In den vergangenen Jahren hat die RTL-Gruppe sehr viel Geld locker gemacht und die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender mehr als einmal ausgebootet. Jedenfalls immer dann, wenn es um Fußball ging. Seit der Saison 2018/2019 übertragen RTL und RTL Nitro nicht nur Spiele der Europa League. Frei nach dem Motto „Nach der WM ist vor der EM“ sicherte sich der Kölner Privatsender überdies die exklusiven Free-TV-Rechte an allen European Qualifiers-Spielen der deutschen Nationalmannschaft zur Fußball-Europameisterschaft 2020. Doch damit nicht genug! Außerdem gingen die Qualifikationsspiele zur Fußball-Weltmeisterschaft 2020 an RTL. Mit kostspieligen Millionen Verträgen und dem Einkauf von Top-Stars als TV-Experten wie unter anderem Jürgen Klinsmann, Steffen Freund und Roman Weidenfeller spekuliert der Sender auf eine starke Quote. Auch Online Casinos mit umfangreichem Sportwetten-Angebot profitieren von der ständig wachsenden medialen Präsenz des Fußballs im Free TV.

RTL LogoSelbst Trainingsspiele gehören zu RTL’s neuem Millionen-Deal

Neben der ausführlichen Berichterstattung von allen anderen Qualifikationsspielen ohne deutsche Beteiligung sind in den TV-Rechten ebenso die umfangreichen Online- und Mobil-Verwertungsrechte enthalten, Der neue Vertrag zwischen der UEFA und RTL sieht darüber hinaus die Übertragung von Testspielen der deutschen Nationalmannschaft vor. Nitro, der zur RTL-Gruppe gehörende Nischensender, überträgt jetzt sogar ein Übungsspiel der deutschen Nationalmannschaft live aus Aachen. Der Kick wird nicht einfach nur ausgestrahlt, sondern professionell moderiert und von ausgewiesenen Experten kommentiert.

Um einen Zufall handelt es sich bei dieser eher unüblichen TV-Präsentation ganz sicher nicht. Schließlich überträgt RTL kurz darauf ein weiteres Qualifikationsspiel von Jogi Löws Team und scheint den Test-Kick der deutschen Elf bei Nitro als eine Art Warm Up dafür zu nutzen. Noch nie in der Geschichte des Fernsehens hat es bei einem Privatsender eine derartige Konzentration von Spielen der Nationalmannschaft gegeben. „Es ist ein überragendes, strategisches Produkt im Fernsehbereich", sagte RTL-Sportchef Manfred Loppe der Deutschen Presse-Agentur: "Fußball lieben alle. Der Wert ist aus Image- und Marketinggründen für uns groß."

28 Spiele bis 2022 der Nationalmannschaft gesichert

Beide bei der UEFA erworbenen Rechtepakete laufen bis 2022. Die insgesamt 28 Partien der DFB-Auswahl beinhalten auch Pakete mit den Qualifikationsspielen für EM und WM, die zum Teil schon in 2018 galten. Hinzu kommen die Testspiele der Jogi-Elf. Die beiden öffentlich-rechtlichen Sender sicherten sich im Gegenzug das dritte UEFA-Rechte-Paket mit den Nations-Liga-Begegnungen. Das heißt: ARD und ZDF teilen unter sich nur ein Dutzend Spiele auf.

Ein weiterer Coup ist RTL gelungen, indem der Sender Jürgen Klinsmann unter Vertrag nahm. Charmant und versiert kommentiert „Klinsi“ die Spiele seines EX-Assistenten und Bundestrainer-Nachfolgers Joachim Löw. Laut Loppe registriert die Werbewirtschaft "immer positiv, wenn prominente und damit zugkräftige Protagonisten im Team sind".

Großangriff auf Fußball-Rechte

Über die Kosten herrscht Stillschweigen. Weder RTL redet über Geld, noch die Konkurrenz. Laut Schätzungen liegt der Preis für eins der Nationalmannschafts-Pakete bei mehr als 100 Millionen Euro. Soviel wird die ProSiebenSat.1-Gruppe für den Deal mit dem DFB nicht hingelegt haben. Im Paket für die U21-Rechte sind bis zum Sommer 2023 ganze 35 Länderspiele enthalten. Für die EM im kommenden Jahr liegen die Rechte aber – ebenso wie für die A-Auswahl – bei ARD und ZDF.

Die DFB-Elf, Bundesliga und Champions League sind für ProSiebenSat.1 zu teuer. "Die Quoten sind sicher attraktiv, aber das ist finanziell nicht darstellbar", erklärte Zeljko Karajica. "Die Investition bekämen wir nicht ansatzweise refinanziert," fügte der für Sport zuständige Geschäftsführer bei ProSiebenSat.1 hinzu. Ins Schwärmen hingegen gerät Karajica, wenn er von der U21 spricht: „Bei MAXX zeigen wir die Stars von morgen." Trotz aller Begeisterung über den Kauf räumte er allerdings ein: „Wir hinterlassen einen Fußabdruck, aber als Großangriff auf Fußballrechte ist das sicher nicht zu sehen."

Als ein solcher könnten eher die RTL-Deals bezeichnet werden.