William Hill muss für das erste Halbjahr 2020 einen Umsatzrückgang von 32 Prozent vermelden. Das ist ein dramatischer Rückgang, der allerdings vor allem durch die Gesundheitskrise, die den britischen Buchmacher stark getroffen hat, erklärt werden kann. Das Jahr 2020 wird wahrscheinlich für William Hill schwierig bleiben, aber darüber hinaus sind die Prognosen gut. Im ersten Halbjahr 2020 hat William Hill einen Umsatz von 554,4 Millionen Pfund gemacht. Das sind 32 Prozent weniger als die 811,7 Millionen Pfund im ersten Halbjahr 2019. Noch dramatischer ist der Rückgang beim Gewinn. Im ersten Halbjahr 2020 konnte William Hill einen Gewinn von 11,8 Millionen Pfund erzielen. Im Vorjahr lag der Gewinn noch bei 76,2 Millionen Pfund. Das ist ein Rückgang von 85 Prozent. Bei dieser Rechnung muss noch berücksichtigt werden, dass William Hill erheblich profitieren konnte im ersten Halbjahr von einer Mehrwertsteuer-Rückzahlung in Höhe von 201,6 Millionen Pfund. Ohne diese Rückzahlung wäre das Ergebnis sehr schlecht ausgefallen.

Umsatz von William Hill geht in den Keller

William Hill Aber ein genauerer Blick auf die Zahlen zeigt, warum William Hill im ersten Halbjahr heftig unter die Räder gekommen ist. An den Online-Angeboten lag es jedenfalls nicht. Das Online-Geschäft ist sogar um 1 Prozent gewachsen auf 369,3 Millionen Pfund. Zudem sind die operativen Kosten in diesem Bereich um zwei Prozent gesunken. Unter normalen Bedingungen sollte das ausreichen, um insgesamt ein sehr positives Gesamtergebnis zu erzählen. Aber das Online-Geschäft ist nicht das komplette Geschäft von William Hill. Etwa 67 Prozent des Gesamtumsatzes werden zwar mittlerweile im Internet erwirtschaftet. Aber das Problem ist der Rest. Das Retailgeschäft mit Sportwetten, Spielautomaten und anderen Glücksspielen ist im ersten Halbjahr über weite Strecken komplett zum Erliegen gekommen. Vor allem in Großbritannien hat William Hill schlechte Zahlen produziert. Interessanterweise waren auch die Online-Geschäfte von William Hill in Großbritannien eher schlecht. Der Umsatz in Großbritannien mit Online-Angeboten ist um acht Prozent auf 225,5 Millionen Pfund gesunken. Das lässt sich vor allem damit erklären, dass in Großbritannien das Sportwetten-Geschäft für William Hill besonders wichtig ist.

Die fehlenden Sportwetten-Umsätze haben William Hill insgesamt stark zugesetzt. Eine Wende gab es erst, als die Premier League den Spielbetrieb wieder aufnahm. Doch das war es einem relativ späten Zeitpunkt, sodass die Auswirkung auf den Gesamtumsatz für das erste Halbjahr überschaubar waren. Dahingegen musste William Hill über viele Wochen komplett aus Einnahmen aus dem Retail-Geschäft verzichten. In der nächsten Krise wird dieser Effekt vielleicht nicht mehr ganz so heftig sein, denn William Hill hatte kürzlich bekannt gegeben, dass in Großbritannien 119 Wettbüros verkauft werden. Das war nicht unbedingt eine direkte Folge der aktuellen Krise. Aber falls es irgendwelche Zweifel im Vorstand von William Hill gab, ob es eine gute Idee sei, 119 Wettbüros zu verkaufen, sind diese Zweifel in der Krise komplett verschwunden. Die zahlreichen Ladengeschäfte in Großbritannien, die zur Glücksspielbranche gehören, haben erheblich gelitten. Besonders heftig hat es die vielen Spielhallen getroffen, die erst sehr spät wieder öffnen durften. Die Buchmacher haben früher eine Erlaubnis bekommen als andere Glücksspielanbieter. Aber nach wie vor läuft das Sportwetten-Geschäft nicht auf dem üblichen Niveau. Zudem mussten in diesem Jahr große Veranstaltungen wie die Fußball-Europameisterschaft und Olympia abgesagt werden, sodass wichtige Attraktionen für die Buchmacher fehlen. William Hill wird deswegen wahrscheinlich auch im zweiten Halbjahr nicht die Zahlen des Vorjahres erreichen. Für den britischen Glücksspielanbieter ist das Jahr 2020 mit zahlreichen Herausforderungen verbunden. Das wird auch daran deutlich, dass William Hill eine Kapitalerhöhung vorgenommen hat, um die Liquidität zu erhöhen. Diese Liquidität wird aber nicht nur in Europa, sondern auch in den USA benötigt.

