In dem idyllischen Luftkurort Eidenkoben, der nur rund 50 km nord-westlich von Karlsruhe entfernt liegt, machten Passanten eine geradezu unmenschliche Entdeckung. Auf dem Rücksitz eines PKW war ein Kleinkind eingeschlossen und weinte bitterlich. Von den Eltern fehlte jede Spur. Die Anwohner machten sich auf die Suche nach Angehörigen – ohne Erfolg. Gegen 21.45 Uhr alarmierten sie schließlich die Polizei.

Polizei Blaulicht CasinoLuftkurort erschüttert

Der Vorfall erschütterte das gesamte 7.000 Einwohner zählende rheinland-pfälzische Städtchen. Da saß ein weinendes kleines Kind von ungefähr zwei bis zweieinhalb Jahren ganz allein in einem Fahrzeug, das auf dem Parkplatz eines Lebensmittel-Discounters in der Staatsstraße abgestellt war, und nirgendwo in der Umgebung waren die Eltern zu finden. Erst den herbeigerufenen Polizeibeamten gelang es nach kurzer Suche, die Mutter ausfindig zu machen. Die 35-jährige Frau saß in einer nahegelegenen Spielhalle am Automaten und zockte dort in aller Ruhe. 

Diese Situation ist umso schockierender, da Experten bereits seit Jahren immer wieder davor warnen, Kinder – ganz besonders im Sommer – allein im Auto zu lassen. Bei geschlossenen Fenstern erhitzt sich ein PKW aufgrund der Sonneneinstrahlung sehr schnell, und schon nach einer Viertelstunde kann es für ein Kleinkind oder auch ein Tier zu einer lebensbedrohlichen Hitzefalle werden. Tests ergaben, dass ein Auto mit geschlossenen Fenstern schon bei einer Außentemperatur von 20 Grad und direkter Sonneneinstrahlung das Wageninnere auf 45 Grad ansteigen lässt. 

Falsche Identität und Drogen

Bei der nachfolgenden Personenüberprüfung versuchte die Frau zunächst einmal die Beamten in die Irre zu führen und gab vollkommen falsche Personalien an. Den Ordnungshütern gelang es aber nach kurzer Zeit, ihre wirkliche Identität festzustellen. Es lagen bereits zwei Haftbefehle gegen sie vor. Obendrein stellte sich bei der Überprüfung heraus, dass sie vier verschiedene Bankkarten mit sich führte, die alle auf einen falschen Namen ausgestellt waren. Obwohl die Mutter den PKW mit ihrem Kind auf dem Discounter-Parkplatz abgestellt hatte, konnte sie keine gültige Fahrerlaubnis vorzeigen, da sie ist nicht im Besitz eines Führerscheins ist. In dem von ihr mitgeführten Fahrzeug konnte die Polizei eine geringe Menge an Betäubungsmitteln sicherstellen. Um welche Art von Drogen es sich dabei handelte, wurde nicht bekanntgegeben.

Jugendamt wurde informiert

Aufgrund der bereits vorliegenden Haftbefehle und ihrer weiteren Vergehen wurde die 35-Jährige noch vor Ort festgenommen. Man entnahm ihr eine Blutprobe, um einen eventuellen Alkohol- oder Drogenmissbrauch zweifelsfrei feststellen zu können und überführte sie in eine nahe gelegene Justizvollzugsanstalt. Das Kind wurde dem Vater überstellt, und das zuständige Jugendamt wurde selbstverständlich über die Vorfälle informiert. Nicht feststellen konnte man, wie lange das Kind allein in dem PKW saß. Laut Polizeisprecher bestand allerdings zu keinem Zeitpunkt eine ernsthafte gesundheitliche Gefährdung für das Kind.

Nach zwei Haftbefehlen drohen zusätzliche Ermittlungen

Die Mutter ist jetzt einer Reihe von Untersuchungen ausgesetzt. Neben den schon vorliegenden zwei Haftbefehlen wird nun auch noch wegen mutmaßlicher Fälschung, dem Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz sowie Fahren ohne Führerschein und wegen Vernachlässigung der Aufsichtspflicht gegenüber Schutzbefohlenen ermittelt. Ob und wann sie ihr Kind wiedersehen darf, ist zurzeit ungewiss. Wünschenswert wäre es gewesen, die 35-Jährige hätte sich bei ihrer persönlichen Freizeitgestaltung zu Hause vor dem Computer in einem der vielen attraktiven Online Casinos vergnügt. In diesem Fall wäre ihr kleines Kind nicht diesen schrecklichen Qualen ausgesetzt gewesen.