Der Sportwetten-Markt ist in der Krise. Doch das hält einige Buchmacher-Kunden nicht davon ab, auf die verbliebenen Sportevents zu tippen. In den letzten Wochen haben sich einige sehr ungewöhnliche Dinge auf dem Wettmarkt abgespielt. Aber zumindest gibt es Hoffnung, dass demnächst auch bei den Sportwetten alles wieder besser wird. Die Nachrichten im Sport nehmen derzeit kein Ende. 

Sportwetten-Angebot fast komplett eingebrochen

Aufgrund der derzeitigen Gesundheitskrise sind weltweit fast alle Sportveranstaltungen abgesagt worden. Das ist für die Sportler, die Verbände und die Vereine dramatisch. Aber auch die Buchmacher und die Sportwetten-Fans sind hart getroffen. In Deutschland wurde im letzten Jahr ein Umsatz von etwa 9,3 Milliarden Euro mit Sportwetten erzielt. Durch die aktuelle Situation ist der Umsatz um über 90 Prozent eingebrochen. Es ist kein Mathestudium notwendig, um sich an drei Fingern abzählen zu können, dass die Branche vor der größten Herausforderung ihrer Geschichte steht. Es gibt verschiedene Ebenen, auf denen die Krise für die Buchmacher läuft. Das grundlegende Problem ist allerdings, dass nur ein sehr eingeschränktes Angebot vorhanden ist. Es gibt noch einige Sportveranstaltungen, die derzeit laufen und von vielen Buchmachern im Netz auch für Wetten genutzt werden. Aber alle populären Events von der Bundesliga über die Premier League bis hin zu den US-Sportarten sind derzeit auf Eis gelegt. Für die meisten Sportwetten-Fans bedeutet das vor allem, dass ihr Hobby im Moment nicht möglich ist. Für die Buchmacher geht es jedoch um die Existenz, denn wenn weniger als zehn Prozent der üblichen Einnahmen fließen, kommen auch die großen Anbieter schnell an ihre Grenzen.

Sportwetten Online CasinoVor allem die großen Buchmacher haben derzeit das Problem, dass deutlich mehr Personal vorhanden ist als für den aktuellen Betrieb nötig wäre. Das gilt auch und gerade für die Online-Buchmacher, die zudem oft nicht in Deutschland oder Österreich ansässig sind, sondern in Malta. Auch wenn die maltesische Regierung einiges anstellt, um die wichtige Glücksspielbranche in der Krise zu unterstützen, kann es doch sehr schnell eng werden für einige Firmen. Deswegen ist es nachvollziehbar, dass viele Online-Buchmacher im Moment davon zu profitieren versuchen, dass zumindest das Geschäft prinzipiell noch möglich ist. Das ist ein wesentlicher Unterschied zu den Betreibern der Wettbüros. Allerdings gibt es auch viele Firmen in der Sportwetten-Branche, die sowohl online als auch offline unterwegs sind. Der beliebte Wettanbieter Tipico ist zum Beispiel nicht nur im Internet, sondern auch mit vielen Wettbüros in ganz Deutschland aktiv. Die Einnahmen aus den Wettbüros fehlen im Moment komplett, sodass ausschließlich das Online-Geschäft noch genutzt werden kann. Alle Anbieter, die vollständig oder teilweise auf Einnahmen aus Wettbüros angewiesen sind, stehen im Moment vor einer gewaltigen Aufgabe. In Deutschland lässt sich das Problem aber unter anderem durch Kurzarbeit und staatliche Unterstützung zumindest für eine Weile besser kontrollieren als in vielen anderen Ländern.

Buchmacher-Kunden stürzen sich auf exotische Events

Der Profi-Fußball in Weißrussland ist derzeit so populär wie noch nie, jedenfalls bei Sportwetten-Fans. Der Grund ist einfach: Weißrussland ist das einzige Land in Europa, das nach wie vor einen regulären Spielbetrieb hat. Die weißrussische Liga funktioniert, als hätte es nie auch nur ansatzweise eine Gesundheitskrise gegeben. Es lässt sich schwer abschätzen, ob dieser Zustand dauerhaft bestehen bleibt. Aber einstweilen haben die Sportwetten-Fans bei vielen Buchmachern die Möglichkeit, auf Spiele der weißrussischen Profi-Liga zu setzen. Da es sehr viele Sportwetten-Fans gibt, die ungern auf ihr Hobby verzichten, werden mittlerweile Millionenbeträge umgesetzt mit Wetten auf den weißrussischen Fußball. Das ist in jeder Hinsicht absurd, aber der aktuellen Lage geschuldet. Auch für Sportwetten-Profis ist die Situation schwierig, denn auf der einen Seite sind Menschen, die von Sportwetten leben, darauf angewiesen, dass Wetten möglich sind. Auf der anderen Seite haben vermutlich gerade die Sportwetten-Profis ein eher ungutes Gefühl, wenn viel Geld in einen sehr kleinen Fußballmarkt fließt. Bislang scheint alles regulär zu laufen in Weißrussland. Allerdings gibt es auch Freundschaftsspiele auf dem Fußballmarkt, die nach wie vor stattfinden und zum Teil abenteuerliche Ergebnisse bringen. Sportwetten-Fans, die sich nicht gut auskennen, sind deswegen aktuell gut beraten, sehr vorsichtig zu sein und keine unnötigen Risiken einzugehen.

