Der norwegische Schachverband Sjakkforbundet hat ein Angebot der Kindred Group vorliegen, das finanziell äußerst lukrativ ist. Fünf Millionen Euro kann der Verband in einem Zeitraum von fünf Jahren kassieren. Der geplante Deal mit der Kindred Group, die unter anderem das populäre Unibet Casino betreibt, ist im Schachverband allerdings umstritten.

Schach Norwegen Norwegischer Schachverband soll Lobbyarbeit betreiben

Die Kindred Group ist einer der großen Player auf dem europäischen Glücksspielmarkt. Der Konzern kümmert sich nicht nur um hochwertige Online Casinos im Netz, sondern auch um gute Öffentlichkeitsarbeit. Vor diesem Hintergrund ist es nachvollziehbar, dass die Kindred Group versucht, mit dem norwegischen Schachverband einen Deal auf die Beine zu stellen. Der Deal ist ganz einfach: Die Kindred Group zahlt jährlich eine Summe von 1 Million Euro. Dafür macht sich der norwegische Schachverband stark für die Ziele der Kindred Group. Die Idee stößt allerdings nicht auf einhellige Begeisterung. Das Kooperationsabkommen war zunächst geheim verhandelt worden. Da aber die Zustimmung der Mitglieder nötig ist, sind die Details nun in die Öffentlichkeit gekommen.

Am 7. Juli entscheidet der norwegische Schachverband, ob die Kooperation mit der Kindred Group stattfinden wird oder nicht. Die Befürworter des neuen Deals argumentieren damit, dass durch die jährliche Zahlung von 1 Million Euro viele Projekte gestartet werden könnten, die ansonsten völlig undenkbar wären. Alle Mitglieder des Verbandes sollen profitieren. Angedacht sind zum Beispiel finanzielle Unterstützungen für Vereine und deren lokale Veranstaltungen. Ein Teil des Geldes könnte genutzt werden, um den norwegischen Schachverband langfristig besser finanziell aufzustellen. Darüber hinaus bliebe genügend Geld übrig, um Schach in Norwegen weiterzuentwickeln, zum Beispiel durch besondere Events. Die Kritiker sehen durchaus den Nutzen der finanziellen Unterstützung, fürchten aber um den Ruf des Schachverbands.

Norwegischer Schachverband in den letzten Jahren sehr erfolgreich

Durch den aktuellen Schachweltmeister Magnus Carlsen ist auch der norwegische Schachverband im Aufwind. Viele norwegische Kinder interessieren sich dank Magnus Carlsen für das Schachspiel. Genau deswegen interessiert sich allerdings auch die Kindred Group für den norwegischen Schachverband, denn die positive Aufmerksamkeit, die dieser Verband bekommt, birgt einiges an Potenzial für eine ausgedehnte Kooperation. Allerdings gibt es einige Mitglieder im Schachverband, die dagegen sind, für Glücksspiele Lobbyarbeit zu betreiben. Das ist nachvollziehbar, weil Schach alles andere als ein Glücksspiel ist. Beim Schach gewinnt der Spieler, der die bessere Strategie entwickelt und umsetzt. Einen Glücksfaktor gibt es beim Schach nicht.

Auch bei den klassischen Glücksspielen gibt es teilweise einen Strategiefaktor, zum Beispiel beim Blackjack. Poker ist wohl das Casino-Spiel, das den höchsten strategischen Anteil hat. Aber alle Casino-Spiele haben einen hohen Glücksfaktor, sodass ein völlig anderer Spielcharakter entsteht als beim Schach. Glücksspiele sind zudem nicht unumstritten, da ein kleiner Teil der Spieler Probleme hat, sich selbst zu kontrollieren. Auch das ist eine Thematik, die es beim Schach in dieser Form nicht gibt. Beim Schach geht es zwar in der absoluten Spitze auch um viel Geld. Aber Top-Spieler sind eher mit Sportlern als mit Casino-Besuchern zu vergleichen. Aber im Kern handelt es sich in beiden Fällen um Spiele, die zumindest auf den ganz normalen Niveaus vor allem dazu gedacht sind, für angenehme Unterhaltung zu sorgen.

Führung des Verbandes will Kooperation durchsetzen

Wenn am 7. Juli der norwegische Schachkongress stattfindet, wird sich die Führung des Schachverbandes Sjakkforbundet für den neuen Deal mit der Kindred Group stark machen. Der finanzielle Vorteil ist nach Auffassung des Verbandsvorsitzenden Morten Madsen so hoch, dass die eventuellen Nachteile vernachlässigbar seien. Der norwegische Schachverband habe durch die angebotene Kooperation mit der Kindred Group die Möglichkeit, viele neue Projekte anzustoßen, die Schach in Norwegen populärer und attraktiver machen könnten. Trotzdem ist keineswegs sicher, dass es auf dem Schachkongress zu einer Zustimmung zum neuen Deal kommen wird. Wenn sich die Mitglieder des Verbandes gegen die Kooperation aussprechen, kann die Führungsriege nichts machen. Wahrscheinlich wird vieles davon abhängen, welche Gegenleistungen die Kindred Group konkret erwartet.

Bislang ist nur das grundlegende Konzept der Kooperation bekannt. Aber wahrscheinlich wird erst auf dem Fachkongress klar, in welchem Umfang sich die Mitglieder des Verbandes in den nächsten fünf Jahren im Rahmen des geplanten Deals für Glücksspiele einsetzen müssten. Vielleicht wird auch ein Vertreter der Kindred Group auf dem Schachkongress das Wort ergreifen, um für den geplanten Deal Werbung zu machen. Schachspieler sind intelligente Menschen, die strategisch denken können. Insofern wird es sehr stark darauf ankommen, ob die Befürworter der Kooperation gute Argumente vorbringen können. Aber vielleicht entscheiden sich die Schachspieler am Ende auch aus prinzipiellen Gründen gegen die Glücksspiel-Lobbyarbeit. In jedem Fall wird der norwegische Schachkongress am 7. Juli eine spannende Veranstaltung.

Hier können Sie mehr über die geplante Kooperation lesen.