In einem Online Casino für 266.000 Franken Nuggets umtauschen und keine Steuern bezahlen? Das war zumindest die Idee eines schweizerischen Glücksspiel-Fans. Doch das zuständige Verwaltungsgericht hat diesen Plan nun vereitelt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig aber die Argumente sind gut. Es spricht einiges dafür, dass der Glücksspiel-Fan auf sein ungewöhnliches Investment Steuern bezahlen muss. Im Verfahren wurden einige spannende Fragen aufgeworfen.

Seltsamer Handel mit Nuggets im Zentrum

GoldbarrenDie meisten Glücksspiel-Fans haben wahrscheinlich noch nie davon gehört, dass es möglich ist, in einem Online Casino Nuggets zu kaufen. Doch es gibt einen Anbieter, der in den letzten Jahren mehrfach mit seltsamen Angeboten aufgefallen ist und aktuell ein ganz besonderes „Nugget Game“ anbietet. Die Sache ist eigentlich ganz simpel: Die Kunden kaufen diese virtuellen Nuggets und der Kurs geht abhängig von den Aktivitäten der Kunden nach oben oder nach unten. Die grundsätzliche Idee bei der Sache besteht darin, zum richtigen Zeitpunkt zu kaufen und zum richtigen Zeitpunkt zu verkaufen. Auf den ersten Blick sieht das Spiel mehr nach Börse als nach Casino aus, wobei es ja seit jeher Kritiker gibt, die beides mehr oder weniger gleichsetzen. Aber das ist eine sehr oberflächliche Beurteilung. In jedem Fall scheint es Glücksspiel-Fans zu geben, die viel Geld investieren in die Nuggets. Immerhin ging es im aktuellen Verfahren um einen Betrag von 266.000 Franken. Das ist mehr als ein Taschengeld, selbst für Millionäre. Im aktuellen Verfahren geht es allerdings nicht um ein bestehendes Investment. Die Nuggets existieren schon länger und das Gericht muss sich mit Transaktionen auseinandersetzen, die schon einige Jahre zurückliegen.

Der Schweizer Glücksspiel-Investor hatte im Jahr 2011 die Nuggets gekauft und vier Jahre später dann zu einem deutlich höheren Kurs verkauft. Der Erlös betrug 266.000 Franken. Das ist eine stattliche Summe, die sich wahrscheinlich dadurch erklären lässt, dass der Investor relativ früh eingestiegen ist und das Spiel dann in den nächsten Jahren zu einem großen Publikumserfolg geworden ist. Ganz offensichtlich gehörte der Mann, der in Zürich lebt, zu den Profiteuren dieses seltsamen Glücksspiels. Aber die eidgenössische Steuerverwaltung war nicht besonders begeistert von der Idee des Investors, keine Steuern auf den Gewinn zu bezahlen. Deswegen kam es schließlich zum Verfahren, indem nun das Verwaltungsgericht feststellte, dass es sich um einen privaten Kapitalgewinn und nicht um einen Spielgewinn handelt. Das Urteil kann noch angefochten werden, sodass letztlich nicht abschließend geklärt ist, ob der Glücksspiel-Investor Steuern bezahlen muss oder nicht. In dem Verfahren ging es auch darum zu klären, ob die Nuggets nicht einfach nur eine ganz normale Währung sind, eventuell mit einigen Besonderheiten. Doch diese Frage verneinte das Verwaltungsgericht und das ist der entscheidende Grund dafür, dass der Gewinn besteuert werden soll.

Der Unterschied zwischen Nuggets und Bitcoin

Die Verteidigung des Glücksspiel-Investors vertrat vor Gericht den Standpunkt, dass Nuggets letztlich nichts anderes sein als eine Währung. Genauso wie bei Bitcoins gäbe es keinen physischen Wert, aber trotzdem wäre ein Gegenwert vorhanden, der auch eine Kaufkraft hätte. Doch das Verwaltungsgericht legte eindrücklich dar, dass es große Unterschiede gäbe, die am Ende dazu führen würden, dass es sich nicht um eine Währung handele. Ein ganz wichtiger Faktor bei der Begründung ist, dass die Nuggets nur über einen einzigen Marktplatz gehandelt werden können. Die Regeln für diesen Marktplatz werden von einem privaten Unternehmen festgelegt und es gibt keine Möglichkeit, auf anderem Weg aus den Nuggets echtes Geld zu machen. Bei Bitcoins ist das bekanntlich anders. Der Bitcoin ist eine Kryptowährung, die an vielen unterschiedlichen Handelsplätzen in Euro oder andere Währungen umgetauscht werden kann. Das ist aber bei den Nuggets nicht der Fall und das Gericht gab zu bedenken, dass die Regeln für den Kauf und den Verkauf jederzeit durch den Anbieter des Spiels geändert werden könnten.

