Novomatic verklagt EGTNeben der Entwicklungsabteilung und dem Management, dürfte die Rechtsabteilung wohl zu den am stärksten beanspruchten Bereichen innerhalb des österreichischen Novomatic Konzerns gehören, denn allein dieses Jahr gab es schon unzählige Gerichtsverhandlungen. Entweder ging es dabei um Übernahmeverhandlungen vor dem Kartellgericht, wie im Falle der Casinos Austria AG, die sich Novomatic nur allzu gern unter den Nagel gerissen hätte oder wie jetzt erst kürzlich die Verhandlung über die Zahlung von knapp 43.000 Euro Entschädigung an einen spielsüchtigen Gambler, der sich von Seiten des Konzen nicht genug von eigenen Spielen abgehalten gefühlt sah. Dieses mal jedoch geht es für die Österreicher nicht um Beträge, die sie zur Not aus der Portokasse tätigen können, sondern um Plagiate und das Kopieren eigener Spielinhalte durch eine anderes Unternehmen. Immer wieder müssen sich Gerichte mit dieser schwierigen Materie auseinandersetzen, denn es ist nicht einfach herauszufinden, wann Ideen kopiert werden oder ob es sich einfach nur um Ähnlichkeiten handelt, die zwingend aus der Produktklasse hervorgehen. Eines der letzten Beispiele dafür war die Klage von Apple gegen Samsung wegen der Verwendung von abgerundeten Ecken bei den Smartphones. Sicherlich erscheint es absurd abgerundete Ecken als Markenzeichen deklarieren zu wollen, doch in er nun erfolgten Klage von Novomatic gegen den bulgarischen Spielautomaten Hersteller EGT geht es um weit mehr.

Der bulgarische Automatenhersteller EGT betrat 2002 zum ersten mal die große Bühne auf dem Glücksspielmarkt und wuchs seit dem rasant. Heute ist das Unternehmen in allen wichtigen Bereichen, wie der Herstellung von Slot Automaten für Casinos und Spielotheken, genauso vertreten, wie bei der Bereitstellung von Automatenspielen für Online Casinos.

Zahlreiche Spielinhalte soll EGT von bekannten Slot Automaten von Novomatic kopiert haben

Der österreichische Glücksspielkonzern Novomatic besitzt mit BOOK OF RA den absolut bekanntesten und beliebtesten Slot Automaten in Europa, der sowohl in Spielotheken und Spielbanken oder eben auch in diversen Online Casinos zu finden ist und von Millionen Gamblern schon gespielt wurde. Mit diesem Automatenspiel trat Novomatic eine ganze Welle von Casino Spielen los, die das alte Ägypten der Pharaonen zum Thema hatte. Wie immer zieht ein herausragendes Produkt innerhalb kürzester Zeit jede Menge Abwandlungen nach sich, die sich deutlich an dem Vorgänger orientieren und so lange sie sich nur stark genug vom Original unterscheiden, ist dagegen nichts einzuwenden. Doch der bulgarische Automatenhersteller European Games Technologies scheint es bei der Anlehnung an erfolgreiche Novoline Slot Automaten wohl ein wenig übertrieben zu haben. In der nun beim Landgericht Berlin eingegangenen Klageschrift wirft Novomatic EGT vor, ganze Spielelemente, bis hin zu kompletten Walzenstreifen, Eins zu Eins aus den Novoline Automaten für seine eigenen Games übernommen zu haben. Dabei soll es sich um die Slot Automaten Spiele „ULTIMATE HOT“, „OLYMUS GLORY“, „FLAMING HOT“, „5 DAZZLING HOT“, „LUCKY HOT“ und „EXTREMELY HOT“ handeln, die beim bulgarischen Automatenhersteller EGT zu den beliebtesten Games im eigenen Angebot gehören. Ebenfalls betrifft die Klage die deutsche D-Systems GmbH in Hannover, die in Deutschland, neben Automaten von Ainsworth, eben auch Slot Automaten von EGT vertreibt.

Die deutsche D-Systems GmbH aus Hannover vertreibt nicht nur die Spielautomaten des bulgarischen Herstellers EG, sondern bietet seinen eigenen Kunden auch Geräte von Ainsworth Game Technologies oder der CTC Holdings an.

Novomatic fordert von EGT Schadenersatz und Vertriebsstopp der Spiele

In der Klage vor dem Landgericht Berlin werden EGT und der deutsche Vertriebspartner D-System GmbH auf Unterlassung des weiteren Vertriebs dieser Casino Spiele aufgefordert und sollen zu dem eine gehörige Summe als Schadensersatz an Novomatic entrichten. EGT und die D-System GmbH werden sicherlich erst einmal Einspruch einlegen, um ihre Verkaufsschlager nicht vom Mark nehmen zu müssen, doch werden erst die wahrscheinlich durch mehrere Instanzen gehenden Gerichtsverhandlungen zeigen, ob es einen großen Nackenschlag für EGT geben wird. Für Novomatic ist dies natürlich ein gefundenes Fressen und ebenfalls ein strategischer Coup, denn EGT ist wie die Österreicher überall in der Welt aktiv, hat sich seit dem Jahr 2002 stetig weiterentwickelt und wurde so zu einem großen Konkurrenten in Europa, Asien und Südamerika für Novomatic. Selbst im Markt der Online Casinos mischt das Unternehmen mit Sitz in Sofia mittlerweile kräftig mit. Ein besonderes Geschmäckle bekommt die ganze Geschichte noch dadurch, dass beide großen Hersteller von Automatenspielen und der deutsche Vertriebspartner von EGT auch noch über ein paar Ecken miteinander verflochten sind. So liefern die Bulgaren zum Beispiel auch ihre Casino Spiele an das Novoline Casino Quasar Gaming und die neue Tochterfirma von Novomatic Ainsworth Games Technologies wiederum vertreibt in Deutschland seine Slot Automaten genau wie die Bulgaren über die D-Systems GmbH, was Novomatic aber anscheinend nicht davon abhält nun Beide zu verklagen.

Die Klage vor dem Landgericht in Berlin wir erst der Anfang sein, den Novomatic gab ebenfalls bekannt, dass weitere Klagen in verschiedensten Ländern gegen EGT bereits vorbereitet werden.