Der österreichischen Finanzpolizei gelang letzte Woche mit Hilfe von Spezialkräften der Cobra und der Wega der bisher größte Schlag gegen das illegale Glücksspiel in Österreich. Im Zuge der „Operation Joker“, die seit einem Jahr gezielt gegen die kriminellen Auswirkungen ermittelt, wurden zahlreiche Beweise sichergestellt und Verhaftungen vorgenommen. Mehr als 300 Beamte durchsuchten zeitgleich Wohn- und Geschäftsobjekte an 36 verschiedenen Standorten in der ganzen Republik und Ungarn. Vizekanzler und Finanzminister Hartwig Löger dankte allen Beteiligten für ihre hervorragende Arbeit und bezeichnete den Einsatz als Beispiel für eine exzellente Kooperation.

GoldbarrenGeld, Glücksspielautomaten, Gold- und Silberbarren sichergestellt

Die akribisch vorbereitete Aktion führte zur Verhaftung von mehreren Personen, darunter einem 60jährigen Wiener, der als Kopf der Vereinigung gilt. Neben ihm wurden vier weitere Männer und eine Frau im Alter zwischen 25 und 61 Jahren in Gewahrsam genommen. Zusätzlich wurde ein Ungar, der als Bankier der Vereinigung gehandelt wird, in seinem Heimatland von dortigen Kräften abgeführt. Zahlreiche weitere Verdächtige, zumeist Familienmitglieder der Hauptverdächtigen, gerieten auch in das Visier der ermittelnden Beamten. Diese stellten 328.000,- Euro an Bargeld, Fremdwährungen und anderen Wertgegenständen, wie Gold- und Silberbarren, sicher. Zusätzlich wurden in einer Lagerhalle im Niederösterreichischen über 500 Geldspielautomaten beschlagnahmt. Diese dienten dem Nachschub für die Spielstätten.

Mafiöse Strukturen im Glücksspiel und in Casinos

Der Leiter des Büros zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität im BKA, Dieter Csefan, sprach in diesem Zusammenhang von mafiösen Strukturen der Bande, die an die Machenschaften des berüchtigten Al Capone in den 1920er Jahren in Amerika erinnert. Im Zuge der „Unternehmungen“ der jetzt Festgenommen wurden oftmals Läden durch Scheinfirmen angemietet und an weitere Scheinfirmen weitervermietet, die in den Räumlichkeiten Spielautomaten installierten. Der Preis eines solchen Gerätes von 2000 bis 3000 Euro amortisierte sich in vielen Fällen schon an einem einzigen Tag. Die erzielten Gewinne wurden zusammengeführt und ins Ausland transferiert. Getarnt als Gehalts-, Miet- oder Rechnungszahlungen flossen sie über weitere Scheinfirmen wieder auf die Konten der Täter. Der österreichischen Steuerbehörde sind so mindesten 1,6 Millionen Euro an Steuergeldern entgangen.

Arbeitsgruppe zur Bekämpfung des Glücksspiels effektiv

Zur besseren Koordinierung und Bekämpfung des illegalen Glücksspiels wurde 2018 durch das Bundeskriminalamt eine eigene Arbeitsgruppe ins Leben gerufen. Als ein erstes Resultat wurden mehrere Gruppierungen in Österreich identifiziert, die sich in ihrer Vorgehensweise ähneln. Als eine Hauptgruppierung wurde die „Wiener Gruppe“ ausgemacht, bei der viele Fäden des illegalen Glückspiels zusammen liefen. Auch der Hauptverdächtige gehört laut der Ermittler dieser Gruppe an. So erhärtete sich auch der Verdacht, dass mindestens zweimal monatlich Summen zwischen 40.000,- und 100.000,- Euro durch die Verdächtigen ins Ausland transferiert wurden. Aufgrund dieser und weiterer Beobachtungen konnten gezielte Ermittlungen eingeleitet werden, die schließlich in der „Operation Joker“ mündeten. Das illegale Glücksspiel kein nationales Problem ist, zeigen viele Aktionen der Behörden innerhalb Europas. Auch die internationale Vernetzung der Täter, die grenzübergreifend operieren und sich organisieren, deutet auf ein globales Problem hin. So kommt der Zusammenarbeit der verschiedenen nationalen Behörden eine immer größere Bedeutung zu. Dabei ist ausschließlich der Automatenbetrieb im Focus der Ermittler. Online Casinos werden nicht überprüft.