„Glücksspiel kann süchtig machen!“ So lautet nicht nur die Botschaft am Ende eines jeden Werbespots, es drückt auch das Dilemma aus, in dem sich der deutsche Staat befindet. Einerseits muss er sich mit den Negativ-Folgen für spielsüchtige Bürgerinnen und Bürger auseinandersetzen, andererseits nimmt er durch das Glücksspiel bundesweit rund 1,5 Mrd. Euro jährlich an Steuern ein. Und, haben wir uns das nicht alle schon einmal gefragt: Wieviel verdient der Staat eigentlich an dem Geld, das wir fürs Glücksspiel ausgeben? Wir sind dieser Frage auf den Grund gegangen und listen für Sie im Folgenden auf, wie wertvoll dem Staat unsere Wett- und Spieleinsätze in Wirklichkeit sind. 

Der Staat profitiert künftig auch vom Online Glücksspiel

BerlinDer aktuelle Glücksspielstaatsvertrag sieht vor, dass der Staat Spieler vor Betrug schützt, den Jugendschutz gewährleistet, Wett- und Spielsucht verhindert, dem Schwarzmarkt entgegenwirkt und darauf achtet, dass der Wettkampf bei Sportwetten nicht gefährdet wird. Eine Anpassung dieses Gesetzes ist in Zeiten der allgemeinen Digitalisierung mehr als notwendig. Schließlich wird Glücksspiel längst mehr nicht nur beim Buchmacher oder Kiosk um die Ecke angeboten. Es hielt Einzug ins Internet und das Angebot wächst beinahe täglich. Das meiste ist unreguliert und wird von Gibraltar oder Malta aus gesteuert, womit es sich nach wie vor in einer rechtlichen Grauzone befindet. Ab Juli 2021 soll sich das ändern. Dann greift der neue Glücksspielstaatsvertrag und löst den alten ab. Ab diesem Zeitpunkt sollen Sportwettanbieter und Online Casinos endlich auch in Deutschland legal werden. Damit wären dann dem Staat auch eine Menge zusätzlicher Einnahmen sicher. 

Die Steuereinnahmen beim staatlichen Lotto

Bei unserer Auflistung der staatlichen Einnahmen bei Wetteinsätzen orientieren wir uns natürlich an der aktuell gültigen Gesetzgebung. Ab Sommer nächsten Jahres werden diese Einnahmen nochmal um ein Vielfaches ansteigen. Derzeit sieht es aber auch schon nicht schlecht aus für den Finanzhaushalt der Bundesrepublik Deutschland. Beim staatlichen Lotto sieht die Aufteilung folgendermaßen aus: 50 Cent gehen an die Lotterie-Gewinner, 23 Cent erhält das Bundesland, in dem die Wette abgeschlossen wurde und das fördert damit soziale Projekte, den Sport, Umwelt- und Denkmalschutz und die Kultur. 16,6 bis 20 Cent darf das jeweilige Bundesland für unbestimmte Zwecke ausgeben und 12 Cent erhält der Vertrieb als Provision und um seine Mitarbeiter zu zahlen, bzw. Kosten des Betriebs zu decken. 

Das meiste Geld geht in der Regel in den Sport. Dank der Glücksspirale und der sogenannten Sieger-Chance konnte beispielsweise der Olympische Sportbund im letzten Jahr knapp elf Millionen Euro einheimsen. 2017 erhielt der Landessportbund NRW allein rund 28,5 Millionen Euro. Ein großer Teil der staatlichen Einnahmen fließt allerdings auch in die Spielsucht-Prävention.

