Tabus werden immer weiter aufgeweicht. Woher das Geld kommt scheint aktuell niemanden in den US-amerikanischen Profiligen zu interessieren. Immer deutlicher rückt der professionelle US-Sport von seinen grundsätzlichen Prinzipien ab und damit auch von einer gewissen Doppelmoral. Plötzlich ist Trikotwerbung erlaubt und auch die über Jahre gepflegte „Aversion gegen Sportwetten“ wurde aufgegeben. Die steigende Kommerzialisierung wird durch die anhaltende weltweite Gesundheitskrise zusätzlich beschleunigt. Vor gut einem Jahr kam es zu einer Premiere. Im Februar 2020 wurde der 54. Super Bowl ausgetragen und zum ersten Mal war es erlaubt, einen TV-Werbespot für Glücksspiel – zumindest im weitesten Sinne - während des Live-Spiels zu schalten. Partner für diesen Spot war die Stadt Las Vegas, die sich darin als Top-Destination von ihrer schönsten Seite zeigte. Bisher war das Glücksspiel und damit unweigerlich auch Las Vegas tabu, da die NFL befürchtete, dass ihre nach außen propagierte Familienfreundlichkeit dadurch gefährdet werden könnte.

Werbung im US-Profisport nimmt zu

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Dass es sich hierbei um eine jahrzehntelang gepflegte Doppelmoral handelt, wird spätestens dann klar, wenn man sich die Schlagzeilen anschaut. Mehr als einmal schlugen NFL-Stars ihre Ehefrauen krankenhausreif, und es war auch nicht nur ein Ex-Profi, der nach seiner sportlichen Karriere „qualvoll an Folgeschäden verstarb“. Selbst Getränkehersteller durften ausgiebig für Alkohol werben, lediglich das Glücksspiel wurde gebannt und mit ihm auch Sportwetten und so populäre Entertainment-Metropolen wie Las Vegas. Gerade Sin City hatte in der Wahrnehmung der NFL etwas sittenwidriges. Das ging sogar so weit, dass sich die Liga noch 2013 weigerte, dort ein einfaches Testspiel zu veranstalten. Man fürchtete, dass dann auf den Ausgang des Spiels gewettet werden könnte. Eine solche Realitätsverweigerung erscheint im heutigen digitalen Zeitalter doch sehr naiv. Immerhin wurden allein auf American Football Wettkämpfe in den USA 2018 rund 95 Millionen US-Dollar gesetzt. Dies erfolgte vor der allgemeinen Legalisierungs-Welle und somit zum großen Teil bei damals noch illegalen Anbietern. Inzwischen scheint die Liga im Heute angekommen zu sein. Wichtiger als ihre altmodische Moral scheint ihr nun das Geld zu sein. Den Oakland Riders gestattete sie sogar im vergangenen Jahr nach Las Vegas umzuziehen und sich on top auch noch von der Caesars Palace Group sponsern zu lassen, die auch sehr erfolgreich seriöse Online Casinos betreibt.

NBA ließ 2017 erste Trikotwerbung im US-Profisport zu

In den nordamerikanischen Profisport haben auch noch andere Tabubrüche Einzug gehalten. Dazu gehört sicherlich auch die Meldung, dass die NHL die Namensrechte an ihren vier Dimensionen veräußert hat. Nun tauchen in deren Titeln plötzlich die Namen einer Bank, einer Versicherungsgesellschaft, eines Automobilherstellers und eines Kreditkartengebers auf. Hinzu kommt, dass die Teams inzwischen Werbung auf den Spieler-Helmen verkaufen dürfen. Davon erhofft sich die Liga einen Zugewinn von rund 15 Millionen US-Dollar. Für die USA ist dies neu. In Europa hingegen gehört das bereits seit Jahren zum Sport-Alltag, wo Profisportler sogar zeitweise wie wandelnde Litfaßsäulen wirken oder ganze Teams nach ihren Sponsoren benannt werden. Dies gilt für Deutschland ebenso wie für die Schweiz und Österreich – insbesondere im Volleyball. Den Nordamerikanern waren ihre Trikots jahrzehntelang heilig, und Werbung darauf war absolut tabu. Hintergrund hierfür war die Befürchtung, dass die Marke geschwächt werden könnte. Ästhetik spielte dabei keine Rolle. Aber die Welt dreht sich weiter und Entwicklungen schreiten voran – auch in den USA. Die anhaltende weltweite Gesundheitskrise tut ihr Übriges dazu. Mittlerweile kann man annähernd alles kaufen, auch solche Dinge, die vor Kurzem noch als unverkäuflich galten. Die NBA machte 2017 den Anfang und ließ die erste Trikotwerbung zu. Die MLB scheint folgen zu wollen, und selbst die NHL ließ durch CEO John Collins verkünden, dass sie Ähnliches planen. Dieser letzte Tabubruch mag für ausgewiesene Puristen ein heftiger Tabubruch sein, doch wenn man es einmal ganz genau betrachtet, dann ist die Entwicklung absolut konsequent. Schließlich ist es mit der Unschuld und Romantik in den großen Profiligen schon lange vorbei. Längst tummeln sich in diesem Milliardengeschäft die Superreichen wie beispielsweise Steve Ballmer. Mit einem Vermögen von mehr als 50 Milliarden US-Dollar ist er Besitzer der Basketball-Mannschaft Los Angeles Clippers. Den Dreijahresvertrag, den die Clippers mit Bumble, einer Dating-App, abgeschlossen haben und der insgesamt 20 Millionen US-Dollar einbringt, benötigt er vermutlich gar nicht, aber vermutlich will er auch nicht auf das Geld verzichten. Erst Recht nicht in einer Liga, die mittlerweile annähernd alles zu Geld macht. Inzwischen lassen sich manche Teams sogar ihre Tweets sponsern. Für den ein oder anderen mag das abstoßend sein, doch diese Haltung ist immer noch ehrlichen, als die krude Verweigerung der NFL einer Stadt wie Las Vegas gegenüber.

US-Profisport-Liga erobert den Fantasy-Sports-Milliardenmarkt

Seit einiger Zeit mischt die Liga auch ganz ordentlich im sogenannten Fantasy Sport mit, bei dem auf Internet Plattformen virtuelle Teams aus real existierenden Profi-Sportlern zusammengestellt werden können. Den virtuellen Teams werden dann Punkte gutgeschrieben, deren Höhe sich an den individuellen Leistungen der realen Spieler im entsprechenden Profisport festmachen. Hierbei handelt es sich um ein gigantisches Geschäft, vor allen Dingen in den Vereinigten Staaten von Amerika. In den USA werden derzeit 8 Milliarden US-Dollar pro Jahr im Fantasy-Sport-Markt umgesetzt. DraftKings ist der aktuelle Marktführer. An dem börsennotierten Unternehmen ist u.a. auch der Disney Konzern beteiligt.