Im Sommer 2021 soll er nun endlich kommen: der neue Glücksspielstaatsvertrag mit all seinen Neuerungen und Reglementierungen. Allerdings muss man in dieser Redewendung das Gewicht ganz deutlich auf „soll“ legen, denn zu 100 Prozent „durch“ ist er nämlich noch immer nicht. Allerdings gilt in Deutschland seit dem 15. Oktober schon mal eine vorübergehende Duldungsphase für Wettanbieter. Diese haben auch prompt mit einem eingeschränkten Angebot reagiert. Zu den besonders häufig diskutierten Themen in diesem Zusammenhang gehört der Wunsch vieler Entscheidungsträger, dass Promis in Zukunft die Werbung für Online Spielbanken und Online Wettanbieter unterlassen. Und exakt dieser Punkt holt auch die Sportreporter-Legende Werner Hansch (82) aus der Defensive. Vor kurzem erst hatte er sich in der letzten „Promi Big Brother“ Staffel selbst als „ein von Spielsucht Betroffener“ geoutet. Seit seinem Sieg bei der SAT.1 Reality Show engagiert er sich für den Fachverband Glücksspielsucht als Botschafter.

„Im Kern absolut bedauerlich“

Sportwetten OnlineIn Bezug auf den deutschen Sportwetten Markt erntet man von Werner Hansch nur Kopfschütteln, insbesondere wenn es darum geht, dass prominente Werbeträger eine Rolle darin spielen. Auf dem Kieker hat er u.a. den ehemaligen Welttorwart Oli Kahn (51), der mittlerweile in den Vorstand des FC Bayern München aufgerückt ist. „Aus meiner Sicht im Kern absolut bedauerlich. Solche Gesichter sollten sich auf der anderen Seite engagieren. Dann hätten sie eine Laola verdient. Wenn sie sich also GEGEN Glücksspiel engagieren würden. Gewinnen kann auf Dauer niemand. Das ist ausgeschlossen, weil diese Unternehmen sonst allein nicht diese Summen für Werbung hätten. Schon daran kann man erkennen, dass nur die eine Seite gewinnt,“ kritisiert Werner Hansch. Er selbst hat ein großes Vermögen bei Pferderennen verzockt. Heutzutage ist es für den ehemaligen Kultreporter nicht mehr nachvollziehbar, wie leichtfertig solche Ex-Weltstars, wie der ehemalige Bayern-Keeper, mit ihrer Funktion als Vorbild und Idol umgehen. „Das Beispiel Olli Kahn kann ich nicht verstehen: ich glaube der ist finanziell gefüllt wie eine Weihnachtsgans. Wieso hat der das noch nötig, vor allem in seiner neuen Funktion bei den Bayern? Gerade vor dem Hintergrund von Ulli Hoeneß, der auch über eine besondere Art von Spielsucht gestürzt ist. Dass das da noch geduldet wird – ich hatte fest angenommen, dass Kahn damit aufhört,“ sagt Hansch. Die Torwartlegende selbst äußert sich zu diesen Vorwürfen nicht, und sein Management ließ nichtssagend verlauten: „Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Aussagen anderer Persönlichkeiten grundsätzlich nicht über die Medien kommentieren.“

Ikke Hüftgold bläst ins gleiche Horn

Selbstverständlich sind gerade Prominente den Anbietern von Sportwetten und auch von Online Spielbanken sehr wichtig. Zum einen geht es dabei um eine höhere Reichweite, die die Promis garantieren, zum anderen helfen sie mit, das leicht verruchte Image aufzubessern. Nicht jeder bekannte Sportler lässt sich jedoch darauf ein. Ein weiteres Beispiel für Kritik an prominenten Werbeträgern liefert der Mallorca-Star und Hansch-Kumpel Ikke Hüftgold (44). Er streut nochmal Salz in die Wunde und behauptet bereits mehrfach entsprechende Werbeangebote von Online Wettanbietern abgelehnt zu haben. „Ich finde es auf der einen Seite gut, wenn sich Sportler mit Stiftungen und ihrem Geld für Kids einsetzen. Aber wenn sie auf der anderen Seite Glücksspielverträge in Millionenhöhe unterschreiben und jene Kids in die Spielsucht treiben, ist das verheerend. Es gibt viele Beispiele von Sportlern, die Werbung für den Glücksspielmarkt machen oder gemacht haben. Ich selbst habe und hatte diese Angebote auch und würde das nie machen,“ betont Ikke.

Werner Hansch geht sogar soweit, dass er den gesamten neuen Glücksspielstaatsvertrag kritisch sieht: „Der neue Glücksspielstaatsvertrag muss noch von 16 Parlamenten ratifiziert werden. Wenn das nicht passiert, kann das nicht in Kraft treten. Wer weiß, ob das scheitert?“ Weitere Unkenrufe kommen beispielsweise auch von Ilona Füchtenschnieder. Sie ist Expertin für Suchtfragen und Leiterin der Koordinierungsstelle beim Fachverband Glücksspielsucht in NRW. Auf Anfrage einer großen deutschen Tageszeitung sagt sie: „Man sollte den Tag nicht vor dem Abend loben. Es gibt ja schon Stimmen, die sagen: das ist europarechtswidrig. Die Anbieter ändern ihr Angebot jetzt, um die Chance auf eine Lizenz zu haben.“

Trauriges Ende einer Karriere

Es war für viele schon mehr als verwunderlich, dass plötzlich die Reporterlegende Werner Hansch im Trash-Format „Promi Big Brother“ auftauchte – noch dazu in recht fortgeschrittenem Alter. Ihn hätte man doch viel eher auf einem schönen Altersruhesitz vermutet. Lange spannte er die Zuschauer nicht auf die Folter, sondern schockte seine Fans mit einer traurigen Nachricht: Er brauchte Geld. Durch einen falschen Umgang mit Sportwetten hatte er Schulden angehäuft, die ihm über den Kopf zu wachsen drohten. Wie es dazu kam, erklärt Deutschlands ehemals prominentester Sportreporter so: „Nach mehr als 1.400 kommentierten Spielen wurde ich von einem Tag auf den anderen nicht mehr gebraucht. Ein schreckliches Gefühl. Und so kam es, dass ich eines Tages zum ersten Mal in meinem Leben eher zufällig das Wettbüro eines Buchmachers für Pferdewetten betrat. Ich wurde umgarnt und hofiert. Schließlich überzeugten mich die anderen Zocker, doch selbst mal zu wetten. Ich setzte 20,- Euro und siehe da, ich gewann. Damit war die Lunte der Spielsucht entzündet, welche tief in mir verborgen lag, ohne dass ich es wusste." Ende vom Lied: es häuften sich Schulden in Höhe von einer halben Million Euro, seine Freundin verließ ihn und sein langjähriger Freund, der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach, erstattete eine Anzeige gegen ihn.