Novomatic Chefs nehmen Stellung

NovomaticDie letzten Jahre und vor allem die letzten Monate waren äußerst ereignisreich für den österreichischen Glücksspielkonzern Novomatic. Es gab mehrere Firmenübernahmen, den Verlust einiger Lizenzen im heimischen Markt und natürlich auch Anschuldigungen über Vorteilsnahme und Beeinflussung von Politikern. Die Zeitung Profil ist in der Alpenrepublik bekannt für seine gute Recherchearbeit und widmet sich immer wieder dem Thema Glücksspiel und seinen Akteuren. Nun waren Vorstandschef Harald Neumann und Aufsichtsratsvorsitzender Herbert Lugmayr bei ihnen zu Gast und stellten sich einigen pikanten Fragen.

Novomatic – das globale Unternehmen

Natürlich ließen es sich die beiden Herren zu Beginn des Interviews nicht nehmen auf die eigenen Leistungen und die schiere Größe von Novomatic in der Glücksspielbranche hinzuweisen, denn immerhin ist der Konzern, nach eigenem Bekunden, die Nummer eins in Europa und gehört zu den Top drei der Welt in diesem Sektor. Mit über 1.600 betrieben Casinos und Spielstätten, 20 Technologiezentren auf 13 Länder verteilt und der eigenen Entwicklung von Online Casino Spielen, ist Novomatic zu dem relativ unabhängig gegenüber Dritten. Der Umsatz des Konzern stieg allein in den letzten fünf Jahren von 1,4 Milliarden Euro auf 2,1 Milliarden Euro an und dabei belief sich der Gewinn nach Steuern auf über 900 Millionen Euro. Auch bei den Mitarbeitern ging es steil bergauf, denn in den vergangenen fünf Jahren wurde die Anzahl der Beschäftigten fast verdoppelt. Heute arbeiten mehr als 26.000 Menschen für Novomatic und davon 3.500 in Österreich.

Der Novomatic Konzern wurde von Johann Graf 1974 gegründet und gehört heute zu den einflussreichsten und größten Glücksspielunternehmen der Welt. Der Gründer Johann Graf ist auch bis heute der Alleinaktionär von Novomatic und gehört somit zu den reichsten Personen im deutschsprachigen Raum.

Novomatics Strategie für die nächsten Jahre

Im Interview mit der Zeitung Profil legten Vorstandschef Harald Neumann und Aufsichtsratsvorsitzender Herbert Lugmayr auch die Ziele für die nächsten Jahre dar. Novomatic hat für sich selbst fünf Kernmärkte definiert, dazu gehören Deutschland, Österreich, Spanien, Italien und Großbritannien. In all diesen Ländern möchten die Österreicher die Marktführerschaft erreichen und die letzten Aufkäufe unterstreichen die Akribie, mit der Novoatic dieses Ziel verfolgt. Durch den Aufkauf von Talarius auf der Insel, ist der Konzern mittlerweile zum größten Spielhallen-Betreiber in Großbritannien aufgestiegen und betreibt dort außerdem zwei Produktionsstätten. Für Deutschland steht die Verteidigung des Spitzenplatzes ganz oben auf der Agenda. In Italien hält Novomatic zwar die Marktführerschaft im Bereich der Video-Lottery-Terminals, doch gibt es noch gehörig Wachstumspotential in anderen Bereichen des Glücksspiels, die ebenfalls ausgebaut werden sollen. In Spanien wird in den nächsten Jahren kräftig investiert und zugekauft, um die Spitzenposition über Madrid hinaus im ganzen Land zu erlangen. Für den heimischen Markt in Österreich wiederum erhofft sich der Konzern, durch die Übername der CASAG, die Kontrolle über den gesamten Glücksspielmarkt in der Alpenrepublik. Doch wie passt dann der Zukauf des australischen Slot Automaten Herstellers Ainsworth in dieses Konzept?

Novomatic kaufte Ainsworth Game Technology für umgerechnet 300 Millionen Euro. Nachdem die Versammlung der Minderheitsaktionäre und die Wettbewerbsaufsicht in Australien dem Kauf zustimmten, gehört  Aisnworth Game Technology nun offiziell zum österreichischen Konzern.

