Für die einen ganz normal, für die anderen gehört sie schon längst in jedem Medium verboten. Werbung für Glücksspiele erregt und erhitzt die Gemüter schon seit langem und immer wieder auf's Neue. Offiziell darf seit 2019 keine Werbung mehr gezeigt werden, aber wie jeder Fernsehzuschauer und jede Fernsehzuschauerin mitbekommt – zumal wenn er oder sie sportbegeistert ist – wird jede Menge Werbung für Glücksspielanbieter betrieben. Keine Sportveranstaltung, die nicht entweder von einem Anbieter gesponsert ist oder bei der man zumindest Werbung eines Anbieters sieht. Auch im Radio kommt man nicht darum herum. Und wie wird es in diesem Jahr mit der Werbung weitergehen, insbesondere, wenn der neue Glücksspielstaatsvertrag in Kraft tritt?

Glücksspielwerbung im Hier und Jetzt

Es gibt fast keine Sportveranstaltung, die nicht von einem Sportwettenanbieter entweder ganz oder teilweise präsentiert wird. Besonders schwierig wird es bei den Dritten Programmen der öffentlich-rechtlichen Anbietern, die sehr häufig mit einem entsprechenden Radioprogramm gekoppelt sind, wie z.B. der Bayerische Rundfunk, der Norddeutsche Rundfunk, der WDR etc. Der Westdeutsche Rundfunk zeigt in diesem Zusammenhang zum Beispiel keine Spiele der Dritten Bundesliga mehr, um eine Werbung von Glücksspielanbietern und Sportwettenanbietern zu umgehen. Dies ist bei Fußballspielen der Ersten und Zweiten Bundesliga nicht mehr zu realisieren. Hier bewegt man sich immer noch in einer Grauzone, die durch den neuen Glücksspielstaatsvertrag abgeschafft werden soll. Im Moment sind Online Glücksspiele eigentlich noch verboten, werden aber im Hinblick auf die neue Regulierung bereits jetzt mehr oder weniger geduldet. Und dies auf unterschiedliche Art und Weise. Der Grund dafür liegt in unserem Staatssystem, sprich im Föderalismus, der ja auch gerade in einem anderen Zusammenhang, stark in der Diskussion steht. Aber das ist ein anderes Thema und gehört hier nicht hin. Schleswig-Holstein hat bisher als einziges Bundesland Lizenzen für Online Casinos und Sportwetten-Anbieter vergeben. Aber gerade die privaten Sender wie RTL, Sat1 oder Pro7 buchen keine Werbeplätze im regionalen Fernsehen, sondern bundesweit. Die Casino-Werbung der in Schleswig-Holstein legalen Anbieter wird in ganz Deutschland ausgestrahlt. Und das zu jeder Tageszeit. Aber eine solche Erfahrung wird bereits jeder Fernsehzuschauer eines privaten Senders gemacht haben. Man kommt um diese Art der Werbung nicht mehr herum, dabei spielt es keine Rolle, was man wann sich anschaut. Es nutzt natürlich auch wenig, wenn der Hinweis eingeblendet wird, dass das Angebot nur für Menschen mit ständigem Wohnsitz in Schleswig-Holstein gilt. Zumal auch nicht immer sofort ersichtlich ist, ob die Werbung sich nun auf einen Anbieter wie Wunderino und Co bezieht oder nur auf einen bestimmten Online Casino Bonus. Selbst wenn es zu keiner direkten Werbung kommt, so wird man immer noch indirekt mit dieser konfrontiert, beispielsweise bei der immer beliebter werdenden Trikotwerbung oder bei der Benennung von Stadien, wie z.B. der Merkur Arena in Düsseldorf. Irgendeine Form der sogenannten Schleichwerbung tritt fast immer auf.

Glücksspielwerbung nur im Radio problematisch

Und wie sollen Regelungen für das Glücksspiel, zum Beispiel für den Radio-Einsatz, in diesem Jahr aussehen, falls der neue Glücksspielstaatsvertrag durch die Länder ratifiziert wird? Natürlich geht es in erster Linie darum, den Spieler- und Spielerinnen-Schutz zu verstärken. Ganz verbieten oder vollständig einschränken lässt sich die Werbung für Glücksspiel sowieso nicht. Denn schließlich ist Lotto auch ein Glücksspiel, und für das wird auch weiterhin geworben werden. Man versucht nun durch gewisse Zeitfenster Werbung von Kindern und Jugendlichen fernzuhalten. Immer wieder wird dabei ein Zeitraum von 21.00 bis 6.00 diskutiert, in welchem Glücksspielwerbung erlaubt sein könnte. Aber gerade Jugendliche schauen auch später noch Fernsehen oder hören sich Radioprogramme an. Zudem sollen nur noch in Deutschland lizenzierte Anbieter Werbung schalten dürfen. Die Regelungen für den Sport werden separat getroffen. Wird zum Beispiel bei einer Radioübertragung der Spielort genannt, so müsste es ja korrekterweise zum Beispiel die Merkur Arena in Düsseldorf heißen.  

Ein vollständiges Verbot wird sicherlich nicht in Kraft treten. Dies ist ja auch vom Glücksspielstaatsvertrag gar nicht gewollt. Der Staat und die Länder werden nicht auf Steuereinnahmen durch die Werbung verzichten wollen. Nur wie die Regelungen dann ganz genau aussehen werden, das steht noch in den Sternen bzw. befindet sich noch in den Köpfen der Verantwortlichen der einzelnen Landesregierungen. Es mag sein, dass es eine bundesweit einheitliche Empfehlung geben wird, aber letztendlich entscheidet jedes Land selbst, wie und ob diese Empfehlungen umgesetzt werden. Es bleibt also spannend und wird sich sicherlich erst kurz nach dem Inkrafttreten des neuen Glücksspielstaatsvertrags entscheiden, wer wann, wie und wo Werbung für Glücksspiel in Deutschland machen darf. Ob es dann auch zu einer besonderen Regelung für das Internet kommt, ist noch mal ein ganz anderer Diskussionspunkt, an dem ganz andere Mechanismen greifen.