Auf den ersten Blick sind die Gemeinsamkeiten zwischen den Nuggets und Bitcoin frappierend. Genauso wie bei Bitcoin gilt auch bei den Nuggets, dass es oft rasante Kursfahrten gibt. Zudem ist es möglich, aus Nuggets und Bitcoin echtes Geld zu machen. Aber das reicht am Ende nicht aus, um die Nuggets zu einer echten Währung zu machen. Mit Bitcoin ist es zum Beispiel möglich, echte Käufe zu tätigen. Unter anderem ist es auch möglich, in manchen Online Casinos mit Bitcoin zu bezahlen. Allerdings gibt es kein Online Casino, in dem es möglich ist, mit Nuggets Casino-Spiele zu finanzieren. Die Folgen sind für den Glücksspiel-Investor erheblich. Eine hohe Steuerzahlung scheint unvermeidlich, auch wenn vielleicht das letzte Wort vor Gericht noch nicht gesprochen worden ist. Aber die Begründung des Verwaltungsgerichts ist schlüssig und deswegen ist er nicht zu erwarten, dass höhere Instanzen anders urteilen werden. Doch vielleicht gibt es die nächste Überraschung beim nächsten Gerichtsprozess.

Nugget Game soll vom Schweizer Markt verschwinden

Nicht zuletzt durch den aktuellen Prozess haben sich die Schweizer Behörden den Anbieter des Nugget Games näher angeschaut und das Angebot in der Schweiz gesperrt. Im Rahmen der aktuellen Internetsperren zur Durchsetzung der neuen Glücksspielgesetze ist das vergleichsweise einfach. Allerdings sind die Sperren nicht besonders sicher, sodass es theoretisch nach wie vor möglich ist, Nuggets zu kaufen. Das sollte sich aber jeder Schweizer Staatsbürger gut überlegen, denn der aktuelle Fall zeigt, dass die Behörden nicht schlafen. Der Glücksspiel-Investor, der das Nachsehen hatte im aktuellen Verfahren, hatte damals den Gewinn nicht in der Steuererklärung angegeben. Doch die Behörden bemerkten schnell, dass das Vermögen des Mannes deutlich angestiegen war und wurden somit hellhörig. Solange das Geld über Bankkonten läuft, ist es sehr schwierig, derart hohe Transaktion auch nur ansatzweise zu verbergen. Ohnehin wäre das nicht empfehlenswert, denn wenn sich die aktuelle Rechtsprechung bestätigt, wäre der Schaden für die Person, die einen hohen Nuggets-Gewinn verbergen wollte, vermutlich deutlich höher als im aktuellen Verfahren.

Es ist interessant zu sehen, dass der Anbieter des Nugget Games offensichtlich kein Interesse daran hat, die Regeln der Schweizer Behörden zu befolgen. Auf der Webseite wird sogar ausdrücklich darauf hinweisen, dass auch Schweizer Kunden nach wie vor willkommen sind. Ob dieser Hinweis auf Dauer bestehen bleibt, bleibt abzuwarten. Aber ganz offensichtlich fühlt sich der Anbieter sicher. Zudem hat die Firma bereits angekündigt, in der Schweiz gegen die Sperrung des Angebotes zu klagen. Das deutet darauf hin, dass es noch einige andere Schweizer gibt, die in Nuggets investiert sind. Vielleicht sollten sich die Schweizer Steuerbehörden weiter umschauen, um zusätzliche Einnahmen zu generieren. Aber spätestens nach dem aktuellen Verfahren sollten alle Spieler mit Wohnsitz in der Schweiz wissen, dass es keine gute Idee ist, Nuggets-Gewinne nicht in der Steuererklärung anzugeben. Ob es eine gute Idee ist, trotz Sperre am Nugget Game teilzunehmen, ist eine ganz andere Frage. Letztlich muss jeder Glücksspiel-Fan selbst entscheiden, was der richtige Weg ist. Das gilt natürlich auch für die deutschen Glücksspiel-Fans. Es wäre spannend zu sehen, wie deutsche Behörden und Gerichte urteilen würden, wenn es zu einem ähnlichen Fall käme.