolsteinDie aktuelle Entscheidung auf der Ministerpräsidentenkonferenz ist ein gutes Zeichen für alle Casino-Betreiber und alle Glücksspiel-Fans. Eine Entscheidung wird deutlich, dass eine Mehrheit in der Ministerpräsidentenkonferenz die Notwendigkeit erkannt hat, Online-Glücksspiele zu regulieren. Das sogenannte Nord-Modell gilt dabei mittlerweile als Maßstab für eine vernünftige Umsetzung einer Casino-Lizenz in Deutschland. Im Idealfall kommen die Ministerpräsidenten bis Mitte 2021 zu einer bundesweiten Lösung. Dann könnten Online Casinos in Deutschland nach klar vorgegebenen Regeln agieren.

Von Experten wird die Liberalisierung des Glücksspiel-Marktes seit Jahren gefordert. Der einfache Grund: In der aktuellen Situation ist es unmöglich zu verhindern, dass Glücksspiel-Fans online in Casinos spielen. Schon 2017 wurde von den Glücksspielaufsichten der Länder ein Umsatz von 1,76 Milliarden in Online Casinos angenommen. Mittlerweile dürfte die Zahl sogar noch höher sein. Mit einer Liberalisierung des Glücksspiel-Marktes wäre es möglich, hohe Ansprüche beim Spielerschutz umzusetzen und zugleich die Steuereinnahmen aus dem Glücksspiel-Bereich deutlich zu erhöhen.

Schweden und Spanien weisen den Weg

Erst kürzlich haben Schweden und Spanien neue Lizenzen geschaffen für Online Casinos, um den Markt zu regulieren. Die Ansprüche an Casino-Betreiber sind vor allem in Schweden sehr hoch. In diesen beiden Ländern haben die Politiker verstanden, dass es besser ist, einen Markt aktiv zu regulieren, als sich auf Verbote zu berufen, die in der Praxis keine Wirksamkeit haben. Allerdings hat es auch in Schweden und Spanien lange gedauert, bis vernünftige gesetzliche Rahmenbedingungen geschaffen wurden. Wie schnell die Umsetzung in Deutschland möglich ist, wird auch davon abhängen, welche Ministerpräsidenten im Jahr 2021 an der Macht sind, da das Glücksspiel in Deutschland in den Bundesländern gesetzlich geregelt wird.

Sportwetten-Markt in Deutschland als Vorbild

In Deutschland hat man sich nach langem Ringen dazu entschlossen, den privaten Sportwetten-Markt komplett zu liberalisieren. Zwar gibt es jetzt auch schon private Sportwetten-Anbieter mit einer deutschen Lizenz, aber ab 2020 gibt es keine Begrenzung mehr bei der Anzahl der Buchmacher. In der Testphase sollen die Lizenzen für eineinhalb Jahre ausgegeben werden. Wenn sich die Liberalisierung des Sportwetten-Marktes bewährt, ist davon auszugehen, dass die Lizenzen verlängert werden. Bei den Sportwetten gilt genauso wie bei den Online-Glücksspielen, dass eine vernünftige Regulierung besser ist als unkontrollierter Wildwuchs.

Nach wie vor politische Widerstände zu überwinden

Während die CDU in Schleswig-Holstein und vielen anderen Bundesländern die aktuelle Entscheidung der Ministerpräsidentenkonferenz positiv sieht, gibt es bei einigen SPD-Politikern große Bedenken. So äußerte sich der Fraktionschef der SPD im schleswig-holsteinischen Landtag, Ralf Stegner, kritisch. Nach Stegners Auffassung ist es ein Fehler, die Casino-Lizenzen in Schleswig-Holstein zu verlängern. Die SPD sieht in fast allen Bundesländern die Glücksspiel-Branche kritisch, bietet aber derzeit auch keine vernünftige Alternative zu einer gesetzlichen Regulierung an. Die lizenzierten Sportwetten-Anbieter haben gezeigt, dass Lizenzierung und Regulierung auch in Deutschland gut funktionieren können. Es bleibt zu hoffen, dass sich in Deutschland die Erkenntnis durchsetzt, dass auch bei Online Casinos eine vernünftige gesetzliche Regelung wirkungsvoller und sinnvoller ist als moralische Appelle.