Wenn auf dem Sportwetten-Markt sehr viel Geld in Spiele fließt, bei denen die Akteure nur kleine bis mittlere Gehälter beziehen, ist die Gefahr von Manipulationen grundsätzlich höher als zum Beispiel in der Bundesliga. Schon aus ganz praktischen Gründen dürfte es sehr schwierig sein, einen Bundesliga-Profi mit Geld zu einem bestimmten Verhalten zu überreden. Ob alle weißrussischen Profis ebenfalls immun sind gegen Manipulationen, darf zumindest infrage gestellt werden. Die finanziellen Verlockungen sind hoch und in der Vergangenheit hat sich schon öfter gezeigt, dass gerade die Sportarten, in denen wenig Geld fließt, etwas anfälliger sind für Manipulationen. Zudem ist es Moment schwierig, problematische Situationen aufzudecken. Normalerweise wird der Sportwetten-Markt sehr umfangreich kontrolliert. Wenn plötzlich auf irgendeinen seltsamen Event am Ende der Welt sehr viel Geld gesetzt wird, ist das ein Zeichen dafür, dass etwas nicht ganz sauber läuft. Aber diese Form von Warnsignal ist im Moment kein Indikator, da die verbliebenen aktiven Sportwetten-Fans nur eine sehr geringe Auswahl zur Verfügung haben. Deswegen ist es unvermeidlich, dass bei eher unbedeutenden Fußballspielern plötzlich riesige Wettumsätze stattfinden. Gesund ist das für die Sportwetten-Branche nicht. Aber vermutlich haben viele Buchmacher derzeit gar keine andere Wahl, als zumindest die noch verbliebenen Einnahmen zu nutzen, um nicht komplett unterzugehen.

Esport und virtueller Sport plötzlich gefragt

In den letzten Jahren haben immer mehr Buchmacher den Esport als interessante neue Option entdeckt. Aber bei den meisten Buchmachern waren die Umsätze mit Esport doch eher bescheiden. Das hat sich jedoch in den letzten beiden Monaten erheblich verändert, denn der Esport funktioniert trotz Gesundheitskrise nach wie vor sehr gut. Die großen Events, bei denen viele Spieler zusammenkommen, finden zwar nicht in der geplanten Weise statt. Aber nach wie vor gibt es viele hochklassige Online-Wettbewerbe, die sich hervorragend für Sportwetten eignen. Ein Grund, warum der Umsatz der Buchmacher nicht komplett abgestürzt ist, ist tatsächlich der Esport. Viele junge Sportwetten-Fans wissen zudem aus eigener Erfahrung, dass es sich um einen anspruchsvollen Sport handelt, der echte Wettkämpfe bietet. Vielleicht wird sich aktuell der eine oder andere ältere Sportwetten-Fan auch mit dem Esport beschäftigen. Es handelt sich mitnichten um irgendwelche Spielereien. Tatsächlich bietet der Esport aktuell die beste Möglichkeit, auf echte Wettkämpfe auf hohem Niveau zu tippen. Es gibt jedoch mit dem virtuellen Sport noch eine Alternative, die zumindest in Deutschland und den meisten anderen europäischen Ländern auch in der Krise noch nicht den Durchbruch geschafft hat.

Der virtuelle Sport ist etwas anderes als Esport. Beim virtuellen Sport finden die Events auf der Basis einer Computersimulation statt. Es gibt recht aufwendig gestaltete virtuelle Sportarten von Fußball über Basketball bis hin zu Baseball. Auch wenn die meisten Online-Buchmacher bereits entsprechende Angebote in ihrem Portfolio hatten, lässt sich doch in den letzten Wochen beobachten, dass viele Sportwettenanbieter bei den virtuellen Sportarten deutlich aufrüsten. Das Problem beim virtuellen Sport ist, dass es tatsächlich nur virtuelle Ereignisse gibt. Letztlich handelt es sich um elektronische Glücksspiele, ähnlich wie Spielautomaten, sodass der typische Reiz, der bei Sportwetten entsteht, nicht vorhanden ist. Das mag in der aktuellen Krise für manche Buchmacher-Kunden verkraftbar sein, aber alle Zahlen deuten darauf hin, dass die meisten Sportwetten-Fans echte Events bevorzugen. Im Zweifel führt dies dann dazu, dass er der Esport für Wetten genutzt wird oder aber exotische Events in Weißrussland und wenigen anderen Ländern. Vielleicht ändert sich das irgendwann. Für die Buchmacher wäre es jedem Fall positiv, wenn die virtuellen Sportarten einen höheren Stellenwert bei den Sportwetten-Fans bekommen würden. Unter den aktuellen Bedingungen dürfte es jedenfalls schwer sein für viele Anbieter, auch nur halbwegs kostendeckend zu arbeiten.