Mit Ainsworth möchte Novomatic in den amerikanischen Markt

Wie in einem unserer vorangegangen Artikel zur Übernahme von Ainsworth Game Technology durch Novomatic aufgezeigt, macht der Deal für die Österreicher nur dann einen Sinn, wenn als nächstes der amerikanische Markt anvisiert werden soll und dies wurde nun auch von den beiden Herren in der Führungsetage im Interview bestätigt. Der australische Hersteller von Slot Automaten und Online Casino Spielen ist die Nummer zwei in Australien und besitzt eine große Expertise im Bereich der US-amerikanische Software und der zugrundeliegenden Mathematik, die für einen Erfolg in den USA dringend notwendig ist. Der amerikanische Markt ist neben dem europäischen der zweitgrößte Glücksspielmarkt der Welt und um weiterhin seine Postion in der Branche auszubauen, ist es für Novomatic von entscheidender Bedeutung hier eine Fuß in Tür zu bekommen. Somit dürfte der Zukauf von Ainsworth Game Technology beileibe nicht der letzte Schritt für den global aufgestellten Konzern gewesen sein.

Der Gründer von Ainsworth Game Technology Len Ainsworth und Johann Graf kennen sich seit über 30 Jahren. Dies war einer der Gründe warum der 92jährige Australier sich für eine Übernahme seines Unternehmens durch Novomatic stark machte.

Ein genauerer Blick auf Österreich

Natürlich wurden in dem Interview auch einige wichtige Entwicklungen im österreichischen Glücksspielmarkt angeschnitten. Der Verlust zahlreicher Lizenzen durch die Gerichte des Landes waren sicherlich nicht vorteilhaft für Novomatic. So verlor der Konzern die Konzession zum Betrieb des „kleine Glücksspiel“ im Burgenland und in Niederösterreich. Zudem wurde auch die Erlaubnis für zwei neue Casino in Österreich durch die Justiz annulliert. Hier hofft der Konzern auf eine Neuausschreibung, die sämtliche Verfahrensmängel von Seiten der Behörden aus der Welt schafft. Allerdings ist die für Novomatic wohl eher ein Nebenkriegsschauplatz, denn viel wichtiger dürfte mit der Übernahme der CASAG der Zugriff auf die Video-Lottery-Terminal Lizenzen sein, bei der die Casino Austria AG ein Monopol besitzt und zudem nur einen Bruchteil der möglichen Genehmigung bis jetzt ausgeschöpft hat. Hier kündigte der Konzern schon in den letzten Tagen an, dass er gewillt ist diese Cash-Cow unbedingt melken zu wollen, denn hier warten Milliarden an Euros auf Novomatic.

Woher rührt das schlechte Image von Novomatic in Österreich?

Diese aufgeworfene Frage gehört sicherlich zu den interessantesten im ganzen Interview und beinhaltet bei der Beantwortung zwei Komponenten. Die Vertreter von Novomatic selbst führten allerlei Gründe dafür an, darunter den im deutschsprachigen Raum eher negativ bewerteten Begriff des Glücksspiels oder Gambling. Hinzukommt auch das schlechtere Image von Spielautomaten gegenüber, meist von staatlicher Hand betriebenen, Lotterien. Zusätzlich merkten  Harald Neumann und Herbert Lugmayr an, dass es jahrelang massive Probleme mit kleinen Gassenlokalen in Wien gab, die nicht nur das Image der Branche nachhaltig massiv schädigten, sondern auch am Ende zum Verbot des „kleinen Glücksspiels“ in Wien führten. Auf die Frage, warum der bisherige Konkurrent und möglicher Neuerwerb die CASAG ein so viel besseres Image in Österreich genießt, konnten sich die Herren den Verweis auf die Inhaberstruktur der Casinos Austria AG nicht verkneifen, denn bei der CASAG und deren Firmengeflecht aus Tochtergesellschaften sitzt auch der staatliche Rundfunk, in Gestalt des ORF, mit im Boot. Hier gibt es, nach Meinung von Novomatic ein Ungleichgewicht in der medialen Berichterstattung zu Ungunsten des Glücksspielkonzerns.

Bestechung, Vergünstigungen und Korruption?

