Privatisierung der Westspiel-Gruppe beschlossen

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Wie der General-Anzeiger aus Bonn zu Beginn dieser Woche berichtete, hat die nordrhein-westfälische Landesregierung in ihrer Kabinettssitzung am Dienstag den Weg für den Verkauf der Westspiel-Gruppe freigemacht.

Die Gesellschaft Westspiel betreibt in Nordrhein-Westfalen vier Spielbanken in Duisburg, Dortmund, Aachen und Bad Oeynhausen. Außerdem hat Sie noch eine Spielbank in Bremen in Betrieb. Nun sollen diese also an einen Privatinvestor verkauft werden. Der Verkauf soll dabei europaweit ausgeschrieben werden.

Privatisierungspläne stoßen auf scharfe Kritik

Vor allem unter Mitarbeitern der Gruppe, aber auch bei den betreffenden Städten der Casinostandorte, regt sich Widerstand gegen die Verkaufspläne. Besonders bei den 250 Mitarbeitern der Spielbank Hohensyburg in Dortmund herrscht Ungewissheit über die Folgen der Privatisierung für die Belegschaft. Laut eines Berichts der Ruhrnachrichten, hat der Betriebsrat einen Fragenkatalog in der Kreisgeschäftsstelle der Dortmunder CDU übergeben, um unter anderem eine Antwort auf die zentrale Frage „Sind die Arbeitsplätze in Gefahr?“ zu erhalten. Insgesamt arbeiten in den vier Spielbanken in Nordrhein-Westfalen mehr als 1.000 Mitarbeiter.

Ein weiterer heikler Punkt im Poker um die Tochter der landeseigenen NRW-Bank ist die Kunstsammlung, die sich noch im Besitz der Westspiel-Gruppe befindet. Bereits im November 2014 wurden auf Geheiß der damaligen rot-grünen Landesregierung zwei Warhol-Kunstwerke für den Rekorderlös von 120 Millionen Euro bei Christie’s in New York versteigert. Der größte Anteil, etwa 80,6 Millionen Euro, ging an die, schon damals rote Zahlen schreibende, Westspiel-Gruppe. 28 Millionen flossen in die Haushaltskasse des Landes.

Letztendlich hat aber auch diese kurzfristige Finanzspritze nicht viel genutzt und die weiteren Kunstwerke, die sich aktuell noch im Besitz von Westspiel befinden, werden kaum reichen, um die Westspiel-Gruppe noch über Wasser zu halten. Als die Privatisierung nun beschlossen wurde, gab es auch eine Entscheidung über die rund 200 Kunstwerke, die sich derzeit noch im Besitz von Westspiel befinden. Diese sollen nicht zum Verkauf stehen und stattdessen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Westspiel-Gruppe verzeichnet seit Jahren starke Verluste

Obwohl Westspiel nach eigenen Angaben das in Deutschland führende Unternehmen der Glücksspielbranche ist, sind die finanziellen Schwierigkeiten keine neue Erscheinung. Bereits im Jahr 2016 hatte der Casino-Betreiber im Konzern einen Verlust von 2,9 Millionen Euro verzeichnet. Daran konnten auch die jährlich eine Million Besucher in den insgesamt sechs Spielbanken, die von der Gruppe betrieben werden, nichts ändern.

Im Beschluss für die Privatisierung wurde auch festgelegt, dass die Abgaben nach dem Spielbankgesetz NRW auch nach dem Verkauf Bestand haben sollen. Bisher führte die Westspiel-Gruppe durchschnittlich rund 30 Millionen Euro Abgaben an das Land ab. Von diesen Abgaben stehen den vier Spielbanken rund 10 Millionen Euro zu. Die danach dem Land verbleibenden Einnahmen fließen an die Stiftung Wohlfahrtspflege. Im Haushaltsjahr 2018 beläuft sich dieser Betrag laut Ministerium auf etwa 20,6 Millionen Euro.

Große Verluste sind auch auf Konkurrenz aus Online Casinos zurückzuführen

Westspiel hat in der Vergangenheit durchgehend rote Zahlen geschrieben. Das einzige Jahr, das mit einem Plus endete, war 2014 und das lag einzig am Verkauf der Warhol-Gemälde. Die Spielbanken-Branche steckt seit Jahren in der Krise und die Erlöse gehen vor allem im klassischen Glücksspiel stetig zurück. Die Casinos haben dabei mit den verschiedensten Problemen zu kämpfen. Dazu gehören das Rauchverbot, die Konkurrenz durch private Spielhallen und Sportanbieter. Aber vor allem machen die Online Casinos den klassischen Spielhallen zu schaffen. Dort ist das Spielen mit unbegrenzten Einsätzen möglich, man kann sich jederzeit und überall einem Spiel widmen und es gibt weder Rauchverbot, noch eine Kleiderordnung.

Gauselmann-Gruppe als erster Interessent im Gespräch

Ganz einfach wird sich der Verkauf der Westspiel-Gruppe nicht gestalten, vor allem da er mit vielen Bedingungen verknüpft ist. Klar ist, dass die Kunstsammlung nicht zum Verkauf steht und die Spielbankabgabe, die sozialen Zwecken zu Gute kommen soll, weiter Bestand hat. Eine weitere Frage ist, ob die privatisierten Casinos ihr Geschäft nach dem Verkauf auch online betreiben dürfen.

Hier dürfte einer der ersten bekannten Interessenten besonders aufhorchen lassen, denn die Gauselmann-Gruppe ist als potenzieller Käufer im Gespräch. Diese hatte im Jahr 2013 schon eine Ausschreibung für den Betrieb von zwei Casinos in Sachsen-Anhalt gewonnen und könnte ihr Portfolio nun mit den insgesamt sechs Spielbanken der Westspiel-Gruppe erweitern.

Laut Mario Hoffmeister, dem Sprecher der Unternehmensgruppe, sei man zwar grundsätzlich an Westspiel interessiert, könne sich zu Details allerdings erst äußern, wenn tatsächlich ein Angebot auf dem Tisch läge.

Nach Auffassung von Branchenexperten ist der Kauf der Westspiel-Gruppe nur einer Handvoll von Unternehmen zuzutrauen. Neben Gauselmann und der Novomatic-Gruppe gehört dazu noch die Casinos Austria International, die seit 2005 alle Spielbanken in Niedersachsen betreibt. So bleibt abzuwarten, wer seinen Hut in den Ring wirft und letztlich den Zuschlag erhält. Erst dann werden Prognosen zu weiteren Vorgängen und auch zur Zukunft der Mitarbeiter möglich sein.

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Von Gerda Hartig | 24. September 2018 | Kategorien: Nachrichten, Wirtschaft | Labels: |

Über den Autor: Gerda Hartig

Gerda Hartig
Nein, Frauen spielen in Online Casinos nicht nur Rubbellose oder Bingo. Und auch ansonsten bin ich alles andere als politisch korrekt. Ich sage was Sache ist in den Online Casinos, bei den Herstellern der Casinospiele und bei der Politik, welche den Spielerschutz vorschiebt, um doppelt abkassieren zu können.

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