Rettet die Bundesliga den Sportwetten-Markt?

Die Fußball-Bundesliga soll schon im Mai wieder die ersten Spiele ausrichten. Das ist jedenfalls der Wunsch vieler Vereine und auch der Wunsch der DFL. Die Frage ist nur, ob dieser Wunsch in Erfüllung geht, denn letztlich hängt alles davon ab, dass die Politik mitspielt. Zudem muss auch eine breite Akzeptanz in der Bevölkerung vorhanden sein, denn es ist es schwer vorstellbar, dass Profi-Sport stattfindet, während die meisten anderen Menschen erheblich eingeschränkt sind in ihrem Alltag. Deswegen sollte sich niemand darauf verlassen, dass die Bundesliga tatsächlich wieder im Mai stattfindet. Es ist auch möglich, dass erst wieder im Sommer Spiele stattfinden werden. Es kann zudem auch nicht ausgeschlossen werden, dass die Bundesliga die Saison nicht zu Ende spielen kann. Als warnendes Beispiel kann Frankreich dienen. Die Ligue 1 musste aufgrund einer Entscheidung der Regierung die Saison vorzeitig beenden. Die gleiche Situation kann auch in Deutschland entstehen, wobei es zumindest im Moment noch von der politischen Seite positive Signale gibt. Nicht nur für die Fußball-Bundesliga, sondern auch für viele Wettanbieter wäre ein Start im Mai ungeheuer wichtig. Auch wenn die Bundesliga die einzige Liga wäre, die zeitnah wieder starten würde, wäre das für Buchmacher in ganz Europa ein großes Geschenk.

In Großbritannien stehen die Buchmacher vor noch größeren Herausforderungen als in Deutschland. In Deutschland können viele Firmen auf staatliche Hilfen setzen, unter anderem auch auf Kurzarbeit. In Großbritannien ist erst kürzlich die Aufnahme der Sportwetten-Branche in den nationalen Rettungsfonds abgelehnt worden. Das war ein schwerer Rückschlag für die gesamte Branche, die mit dem Rücken zur Wand steht. Auch für die britischen Buchmacher, die im Internet aktiv sind, wäre es sehr hilfreich, wenn wenigstens die Bundesliga wieder spielen würde. Noch besser wäre es, wenn bald auch wieder die Premier League starten könnte. In England deutet aber einiges darauf hin, dass ein Neustart nicht vor Juni möglich ist. Genauso wie in Deutschland gilt aber auch, dass die Situation in England im Juni so sein kann, dass doch keine Spiele möglich sind. Eine komplette Absage der Premier League liegt nach wie vor in der Luft. Für die Buchmacher ist jede Woche ohne Top-Sport eine weitere heftige Belastung. Das aktuelle Ziel kann es nur sein, die Umsätze wieder in eine Höhe zu bringen, die zumindest die Deckung der Kosten ermöglicht. Dann gäbe es wenigstens die Chance, dass die Sportwetten-Branche ohne zahlreiche Pleiten durch die Krisen käme. Sollte es zum Super-Gau kommen und noch viele Monate dauern, bis wieder Top-Sport verfügbar ist, werden wohl viele Buchmacher in die Insolvenz gezwungen.

Buchmacher auch als Sponsoren wichtig für Sport

Es wird viel zu wenig darüber diskutiert, dass die Buchmacher nicht einfach nur Unternehmen sind, die Gewinne erzielen müssen, um langfristig zu bestehen. Die Buchmacher spielen im sportlichen Ökosystem in Deutschland und vielen anderen Ländern mittlerweile eine zentrale Rolle. Es gibt kaum einen Bundesliga-Club, der keinen Sponsor aus der Sportwetten-Branche hat. Die Rechnung ist ganz einfach: Wenn die Einnahmen bei den Buchmachern zurückgehen, wird es auch weniger Geld für Sponsorenverträge geben. Besonders dramatisch könnte die Situation werden, wenn Buchmacher irgendwann die Verträge nicht mehr bedienen können, weil die nötigen Einnahmen fehlen. Soweit ist es noch nicht und es gibt keinen unmittelbaren Grund zur Panik. Aber es ist keineswegs so, dass die Abhängigkeit zwischen Sportwettenanbietern und Vereinen einseitig wäre. Beide Seiten sind aufeinander angewiesen und deswegen ist es auch für beide Seiten wichtig, dass möglichst bald wieder Sportveranstaltungen auf hohem Niveau in möglichst großer Breite stattfinden. Die große Unsicherheit, die derzeit im Markt ist, wird aber auch im optimalen Fall wahrscheinlich dazu führen, dass die Sportvereine in naher Zukunft mit niedrigeren Sponsorengeldern aus der Sportwetten-Branche kalkulieren müssen.