Foto: NOVOMATIC Headquarter / www.novomatic.com

Foto: NOVOMATIC Headquarter / www.novomatic.com

Viel wird über den österreichischen Glücksspielkonzern Novomatic, der in den Online Casino eher unter der Marke Novoline bekannt ist, geschrieben und berichtet und dabei wird immer wieder deutlich, dass dieses Unternehmen sehr oft die Leserschaft, aber auch die betreffenden Redakteure in ihrer Meinung über ihn spaltet. Auf der einen Seite schafft Novomatic über 26.000 Arbeitsplätze weltweit, davon mehr als 3.000 in Österreich und zudem macht das Unternehmen mittlerweile seinen Großteil des Gewinns und Umsatzes im Ausland, zahlt aber brav seine Steuern in der Alpenrepublik. Auf der anderen Seite steht die teilweise marktbeherrschende Stellung in der Glücksspielbranche in Österreich und die Seilschaften zur österreichischen Politik stehen immer wieder im Fokus der Öffentlichkeit und werfen deutlich Schatten auf die Weste von Novomatic. Wie immer bei sehr großen Konzernen, die dazu auch noch in einer Branche tätig sind, die nicht den allerbesten Ruf genießt, sind diese beiden Seiten aus Licht und Schatten fast immer zusammen anzutreffen und am Ende ist es die Aufgabe der Marketingabteilung und des Management, mit seinem Geschäftsführer, im Falle von Novomatic Chef Harald Neumann, das eigenen Image des Unternehmens in der Öffentlichkeit möglichst wohlwollend zu beeinflussen. Dies beinhaltet natürlich auch das Stellungnehmen in Interviews, die sich natürlich am liebsten mit den vermeintlichen Leichen im Keller beschäftigen. Eine dieser dunklen Flecken auf der Weste von Novomatic ist der Fall Westenthaler und der Geschäftsführer des Konzerns Harald Neumann nahm nun gegenüber dem Magazin Die Presse zu den vor Gericht gemachten Vorwürfen gegen den Konzern Stellung.

Novomatic ist der größte Glücksspielkonzern in Europa und mit seinen zahlreichen Tochterfirmen zusammen, die über die ganze Welt verteilt sind, geniert das Unternehmen im Jahr knapp 4 Milliarden Euro an Umsatz.

Sind Schmiergelder an den früheren BZÖ-Politiker Peter Westenthaler geflossen?

Die Rechtsabteilung und die dazugehörenden Anwälte von Novomatic sind das ganze Jahr über ausgelastet, dabei befinden sie sich einmal auf der Seite der Anklage und ein anderes mal auf der Seite des Beschuldigten wieder. Im Fall Westenthaler, bei dem es um von Novomatic angeblich gezahlte Schmiergelder und eine versteckte Parteienfinanzierung geht, sitzt der Hersteller von Slot Automaten Spielen auf der Bank des Angeklagten. Der ehemalige Geschäftspartner des Unternehmens, der ehemalige Fußballprofi und Torhüter von Rapid Wien Peter Barthold, behauptet vor Gericht von Novomatic Geld in Höhe von monatlich 4.500 Euro an den damaligen BZÖ-Politker Peter Westenthaler weitergereicht zu haben und zu dem soll er auch für den Konzern als eine Art Drehscheibe für Zahlungen an die BZÖ Steiermark fungiert. Durch Scheinrechnungen an Tochterfirmen von Novomatic soll jede Menge Geld an die Partei geflossen sein und damit würde es sich um eine unerlaubte Parteienfinanzierung handeln. Brisant daran ist ebenfalls, dass Peer Barthold behauptet, dass er diese Aufträge direkt vom damaligen Geschäftsführer des Konzerns Franz Wohlfahrt erhalten hätte und somit im Auftrag handelte. All diese gezahlten Gelder sollten über Peter Westenthaler der BZÖ zu Gute gekommen sein. Für Harald Neumann, dem jetzigen Novomatic Chef, ist an all den Vorwürfen überhaupt nichts dran und so hört sich seine Version der Geschichte zu diesem Sachverhalt völlig anders an.

Peter Barthold spielte in den 70-ziger Jahren bei Rapid Wien und dem Wiener SC. Später setzte er seine Karriere im Fußball bei mehreren kleineren Vereinen als Trainer fort. Später jedoch stieg er in die Glücksspielbranche in Wien ein und betrieb 10 Lokale mit Spielautomaten, Gastronomie und Sportwetten.