Staatliche Einnahmen durch Sportwetten

Wer einen Euro Einsatz bei Sportwetten tätigt, der gibt automatisch dem hessischen Landesministerium 5 Cent ab. Dabei spielt es keine Rolle, in welchem Bundesland der Tippschein abgegeben wurde. Bundesweit wurden in den Jahren 2012 bis 2013 fast 101 Millionen Euro Steuern aufgrund von Sportwetten erzielt, wobei das Land Hessen wie eine Art Sammelstelle fungiert. Nach einem bestimmten Schlüssel werden von dort aus die Einnahmen auf die anderen Bundesländer verteilt. Neben der rechtlichen Grauzone, in der sich die privaten Sportwettanbieter befinden, gibt es ja auch noch das staatliche Oddset. Mit dem neuen Glücksspielstaatsvertrag wird diese rechtliche Grauzone für Privatanbieter jetzt abgeschafft. Eine maximale Lizenzanzahl wird es nicht mehr geben. Die neuen Lizenzen gelten jedoch zunächst nur für 18 Monate – allerdings mit der Möglichkeit, sie um drei weitere Jahre zu verlängern.            

Die sogenannte Spielbankabgabe

Wie es sich mit unserem Einsatz von einem Euro bei Spielbanken und Casinos verhält, ist nicht so ohne weiteres auseinanderzurechnen. Diese Unternehmen entrichten eine sogenannte Spielbankabgabe, die sich an den jährlichen Gewinnen orientiert. Unternehmenssteuer zahlen Casinos und Spielbanken im Übrigen nicht. Hier nun der Versuch einer plausiblen Aufschlüsselung:

Bis zu einem Gewinn von 550.000 Euro erhält der Staat von „unserem“ Euro 25 Cent. Ab 500.000 bis zwei Millionen Euro sind es schon 30 Cent. In der Größenordnung von zwei bis drei Millionen wächst unser Anteil auf 40 Cent und bei drei bis zehn Millionen Euro auf 60 Cent an. Sollten die Gewinne die zehn Millionen Euro-Marke knacken, dann sind es 80 Cent. Darüber hinaus gehen 15 Cent von „unserem“ Euro an die Gemeinde, in der das Casino oder die Spielbank beheimatet ist. Der Gewinn bedeutet bei Spielbanken und Casinos übrigens das, was nach der Auszahlung von Gewinnen an Spieler noch übrig ist. In den meisten Bundesländern sind die Abgaben – wie soeben aufgelistet – gestaffelt.

Von Spielautomaten und Vergnügungssteuer

Wie es sich mit unserem einen Euro Wetteinsatz bei Spielautomaten verhält, erklären wir hier: Die Gemeinde, in der ihr die Spielhalle besucht, in der der Spielautomat steht, erhält 20 Cent. In Deutschland müssen die Betreiber von Spielautomaten generell Vergnügungssteuer bezahlen. In Berlin gilt beispielsweise, dass alles, was nach dem Abzug der Wettgewinne übrig ist, versteuert werden muss. Durch den neuen Glücksspielstaatsvertrag wird sich für Spielautomatenaufsteller nicht viel ändern – sehr zum Verdruss des Verbands der Deutschen Automatenwirtschaft. „Es kann nicht sein, dass Online-Glücksspiele legalisiert werden, die überall an jedem Ort verfügbar sind, und gleichzeitig die Abstandsregelungen beim gewerblichen Automatenspiel bleiben“, sagt der Vorstandssprecher der Deutschen Automatenwirtschaft, Georg Strecker und ergänzt: „Nur mit einem attraktiven legalen Angebot, das sich an den Bedürfnissen der Menschen orientiert, kann der Schwarzmarkt effektiv bekämpft werden.“

Ein halber Cent für Malta

Tja – und von unserem einen Euro Einsatz in einem Online Casino erhält der Staat aktuell noch keinen Cent, da Online Casinos in der BRD ja aktuell noch nicht erlaubt sind – mit Ausnahme von Schleswig-Holstein. Dieses Bundesland erhält 20 Cent. Alle anderen Länder gehen leer aus. Der neue Glücksspielstaatsvertrag soll das nun alles ändern, damit dem Staat nicht länger die kostbaren Steuergelder entgehen. Zurzeit haben die meisten Online Anbieter noch ihren Hauptsitz im Ausland, wie zum Beispiel Malta. Dort zahlen Anbieter lediglich 0,5 Prozent Steuern auf Wett- und Spieleinsätze. Das heißt im Klartext: wer heute bei einem Anbieter aus Malta spielt, unterstützt den maltesischen Staat mit 0,5 Cent, sofern er einen Euro eingesetzt hat.