Bei einer Razzia in Gießen haben Steuerfahnder, Polizisten und Mitarbeiter des Ordnungsamtes gezielt nach Fun Games in Spielothek und Spielhallen gesucht. Die Behörden sind besonders alarmiert, nachdem im Mai in der Neustadt eine Schießerei stattgefunden hat. Bei der Razzia konnte das Behördenteam zumindest einige kleine Erfolge feiern.

GiessenFun Games sind großes Problem in Spielhallen

Im ersten Moment mag es seltsam klingen, aber Fun Games, also Spaß-Spiele, werden zunehmend zu einem Problem in Spielhallen, nicht nur in Gießen. Bei den Fun Games handelt es sich um Glücksspiele, die Geld kosten, aber keinen Gewinn bringen können. Im Kern funktionieren Fun Games genauso wie die meisten Spielautomaten, nur dass der Kunde nicht darauf hoffen kann, dass der Automat am Ende einen lukrativen Gewinn ausspuckt. Deutlich unterhaltsamer und auch noch kostenlos sind Spielgeld-Slots in modernen Online Casinos. Die illegalen Fun Games in Spielhallen sind problematisch, da das Risiko hoch ist, dass der Kunde viel Geld in relativ kurzer Zeit verliert. Bei den legalen Spielautomaten ist hingegen genau vorgeschrieben, wie viel Geld ein Spieler verlieren darf pro Stunde. Die Vorgaben werden auch dadurch erreicht, dass immer wieder Geld ausgeschüttet wird. Aber ganz ohne Gewinne funktionieren die Fun Games in der Praxis meistens nicht. Das bestätigte die Polizei in Gießen im Pressegespräch nach der Razzia.

Die Fun Games belohnen den Spieler dadurch, dass eine Punktzahl ermittelt wird. Diese Punktzahl wird am Ende des Spiels angezeigt. In manchen Spielhallen ist es möglich, die Punktzahl zu fotografieren und dann zum Personal zugehen, um einen Geldgewinn zu kassieren. Das mag im ersten Moment nicht besonders verdächtig scheinen, aber das Problem ist: Mit diesem Geschäftsmodell hinterziehen die Spielhallen-Betreiber Steuern. Wenn die Gewinnauszahlung überhaupt nicht registriert wird, bekommt auch das Finanzamt nichts mit. Generell ist es die Manipulation von Spielautomaten zur Steuervermeidung weit verbreitet. Deswegen gibt es strenge Vorschriften, welche Software auf den legalen Automaten laufen darf. Die Beamten waren bei der aktuellen Razzia in Gießen auch damit beschäftigt, bei jedem Gerät zu prüfen, ob die ordnungsgemäße Software installiert war.

Gewerberechtliche Verstöße und andere Delikte

Bei der Razzia, in der zwei Spielhallen gleichzeitig durchsucht wurden, konnte die Polizei insgesamt 62 Personen überprüfen. Ein Zufallstreffer war dabei ein Asylbewerber, der keine Aufenthaltserlaubnis in Deutschland mehr hat. Der Mann versuchte zwar noch kurz zu entwischen, konnte aber umgehend von der Polizei gestellt werden. Ansonsten konnte die Polizei vor allem gewerberechtliche Verstöße feststellen. Auch die berüchtigten Fun Games wurden gefunden und sichergestellt. Die verdächtigen Geräte werden von Spezialisten ausgewertet, auch um entsprechende Verfahren gegen die Spielhallen-Betreiber einleiten zu können. Insgesamt war die Razzia zwar ein Erfolg, aber spektakuläre Ergebnisse kamen nicht zutage. Angesichts des riesigen Aufwands, der betrieben wurde, ist das zumindest von außen betrachtet etwas enttäuschend. Aber der Gießener Polizei ging es vor allem darum, Präsenz zu zeigen und eine abschreckende Wirkung zu entfalten.

Nachdem es im Mai in einer Spielhalle in Gießen zu einer Schießerei gekommen war, drängten Behörden und lokale Politiker darauf, strenger durchzugreifen. Am Tag der Razzia war das Klima dafür aber nicht ganz optimal. Bei hitzigen 35 Grad trieb es die meisten Glücksspiel-Fans nicht in Spielhallen, sondern ins Freibad. Entsprechend wenige Kontrollen wurden am Ende durchgeführt. In einer Spielhalle konnte allerdings ein illegaler Raum ermittelt werden, der den Besitzer teuer zu stehen kommen könnte. Eine Weile lang war nicht klar, ob dieser illegale Raum überhaupt zur Spielothek gehörte. Aber letztlich konnten die Beamten eine Klingel finden, die eindeutig die Verbindung zwischen dem illegalen Angebot und der Spielothek nachwies. Ob sich der Aufwand am Ende gelohnt hat, wird sich zeigen, wenn die eingeleiteten Verfahren abgeschlossen sind. In jedem Fall zeigt die Razzia in Gießen, dass es trotz strenger Gesetze und Kontrollen nach wie vor auch in vielen deutschen Spielhallen Probleme mit illegalen Angeboten gibt.