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v.l.n.r: Christian Gruber, Claus Retschitzegger, Jan Tjernell, Michael Wondra

Genau wie in Deutschland gibt es seit Jahren immer wieder Ärger mit der Regulierung des Glücksspiels in Österreich, denn auch hier möchte der Staat, genau wie im großen Nachbarland im Norden, nur äußerst ungern von seinem staatlichen Glücksspielmonopol die Finger lassen. Zu üppig fließen die Gelder aus dem Geschäft mit dem Glück in die klammen Bundes- und Landessäckel und die Verflechtungen zwischen der Glücksspielindustrie und der Politik sind einfach zu eng, als dass irgendjemand aus der Führungsetage des Landes großes Interesse daran hätte wirklich etwas gravierendes zu ändern. Wie zahnlos dabei die EU tatsächlich ist, zeigt sich am jahrelangen Ignorieren sämtlicher Vorgaben zur Regulierung des Glücksspiels, dass eben kein staatliches Monopol in diesem Bereich vorsieht, sondern einen Wettbewerb unter einheitlichen Regeln. Die Niederlassungs- und Dienstleistungsfreiheit wird mit Füßen getreten und Lizenzen aus anderen EU-Mitgliedsstaaten, die immerhin klare Regeln für die Online Casino Betreiber und Sicherheit für die Gambler bringen, werden einfach nicht anerkannt. Diesem ganzen Gebaren möchte die neu gegründete Österreichische Vereinigung für Wetten und Glücksspiel (OVWG) nun ein Ende setzen und stellte dafür nun die eigene Agenda für die Zukunft vor.

In Österreich besitzt die Casinos Austria AG sowohl bei den stationären Casinos, die CASAG betreibt die einzigen 12 Casinos im Land, als auch bei den Online Casinos mit der Plattform Win2Day eine Monopolstellung.

Die vier apokalyptischen Reiter der OVWG gegen den Staat Österreich

Die Gründung eines Interessenverbandes ist nicht gerade schwierig und lässt sich relativ leicht bewerkstelligen. Der weitaus bedeutsamerer Teil des Ganzen ist, später auch die eigenen Ansichten und Ziele in die Politik zu bekommen und dort auch umzusetzen. Um die angestrebte Neuregulierung des österreichischen Glücksspiels voranzutreiben und am Ende auch mit den EU-Gesetzen in Einklang zu bringen, haben sich nun führende Vertreter der in Österreich beheimateten oder in der Alpenrepublik tätigen Glücksspielunternehmen zusammengeschlossen und darunter befinden sich wahrlich keine Fliegengewichte. Als Präsident und Frontmann im Team der apokalyptischen Reiter gegen den österreichischen Staat fungiert Claus Retschitzegger, der als Head of Communications and Legal bei bet-at-home, dem deutschen Sportwettenanbieter und Online Casino Betreiber, über ausreichende Erfahrung im schwierigen deutschen Markt, der mit ähnlichen Problemen wie in Österreich zu kämpfen hat, verfügt und somit perfekt für diese Rolle geeignet ist. Hinter ihm galoppieren dann noch die Vorstandsmitglieder Christian Gruber, der Geschäftsführer eines weiteren Wettanbieters Tipico aus Malta, Jan Tjernell, General Counsel des Online Casinos Mr. Green, dass vor kurzem erst beschloss, wegen der mit EU-Recht unvereinbaren Gesetzeslage und der ungerechten Steuerpolitik, in Österreich keinerlei Steuern mehr zu bezahlen und als letzter im Bunde noch Michael Wondra, der Geschäftsführer der Gauselmann-Tochter Cashpoint, die unter anderem das Online Casino und Sportwetten-Portal XtiP betreibt.

In der Österreichischen Vereinigung für Wetten und Glücksspiel haben sich zum ersten Mal in der Alpenrepublik die zahlreichen Konkurrenten, die sich sonst lieber gegenseitig das Leben schwer machen, zusammengefunden, um für ihre Geschäfte und Wachstumspotentiale einzustehen und dem staatlichen Monopol ein Ende zu bereiten.

OVWG stellte nun ihre Positionen vor

Anlässlich der zur Gründung des OVWG abgehaltenen Pressekonferenz verkündete der Vorstand einige seiner Ziele und wie diese denn am besten umgesetzt werden könnten. Eines der wichtigsten Thema ist hierbei die Änderung des österreichischen Glücksspielgesetzes und die Beendigung des Monopols im stationären Spielbanken Bereich und bei den Online Casinos durch die CASAG, die bis jetzt beides ganz fest in der Alpenrepublik in den Händen hält. Hier soll vor allem die Gesetzeslage endlich an das EU-Recht angepasst werden. Um denn dann liberalisierten Markt zu regulieren, den Betreibern von Online Casinos ein vernünftiges Rahmenwerk an die Hand zu geben und den Gamblern einen verlässlichen Spielerschutz zu bieten, soll eine unabhängige, bundesweit tätige und vor allem weisungsfreie Behörde geschaffen werden. Ebenfalls tritt die OVWG für einen einheitlichen Steuersatz von 15 Prozent auf den Rohertrag aller Wetten und Glücksspiele in den Online Casinos ein, denn dies würde endlich die unterschiedlichen Steuersätze, die einige Arten des Glücksspiels bevorzugen, abschaffen.

Für ein vernünftiges Regulierungssystem möchte sich die OVWG an anderen Mitgliedsländern der EU orientieren, die schon lange den Vorgaben der Europäischen Union gefolgt sind und ihren Glücksspielmarkt liberalisiert und reguliert haben. Hierbei könnten Dänemark oder Rumänien als Vorbilder dienen.

Die OVWG verpflichtet auch ihre eigenen Mitglieder zu einem Ehrenkodex

Bekanntlich ist es schwierig die eigenen Forderungen in Verhandlungen durchzudrücken, ohne dabei auch ein wenig dem Verhandlungspartner entgegenzukommen und so hat sich die OVWG selbst und ihren Mitgliedern einen Ehrenkodex auferlegt. Im Wertekatalog sind sowohl Corporate Citizenship und Compliance, als auch der massive Kampf gegen Geldwäsche verankert. Jedes Mitglied in der neu gegründeten Österreichischen Vereinigung für Wetten und Glücksspiel muss diesem Wertekatalog folgen und aktiv unterstützen. Hiermit soll sichergestellt werden, dass bei zukünftigen Verhandlungen der gesamte Verein mit einer Stimme spricht und zudem auch eine möglichste starke Verhandlungsposition in die Waagschale werfen kann. Inwieweit der neue Verein und Zusammenschluss führender Glücksspielunternehmen neuen Schwung in die seit ewigen Zeiten gärenden Verhandlungen um eine EU-konforme Glücksspielgesetzgebung in Österreich bringen wird, bleibt abzuwarten, denn genau wie in Deutschland muss erste einmal ein kräftiges Umdenken in der Politik stattfinden und ein wenig der Filz zwischen Mandatsträgern und CASAG entfernt werden.