William Hill ordnet sich neu für erfolgreiche Zukunft

Die Schließung der 119 Wettbüros hat wie eine Bombe eingeschlagen in Großbritannien. Aber bei William Hill ist man davon überzeugt, dass die Zukunft im Online-Glücksspiel liegt. Dazu gehören selbstverständlich auch die Online-Sportwetten. Ladengeschäfte sind nicht nur mit hohen Kosten, sondern auch mit größeren Risiken als Online-Geschäfte verbunden. Das hat sich nie so klar gezeigt wie in der aktuellen Krise. Viele Wettbüros sind durch die Turbulenzen der letzten Monate in erhebliche wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten. Aus wirtschaftlichen Gründen müssten die Wettbüros von William Hill nicht unbedingt schließen. Der Konzern verfügt über genügend finanzielle Mittel, um auch eine lange Krise durchzustehen. Aber am Ende stellt sich dann immer auch die Frage, wie die finanziellen Ressourcen am besten eingesetzt werden. William Hill setzt in Zukunft deutlich stärker auf das Online-Geschäft in Europa. Damit werden die Risiken und die Kosten nachhaltig reduziert. Das ist eine gute Strategie, auch wenn diverse Konkurrenten von William Hill zeigen, dass es nach wie vor möglich ist, mit Wettbüros Geld zu verdienen. Aber der Trend hin zum Online-Buchmacher ist schon seit Jahren erkennbar. Viele junge Sportwetten-Fans nutzen schon völlig selbstverständlich das Smartphone für sämtliche Wetten. Dieser Trend wird sich in Zukunft noch verstärken, zumal die Krise auch im Sportwetten-Geschäft die Digitalisierung beschleunigt. Deswegen ist es wahrscheinlich eine gute Idee, auf lange Sicht die Ladengeschäfte abzustoßen. Die Frage ist, ob der Zeitpunkt richtig ist. Aber das wird man auch bei William Hill erst mit einigem zeitlichen Abstand abschließend beurteilen können.

Die aktuellen Zahlen spiegeln sich auch in einem eher mäßigen Aktienkurs wider. In diesem Jahr ist die Aktie von William Hill mehrmals rauf und runter gegangen. Teilweise war der Kurs so niedrig, dass sich viele mutige Investoren auf die Aktie gestürzt haben. Dann ist die Aktie so hoch gestiegen, dass einigen Investoren mulmig geworden ist. Zudem hat es diverse Gewinnmitnahmen gegeben. Mittlerweile pendelt die William Hill Aktie wieder auf einem mäßigen Niveau, sodass es nach wie vor die Chance gibt, zu einem günstigen Preis in einen großen Glücksspielkonzern zu investieren. Die Frage ist, ob sich diese Investition langfristig lohnt. William Hill gehört zu den traditionsreichen britischen Glücksspielanbietern. Als der namensgebende Gründer das Unternehmen ins Leben gerufen hat, handelte es sich noch nicht wirklich um ein Unternehmen, denn Sportwetten waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht legal. Aber das hat sich geändert und William Hill ist heute eine der großen Marken im britischen Sportwetten-Geschäft. Auch in Deutschland nutzen viele Sportwetten-Fans seit Jahren William Hill für ihre Wetten. Der Anbieter ist bekannt dafür, ein sehr starkes Fußballwetten-Portfolio zu haben. Auch das William Hill Casino genießt unter Glücksspiel-Fans einen guten Ruf. Darüber hinaus gehören zum Konzern noch diverse andere Marken. Zuletzt hat William Hill beispielsweise das Mr Green Casino erworben. Für William Hill kommt die Krise allerdings zu einem ungünstigen Zeitpunkt, denn die wirtschaftliche Situation könnte insgesamt ein bisschen besser sein. In den letzten Jahren musste William Hill vor allem auf dem britischen Sportwetten-Markt einige Rückschläge hinnehmen.

