Der Glücksspiel-Clan, der im Rahmen der Operation Joker vor einigen Wochen ausgehoben wurde, wird für die Polizei immer interessanter. Mittlerweile ist klar, wie aufwendig die gesamte Unternehmung war. Nicht zuletzt ist bei den Ermittlungen in den letzten Wochen deutlich geworden, dass der Wirkungskreis weit über Wien hinausgeht.

Casino LuxusLukratives Geschäft mit illegalen Spielautomaten

Als bekannt wurde, dass die österreichische Polizei bei der Operation Joker insgesamt 320 Beamte im Einsatz hatte, war klar, dass es sich um eine große Sache handeln musste. Bei den 43 Hausdurchsuchungen in Ungarn und Österreich wurden immerhin 43 Bankkonten ermittelt. Es wird noch eine Weile dauern, bis das gesamte Netzwerk durchleuchtet ist. Aber schon jetzt ist klar, dass es sich um Mafia-Strukturen handelt. Zudem geht es nur um landbasierte Angebote und nicht um Online Casinos. Bei der Razzia wurden vor einigen Wochen Edelmetalle und Bargeld im Wert von 382.000 Euro konfisziert. Aber für die Beamten vielleicht noch interessanter: Am Ende konnten insgesamt 533 neue Spielautomaten sichergestellt werden. Die meisten dieser Automaten befand sich sogar noch in der originalen Verpackung. Die Polizei geht davon aus, dass es sich um Nachschub für die Geräte handelt, die gelegentlich von der Polizei beschlagnahmt werden.

Die Justiz beschäftigt sich gerade mit 24 Personen, gegen die konkret ermittelt wird. Als Drahtzieher gilt ein 61-jähriger Wiener, der viele Jahre lang in Wien Automaten aufgestellt hat. Vermutlich ist dem Mann irgendwann aufgefallen, dass es einen einfacheren Weg geben könnte, Geld zu verdienen. Aktuell geht die Polizei davon aus, dass im Jahr 2014 die illegalen Aktivitäten begannen. Im Laufe der letzten Jahre wurde ein komplexes Netzwerk aufgebaut, zu dem erstaunlich viele Menschen gehörten. Anfangs gingen die Ermittler davon aus, dass es sich um ein lokal begrenztes kriminelles Projekt handelte. Aber mittlerweile ist klar, dass der Glücksspiel-Clan in ganz Österreich aktiv war. Das Netzwerk war unter anderem nötig, um regelmäßig die Gewinne der Spielautomaten zu kassieren. Die Justiz kann mittlerweile belegen, dass monatlich bis zu 200.000 Euro ins Ausland geschafft wurden.

Finanzieller Erfolg des Glücksspiel-Clans unbestritten

Es ist davon auszugehen, dass noch deutlich mehr Geld eingenommen wurde. Bei der Operation Joker wurde zum Beispiel ein Bosnier festgenommen, der zum Glücksspiel-Clan gehört. Der Mann hatte in einem simplen Plastiksack Bargeld in Höhe von 150.000 Euro. Dabei handelte es sich nach aktuellen Erkenntnissen um den Gewinn aus zehn Automatencasinos, für die der Bosnier zuständig war. Angesichts der Größe der kriminellen Organisation ist davon auszugehen, dass wöchentlich ein Vielfaches erwirtschaftet wurde. Aber klar scheint auch, dass viel Geld geflossen ist, um die Verschwiegenheit der Organisation sicherzustellen. Viele Clan-Mitglieder verfügten über große Geldsummen und zelebrierten teilweise einen aufwendigen Lebensstil. Der festgenommene Bosnier konnte zum Beispiel in seiner Heimat ein teures Eigenheim bauen.

Das ganze Ausmaß des Glücksspiel-Clan scheint immer noch nicht aufgedeckt zu sein. Zuletzt wurden Aktivitäten in Salzburg näher unter die Lupe genommen. Mittlerweile ist aber offensichtlich, dass der Glücksspiel-Clan in allen großen Städten Österreichs und auch in vielen kleinen Gemeinden aktiv war. Anders wäre es kaum möglich, ein derart großes Netzwerk zu finanzieren. Derzeit beschäftigen sich die Polizei und die Steuerfahnder auch mit der Frage, wo das Schwarzgeld hingegangen ist. Es ist durchaus vorstellbar, dass Geldwäsche im größeren Stil stattgefunden hat, zumal die Täter auch keine Probleme hatten, die Landesgrenzen zu überwinden. Ein wichtiger Ansatz ist deswegen die Zusammenarbeit mit der ungarischen Polizei, die bereits einige wichtige Erkenntnisse zu den aktuellen Ermittlungen beigetragen hat. Es wird wohl noch eine ganze Weile dauern, bis alle Details zusammengetragen sind. Sicher scheint aber, dass dem Hauptschuldigen und vielen weiteren Beteiligten empfindliche Strafen drohen.

Interessante Begründung für kriminelle Aktivitäten: Glücksspiel-Monopol

Österreich hat eine besondere Situation, die von Experten immer wieder kritisiert wird. In Österreich gibt es legales Glücksspiel, aber es gibt de facto nur zwei Firmen, die in Österreich Spielautomaten betreiben können: Novomatic und Casinos Austria. Aus Frust über dieses Quasi-Monopol soll sich der Täter dazu entschlossen haben, in die Illegalität abzuwandern. Ob das wirklich der Auslöser war, wird vielleicht nie endgültig zu klären sein. Aber das ändert nichts daran, dass Österreich Glücksspielgesetze hat, die zwei Firmen auf erstaunliche Weise bevorzugen. Während Casinos Austria in Deutschland kaum bekannt ist, hat Novomatic einen exzellenten Ruf in Deutschland. Vor allem die Novoline-Spiele, die zu diesem Konzern gehören, sind in Deutschland sehr populär. Es gibt viele Spielautomaten in deutschen Spielhallen, die von Novomatic stammen. Früher gab es auch Novoline-Spiele im deutschen Internet, aber vor wenigen Jahren hat sich der Hersteller komplett vom deutschen Online-Markt zurückgezogen.