Barhold soll Millionen von Novomatic gefordert haben oder würde an die Presse gehen

Mit dem Vorwurf konfrontiert, dass Barthold für Novomatic Scheinrechnungen erstellt hätte, um damit Gelder an die BZÖ zu transferieren, schilderte Novomatic Chef Harald Neumann seine Sichtweise der Dinge und stellte klar, dass dies nicht der Wahrheit entspräche, denn allen getätigten Zahlungen an Barthold oder Westenthaler stünden auch tatsächlich erbrachte Leistungen gegenüber. Besonders pikant waren die Aussagen von Neumann in dem Interview mit dem Magazin Die Presse, dass einige Zeit von dem Gerichtsverfahren Peter Barthold bei Novomatic aufgetaucht sein soll und hier einen zweistelligen Millionenbetrag vom Unternehmen gefordert hätte. Bei nicht bereitwilliger Zahlung würde sich Barthold mit brisanten Informationen an die Presse wenden, soll dieser zudem noch gedroht haben. Mit was er denn konkret an die Presse treten wolle, dass war zum damaligen Zeitpunkt für Harald Neumann, nach eigenen Aussagen, unklar. Ebenfalls Gegenstand der Zivilklage gegen Novomatic durch Peter Barthold ist die Behauptung, dass der damalige Geschäftsführer des Glücksspielkonzerns Franz Wohlfahrt dem Kläger versprochen hätte, dass Barthold sich um seine Finanzen keine Sorgen machen müssen, wenn in Wien das Automatenspiel verboten werden würde. Peter Barthold betrieb zu diesem Zeitpunkt, nach seiner Karriere als Fußballtrainer, insgesamt 10 Lokale, in denen er Gastronomie, Sportwetten und Automatenspiele anbot. Mit dem Verbot des „Kleinen Glücksspiels“ in Wien verlor er seine komplette Geschäftsgrundlage. Um dieses finanzielle Loch zu kompensieren soll, wie in der Anklage geschildert, Barthold zur Drehscheibe für Gelder von Novomaitc zur BZÖ gemacht worden sein.

Das Gericht in erster Instanz konnte der Argumentation und den vorgebrachten, angeblichen Belegen durch Peter Barthold nicht recht folgen und vermerkte hier einige Unschlüssigkeiten. Ebenfalls hat Novomatic wiederum rechtliche Schritte gegen das Magazin, dass Barthold Geschichte aufbereitet hatte und gegen ihn selbst rechtliche Schritte eingeleitet.

Franz Wohlfahrt und Peter Westenthaler bestreiten die Vorwürfe

Zu den durch Peter Barthold erhobenen Vorwürfen gegen Wohlfahrt und Westenthalter äußerte sich der amtierende Geschäftsführer von Novomatic im Interview gegenüber dem Magazin Die Presse mit der Bemerkung, dass beide Hauptfiguren in der Anklage immer sämtliche, vorgebrachten Anschuldigungen vehement abgestritten haben und so seien die Behauptungen von Herrn Barthold in den Augen von Harald Neumann tatsachenwidrig. Es habe zwar eine Geschäftsbeziehung mit Firmen von Peter Barthold gegeben, diese habe allerdings nur die Aufstellung von Glücksspielgeräten, die Suche von geeigneten Standorten und das Sportsponsoring umfasst. Nach dem Verbot der Spielautomaten in Wien wurde die Geschäftsbeziehung 2014 für Novomatic hinfällig und somit eingestellt. Barthold behauptet jedoch nach wie vor Geld vom Konzern bekommen zu haben, ohne dafür Leistungen zu erbringen und Teile der Gelder sollen dann direkt an Westenthaler übergeben worden sein. Hier verweist Harald Neumann auf das zur Einsicht vorliegende Vernehmungsprotokoll von Herrn Barthold, in dem er selbst aussagte, dass er sehr viel in der Vergangenheit für Novomatic getan habe. Zudem gäbe es in jedem Fall einen detaillierten Leistungsvertrag. Für den Geschäftsführer von Novomatic steh fest, dass der Kläger sich wiederspricht und einmal behauptet Leistungen für den Konzern erbracht zu haben und dann wiederum nicht. Somit wären seine Argumentation überhaupt nicht stichhaltig oder schlüssig.

Die Gerichte in Österreich werden sich wohl noch einige Zeit mit Thema Westenthaler, Barthold und Novomatic beschäftigen müssen und am Ende wird sich zeigen, ob tatsächlich Gelder durch den Konzern über Barthold zu Westenthaler an die BZÖ geflossen sind und hier einen illegale Parteienfinanzierung getätigt wurde oder ob Herr Barthold nur ein wenig Kohle, nach dem Ende seiner Geschäftsgrundlage durch das Verbot in Wien, aus der Portokasse von Novomatic leiern möchte.