Natürlich kann es den beiden Herren nicht verdacht werden, dass sie Andere für das schlechte Image von Novomatic in Österreich verantwortlich machen, denn wer schiebt sich schon gern selbst den Schwarzen Peter zu und zumindest beim Thema Verstrickung zwischen CASAG, ORF und Politik haben sie durchaus recht. Doch wer die letzten Jahre die Skandale rund um Novomatic verfolgt hat, der weiß, dass vieles an der schlechten Außendarstelung hausgemacht ist. Natürlich wurden im Interview auch die Leichen aus dem Keller des Konzern genüsslich hervorgekramt und wie nicht anders zu vermuten wurden hier der Vorstandsvorsitzende und der Aufsichtsratsvorsitzende ziemlich wortkarg und einsilbig. Bis heute laufen Untersuchungen, ob Novomatic 2006  versucht hat den damaligen Finanzminister Karl-Heinz Grasser für 100.000 Euro zu kaufen, um am Ende dafür ein neues Glücksspielregulierungsgesetz in Österreich zu bekommen, dass den Konzern massive Vorteile gebracht hätte. Ziel sollte es sein, dass damalige Monopol der CASAG zu brechen. Bekanntlich kam es nie zu diesem Gesetz, doch die Justiz versucht bis heute Licht ins Dunkel dieser Affäre zu bringen. Natürlich bestritten beide Herren jemals von so einem Vorgang Kenntnis gehabt zu haben.

Novomatic zahlte den Lobbyisten Peter Hochegger und Walter Meischberger insgesamt 2 Millionen Euro

Die eine Seite nennt es gern Lobbyarbeit, oder Beratungstätigkeit, die andere Seite wiederum nennt es gern Bestechung, Korruption und Austausch von Gefälligkeiten. Die beiden Lobbyisten Peter Hochegger und Walter Meischberger waren lange Jahre im Dienst von Novomatic tätig und zu ihren Aufgaben zählte in der Politik, mit allerlei Maßnahmen, für ein, für Novomatic, angenehmes Klima zu sorgen, um mögliche Gesetze für eine Öffnung des Glücksspielmarktes in Österreich zu erreichen. Walter Meischberger war in diese Affäre, rund um Grasser, verwickelt, doch bis heute halten die beiden Herren seine Arbeit für den Konzern für ausgesprochen vorteilhaft. Auch über Hochegger verliert Novomatic keine schlechtes Wort, sondern beruft sich auf alleinige Beratertätigkeiten, die der Konzern erhalten hätte. Auch der Vorwurf, dass der frühere Novomatic-Chef Wohlfahrt der ehemaligen niederösterreichische SPÖ-Landesrätin Christa Kranzl Vorteile in Aussicht gestellt hat, wenn sie ein Lizenzverfahren in Niederösterreich zu Gunsten des Konzerns beeinflusst, lies Harald Neumann und Herbert Lugmayr kalt. Mehr als ein einfaches „Nein, dies hat es nie gegeben!“ konnte ihnen leider nicht entlockt werden.

Zu welchen unlauteren Machenschaften die ganzen Verflechtungen und Seilschaften zwischen Novomatic und der österreichischen Politik tatsächlich geführt haben, können am Ende nur die Justizbehörden aufdecken, doch bekanntlich malen deren Mühlen äußerst langsam und so wird es wohl noch gehörige Zeit dauern bis endlich Licht ins Dunkel dringt.

Für weiterführende Informationen finden Sie in unserer großen Nachrichten-Rubrik, unter dem Stichwort Novomatic, zu jedem Thema, dass im Interview des Profil angeschnitten wurde, zahlreiche Artikel mit detaillierten Hintergrundwissen. Diese ermöglichen Ihnen eine umfassenden Überblick über die Aktivitäten und Verstrickungen des größten Glücksspielkonzerns in Europa.

Das Interview erschien auf Profil.at

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Danke für lhre Wertung!

Über den Autor: Engelbert Breitner

Engelbert Breitner
Das Online Glücksspiel ist für mich die beste Erfindung seit Pac Man. So bin ich froh darüber, dass ich mein Hobby zum Beruf machen konnte. Meine bevorzugten Casinospiele sind Roulette, Black Jack und natürlich Spielautomaten. Meine Casino Erfahrungen möchte ich hier mit vielen gleichgesinnten Usern teilen.

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