US-Expansion als großes Ziel

Für Investoren ist William Hill im Moment ein sehr interessanter Konzern. Viele Analysten schätzen die Bewertung von William Hill als zu niedrig ein. Das wird vor allem damit begründet, dass William Hill in den USA in den nächsten Jahren erheblich wachsen könnte. Die ersten Schritte hat William Hill in den USA schon erfolgreich absolviert. Aber durch die aktuelle Krise ist es auch für den britischen Glücksspielanbieter derzeit nicht ganz einfach, die nächsten Schritte in Angriff zu nehmen. Allerdings profitiert William Hill genauso wie alle anderen Unternehmen und Konzerne, die derzeit in die USA expandieren, von einer zunehmend günstigeren Gesetzgebung für Glücksspielanbieter und Buchmacher. Beispielsweise ist es jetzt schon in New Jersey problemlos möglich, Sportwetten und Spielautomaten im Internet anzubieten. Viele weitere Bundesstaaten sollen folgen. Das Online-Glücksspiel könnte in den USA eine ganz große Nummer werden, wenn viele Bundesstaaten sich dazu entschließen, ihre Gesetze entsprechend zu ändern. Es gibt bereits zahlreiche Initiativen und in einigen Bundesstaaten gibt es auch schon erste Online Casinos. Die Online-Sportwetten werden wahrscheinlich schneller wachsen und das könnte ein Vorteil für William Hill sein.

Für den CEO von William Hill, Ulrik Bengtsson, ist die Expansion auf den amerikanischen Markt der Schlüssel für den langfristigen Erfolg des Konzerns. Bei der Vorstellung der Halbjahresbilanz war der CEO vielleicht ein bisschen zu euphorisch. Besonders aufregend sind die Zahlen für das erste Halbjahr nun wirklich nicht. Aber entscheidend ist, dass William Hill wahrscheinlich das Gröbste hinter sich hat und die letzten Monate dafür genutzt hat, die Kosten zu reduzieren und wichtige strategische Entscheidungen zu treffen. Auch auf der technischen Ebene soll einiges passieren in nahe Zukunft. Bengtsson hat eine umfassende Verbesserung der aktuellen Plattformen für Sportwetten und Casinos angekündigt. Für den kurzfristig Erfolg ist es für William Hill wichtig, dass die Krise nicht im zweiten Halbjahr noch einmal das Niveau des ersten Halbjahres erreicht. Der Konzern hat zwar noch Luft, um auch auf einen weiteren wirtschaftlichen Rückschlag zu reagieren. Aber wenn die Krise noch sehr lange dauern sollte, wird sich das irgendwann auch auf die langfristige Prognose auswirken. Wenn die Krise jedoch in den nächsten Monaten komplett gelöst werden sollte, hat William Hill mit einer etwas schlankeren Struktur die Möglichkeit, vor allem auf dem US-Markt sehr schnell wichtige Meilensteine zu setzen. Langfristig könnte William Hill zu einem der größten Konzerne im Bereich des Online-Glücksspiels aufsteigen. Ob das gelingen wird, lässt sich nicht seriös prognostizieren zum jetzigen Zeitpunkt, denn es gibt viele Variablen. Aber William Hill hat einen sehr motivierten CEO, der keinen Zweifel daran lässt, dass William Hill allen künftigen Herausforderungen gewachsen ist.