Der britische Buchmacher William Hill kann für das dritte Quartal 2020 einen positiven Trend vermelden. Allerdings gibt es auch ein paar Zahlen, die nicht besonders gut aussehen. Im Moment läuft der Verkauf von William Hill an den amerikanischen Glücksspielkonzern Caesars Entertainment.

Positive Grundstimmung trotz Umsatzrückgang

William HillIm dritten Quartal 2020 hat William Hill mit Buchmachern, Online Casinos und anderen Glücksspielangeboten bessere Zahlen geliefert als befürchtet. Der Umsatz ist zwar im Vergleich zum Vorjahr um neun Prozent niedriger, aber angesichts der schwierigen Rahmenbedingungen ist das trotzdem ein Erfolg. Im zweiten Quartal musste William Hill einen wesentlich heftigeren Umsatzrückgang hinnehmen, vor allem weil fast überall auf der Welt die Buchmacher komplett schließen mussten. Zudem gab es kaum Sportwetten für einen erschreckend langen Zeitraum. Die Sportevents sind genauso wie die Sportwetten zurückgekommen, sodass an dieser Stelle wieder gute Einnahmen erzielt werden können. Aber William Hill ist es nicht gelungen, das alte Niveau zu erreichen. Das hat viel damit zu tun, dass William Hill nach wie vor sehr stark im Retail-Geschäft verhaftet ist. Zwar gibt es auch viele Online-Angebote des britischen Glücksspielanbieters. Aber wenn das Retail-Geschäft mit Sportwetten nicht läuft, wirkt sich das unmittelbar auf das Gesamtergebnis aus. Der Anteil des Offline-Geschäfts ist bei William Hill deutlich größer als bei vielen anderen großen Glücksspielanbietern. In den vergangenen Jahren war das oft ein Vorteil, aber in Zeiten der Krise sind die Offline-Buchmacher eine große Belastung. Zudem hat William Hill in letzter Zeit durch eine immer strenger werdende Regulierung in Großbritannien ohnehin schon Schwierigkeiten gehabt, die alten Zahlen zu erreichen.

Hoffnung macht das Online-Geschäft. Mit dem Online-Angeboten hat William Hill im dritten Quartal vier Prozent mehr Umsatz gemacht als im Vorjahr. Das hat aber nicht ausgereicht, um die Verluste aus dem Offline-Geschäft zu kompensieren. Trotzdem ist es bemerkenswert, dass die Online-Spielbanken und die Online-Buchmacher von William Hill im dritten Quartal 2020 sehr gut gelaufen sind. Das zeigt, dass grundsätzlich eine sehr solide Substanz vorhanden ist. Fraglich ist allerdings, wie sich der Verkauf von William Hill an den amerikanischen Glücksspielkonzern Caesars Entertainment auswirken wird. Noch ist der Verkauf nicht abgewickelt, aber der amerikanische Konzern ist vor allem am US-Geschäft interessiert. Den Rest von William Hill will Caesars Entertainment schnell wieder verkaufen. Es kann deswegen durchaus sein, dass William Hill in Europa turbulente Zeiten bevorstehen. Ein Trend wird wahrscheinlich nicht umgekehrt werden: William Hill reduziert schon seit einiger Zeit das Offline-Geschäft zugunsten der Online-Angebote. Vor allem in Großbritannien wird sich William Hill wohl unabhängig von der aktuellen Gesundheitskrise von weiteren Wettbüros trennen. In den letzten Jahren war die Balance zwischen Online- und Offline-Geschäft bei William Hill nicht immer optimal. Ob sich das prinzipiell ändern wird, muss der künftige Besitzer von William Hill entscheiden müssen.

William Hill auch in Deutschland aktiv

William Hill gehört zu den Buchmachern, die in Deutschland eine Lizenz im Rahmen der neuen Glücksspielregulierung beantragt haben. Die ersten Sportwettenanbieter haben bereits eine Lizenz bekommen. William Hill ist noch im Lizenzierungsverfahren und es ist nicht ganz klar, wann die Entscheidung fällt. Es spricht aber alles dafür, dass William Hill auch unter der neuen deutschen Glücksspielregulierung den deutschen Sportwetten-Fans erhalten bleibt. Auch die Glücksspielangebote von William Hill im Internet werden aller Voraussicht nach langfristig in Deutschland verfügbar bleiben. Derzeit gilt eine Übergangsregelung für das Online-Glücksspiel, an die sich William Hill hält. Das ist die entscheidende Voraussetzung dafür, demnächst eine Lizenz für Online-Spielbanken in Deutschland zu bekommen. Deutschland ist neben Großbritannien der wichtigste Markt für William Hill in Europa. Deswegen wäre es erstaunlich, wenn William Hill nicht alles daran setzen würde, auch unter den neuen Spielregeln des nächsten Glücksspielstaatsvertrags auf dem deutschen Markt zu bleiben. Allerdings ist noch unklar, wie sich die neue Glücksspielregulierung auf den Umsatz auswirkt. In Deutschland gibt es zum Beispiel durch die neue Regulierung relativ niedrige Einsatzlimits und Einzahlungslimits. Das könnte sich unter Umständen auf die Performance von Glücksspielanbietern wie William Hill auswirken. Sicher ist das aber noch nicht.

Der US-Markt für William Hill ein großer Wachstumsmarkt. Das ändert sich auch nicht durch den Verkauf an Caesars Entertainment. Im Gegenteil: Der amerikanische Glücksspielkonzern hat William Hill gekauft, um das US-Geschäft schneller und effizienter ausbauen zu können. Die Zahlen aus dem dritten Quartal 2020 zeigen, dass William Hill in den USA bereits sehr gut aufgestellt ist. Der Umsatz ist im Vergleich zum Vorjahr um zehn Prozent gestiegen. William Hill ist bereits in den Bundesstaaten Illinois, Washington DC, Michigan, Colorado und Pennsylvania aktiv. Neben den Online-Sportwetten betreibt William Hill auch klassische Wettbüros in den USA. Da demnächst viele weitere Bundesstaaten in den USA aller Voraussicht nach Sportwetten und Online-Glücksspiele zulassen werden, gibt es eine riesige Wachstumschance für William Hill. Allerdings wird dieses Wachstum dann aller Voraussicht nach Caesars Entertainment, dem künftigen Besitzer, zugutekommen.

Hier mehr über die Bilanz für das dritte Quartal 2020 von William Hill lesen (auf Englisch).