NRW will eine Steuer für Online-Casinos einführen. Der Bundesrat soll sich mit dieser Thematik schon am 26. März beschäftigen. Die neue Glücksspielsteuer ähnelt der Wettsteuer, die es bereits seit 2012 gibt. Die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen hat angekündigt, einen Vorschlag für eine Besteuerung des Online-Glücksspiels in den Bundesrat einzubringen. Nach dem Willen von NRW sollen in Zukunft die Online Casinos mit deutscher Lizenz zur Kasse gebeten werden. Der Vorschuss kommt nicht völlig überraschend, denn die Online-Buchmacher müssen schon seit 2012 eine Steuer in Höhe von 5 Prozent bezahlen. Die Bemessungsgrundlage ist dabei die Höhe des Einsatzes bzw. der Wert des Wettscheins. Ein einfaches Beispiel: Wenn ein Sportwetten-Fan bei einem Buchmacher eine Wette in Höhe von 100 Euro platziert, muss der Buchmacher fünf Euro Wettsteuer an den Staat abführen.

Nordrhein-Westfalen will neue Steuer einführen

Casino Steuer

Da bei Online-Sportwetten die Auszahlungsquote in der Regel deutlich über 90 Prozent liegt, berechnen viele Wettanbieter eine Gebühr in Höhe von fünf Prozent vom Einsatz oder vom Gewinn, um die Wettsteuer überhaupt finanzieren zu können, ohne einen Verlust zu machen. Tipico ist bislang einer der wenigen Wettanbieter in Deutschland, der die Wettsteuer nicht in Form einer Gebühr an die Kunden weitergibt. Es ist nachvollziehbar, dass die Bundesländer ein hohes Interesse daran haben, auch die Glücksspiele im Internet zu besteuern. Bei der Wettsteuer ging es ursprünglich einmal darum, den Sportwetten-Umsatz zu begrenzen durch die zusätzliche finanzielle Belastung. Dieser Plan ist jedoch nicht aufgegangen, denn der Sportwettenmarkt in Deutschland ist im letzten Jahrzehnt erheblich gewachsen.

Auch bei der neuen Steuer für Online-Spielbanken wird es formal darum gehen, den Glücksspielanbietern eine zusätzliche Belastung aufzuerlegen, die zu einer Begrenzung des Marktes führen soll. Faktisch geht es aber vor allem darum, dass der Staat beim Glücksspiel mitkassieren möchte. Das ist auch legitim, denn in Deutschland werden alle Unternehmen in irgendeiner Form besteuert. Warum also nicht auch Glücksspielanbieter? Erstaunlich ist allenfalls, dass die Bundesländer sich nicht gleich bei den Verhandlungen zum neuen Glücksspielstaatsvertrag auf eine Besteuerung geeinigt haben. NRW holt nun nach, was im ersten Schritt vielleicht versäumt worden ist. Die neue Glücksspielsteuer wird wahrscheinlich auf breite Zustimmung treffen. Es kommt eher selten vor, dass sich Politiker gegen eine neue Steuer aussprechen. In diesem Fall kommt noch erschwerend hinzu, dass die Glücksspielbranche nicht unbedingt den besten Ruf hat. Deswegen wird es keinen Aufschrei der Öffentlichkeit geben, wenn plötzlich die Online-Casino Steuern bezahlen müssen. Damit kein falscher Eindruck entsteht: Die Glücksspielanbieter, die in Deutschland angesiedelt sind, bezahlen auch jetzt schon Unternehmenssteuern. Aber bei der neuen Steuer für Online-Casinos geht es darum, eine zusätzliche Steuer, die vom Spielumsatz abhängt, einzuführen. Durch diese Steuer werden dann auch erstmals Glücksspielanbieter, die nicht in Deutschland sitzen, vom deutschen Staat zur Kasse gebeten.

Gesetzesänderung nötig für neue Steuer

Für die Besteuerung des Online-Glücksspiels muss das Rennwett- und Lotteriegesetz geändert werden. Das funktioniert nur mit Zustimmung des Bundesrats. Im Rennwett- und Lotteriegesetz ist auch die bereits erwähnte Wettsteuer verankert. Wie soll die neue Besteuerung aussehen? Die Steuer wird auf der Basis des Spieleinsatzes berechnet, wobei eventuell vorhandene Kosten vom Spieleinsatz abgezogen werden. Der Steuersatz beträgt 5,3 Prozent. Das ist wichtig, denn wo kämen wir in Deutschland hin, wenn die Steuer für Online Casinos genauso wie die Wettsteuer fünf Prozent betragen würde? Allerdings muss der Vorschlag noch durch den Bundesrat und es kann durchaus sein, dass am Ende dann noch die eine oder andere Änderung stattfinden wird. Aber grundsätzlich ist davon auszugehen, dass die Betreiber der Online Casinos in Deutschland demnächst 5,3 Prozent von jedem Einsatz als Steuer abführen müssen. Die wichtigste Nachricht: Die Glücksspiel-Fans werden nicht zur Kasse gebeten. Auch in Zukunft werden Glücksspielgewinne in Deutschland steuerfrei sein. Das gilt auch uneingeschränkt für die Gewinne, die in den Online Casinos erzielt werden.

Warum könnte die neue Steuer für Online-Spielbanken zu einem Problem werden? Es lohnt sich, auf die Auszahlungsquoten der populär Online-Slots zu schauen. Mittlerweile ist es üblich, dass die Spielautomaten Auszahlungsquoten über 95 Prozent haben. Wenn 95 Prozent des Einsatzes als Gewinn ausgezahlt werden und der Staat 5,3 Prozent vom Spieleinsatz als Steuer kassiert, stellt sich eine ganz simple Frage: Werden Online-Spielbanken demnächst zu Gelddruckmaschinen? Die von NRW vorgeschlagene Besteuerung dürfte jedenfalls für Stirnrunzeln bei vielen Spieleherstellern und Glücksspielanbietern sorgen. Theoretisch wäre es möglich, die Auszahlungsquoten der Spiele für Deutschland anzupassen. Das wäre allerdings mit einem riesigen technischen Aufwand verbunden, da die Auszahlungsquote in den meisten Spielen nicht einfach mit einer händischen Eingabe festgelegt werden kann vom Anbieter. Viel wahrscheinlicher ist, dass die deutschen Glücksspiel-Fans demnächst bei Online-Spielbanken mit deutscher Lizenz eine Glücksspiel-Gebühr bezahlen müssen, mit der die neue Steuer finanziert wird. Dieses Modell funktioniert bei den Online-Sportwetten bereits seit vielen Jahren sehr gut. Doch bevor dazu kommt, muss der Bundesrat zuerst einmal über den Vorschlag von NRW zur Änderung des Rennwett- und Lotteriegesetzes debattieren.

Hier mehr über den NRW-Vorschlag zur Besteuerung von Online-Spielbanken lesen.