Da kann man wohl kaum von einer Vertrauensbildenden Maßnahme sprechen. Joseph Stahura, Bürgermeister der Stadt Whiting im US Bundesstaat Indiana, soll zusammen mit seiner Ehefrau, Wahlkampfgelder verzockt haben, unter anderen um Casinobesuche finanzieren zu können. Ob die beiden auch seriöse Online Casinos besucht haben, ist allerdings nicht bekannt. Die beiden Betrüger sind größtenteils geständig, so die dortige Staatsanwaltschaft. Dies wird wohl bedeuten, dass es in Whiting auf alle Fälle einen neuen Bürgermeister oder eine neue Bürgermeisterin geben wird.

Und ewig lockt das Geld 

Mayor Joseph M. StahuraBei dem jetzt auffällig gewordenen Betrug handelt es sich um keinen einmaligen Verstoß. Vielmehr hat das Paar über Jahre hinweg immer wieder Spenden veruntreut. Zwischen 2014 und 2019 sind so mehrere hunderttausend Dollar in die private Kasse des Bürgermeisters und seiner Frau geflossen. Damit wurden nicht nur private Kreditkartenabrechnungen und der Unterhalt der Tochter beglichen, sondern auch Casinobesuche. Insgesamt knapp 56.000 Dollar sollen alleine dafür aufgebracht worden sein. Mit welchem Erfolg ist leider nicht bekannt oder noch nicht. In den USA ist es durchaus üblich Wahlkämpfe durch Spenden zu finanzieren und dies in einem wesentlich größeren Maße als in Deutschland zum Beispiel. Hier werden Parteispenden sehr genau kontrolliert und unterliegen einer strengen Verordnung. In den Vereinigten Staaten sieht es da etwas anders aus. Dort gehört es durchaus zum „guten Ton“ von Unternehmen, Prominenten und Bürgern, für eine Partei zu spenden und dies auch öffentlich zu machen. Es werden regelmäßig Veranstaltungen wie Bälle, Abendessen und kulturelle Events organisiert, um Spenden zu sammeln. Wie dies in Whiting passiert ist, weiß man noch nicht genau. Aber die Staatsanwaltschaft ermittelt und sieht sich in ihren Bemühungen zur Eindämmung der politischen Korruption bestätigt, so US-Staatsanwalt Thomas L. Kirsch II: „Meine Behörde hat eine lange Tradition darin, öffentliche Korruptionsfälle im Namen der ehrlichen Bürger unserer Gemeinde aggressiv zu verfolgen. Das wird so lange so bleiben, wie ich US-Anwalt bin. Während die meisten gewählten Beamten professionell und ehrlich dienen, tun dies einige nicht. Diejenigen, die aufgrund ihres öffentlichen Amtes illegal persönliche Gewinne anstreben, werden zur Rechenschaft gezogen.“ Wer sich nun fragt, warum ihnen Whiting in den USA nichts sagt, der sei beruhigt. Hierbei handelt es sich nicht um Geografie Versagen. Whiting ist eine dieser kleinen Städte, die sich durch die gesamten Vereinigten Staaten ziehen. 1885 gegründet und nach einem Eisenbahner benannt, der dort ums Leben kam, zählt Whiting heute knapp 5.000 Einwohner. Die Zusammensetzung der Stadt besteht aus 76,3% Weißen , 3,5% Afroamerikanern , 0,7% amerikanischen Ureinwohnern, 0,7% Asiaten , 15,7% aus anderen Rassen und 3,2% aus zwei oder mehr Rassen. 

40,7% der Bevölkerung sind spanischer oder lateinamerikanischer Abstammung. An der nördlichen Grenze des Bundesstaates Indiana gelegen grenzt es an das südliche Ufer des Lake Michigan und befindet sich somit in größerer Nachbarschaft zu Chicago. Als eine besondere Attraktion des Städtchens gilt das jährlich stattfindende Pierogi-Fest, um den ehrwürdigen Pierogi-Knödel zu ehren. Warum nun gerade ein polnischer Knödel jährlich von fast 250.000 Besucherinnen und Besuchern gefeiert wird, entzieht sich leider unserer Kenntnis. Wir gehen mal davon aus, dass es sich um eine Ehrung der frühen Bewohner Whitings handelt.

Immer wieder Betrug und andere Verbrechen

Dass Verbrechen begangen werden, ist nichts Neues. Vielerlei Motive gibt es dafür. Und dazu zählt sicherlich auch, sich auf illegale Weise Geld zu beschaffen, um seiner Spielleidenschaft zu frönen. Dabei kann man wohl nicht von einem Verbrechen aus Leidenschaft sprechen, obwohl natürlich ein ungesunder Spieltrieb auch eine Leidenschaft sein kann. Dass dies aber in den allermeisten Fällen nicht gut ausgeht, zeigen einige interessante Fällen. Von denen, die gut ausgehen, weiß man natürlich nichts.

Dabei sind die 200.000 Euro, die eine Hausverwalterin in NRW veruntreut hat, um im Casino zu zocken, noch eher Kleingeld. Banker scheinen irgendwie eine Berufsgruppe zu sein, die es besonders betrifft. Vielleicht ist der Umgang mit zu viel Geld ach zu verlockend. So veruntreute ein Banker aus Hamburg im Jahr 2018 1,7 Millionen Euro um diese bei Wetten zu verlieren. Und zwar wettete er auf das Fallen oder Steigen des DAX, also des deutschen Aktienindex. Das lief anfangs auch ganz gut, aber wie das so ist mit den Wetten, es kommt auch mal eine Pechsträhne. Und die versuchte er mit noch mehr Spielen zu überbrücken. Dafür nutze er seine Position bei der Bank, erfand fiktive Kunden, gewährte diesen großzügige Kreditrahmen, leitete aber diese Kredite auf sein eigenes Konto um. Zwei Jahre und 1,7 Millionen Euro lang ging das gut, dann kam ihm die eigene Revisionsabteilung auf die Schliche. Ein weiterer Banker aus dem Norden, aus Buxtehude, hat innerhalb von drei Jahren acht Millionen Euro verzockt. Dafür bediente er sich schon mal großzügig bei den eigenen Kundenkonten und plünderte diese. Er versuchte aber noch mit den Gewinnen aus Besuchen im Casino Hamburg diese Löcher wieder stopfen. Vergebens. Auch diese Untreue flog auf.

Verbrechen lohnt sich nicht. Dies ist allgemein bekannt. Aber doch scheint es einen Mechanismus zu geben, der den ansonsten gesunden Menschenverstand aussetzt und so zu unüberlegten Handlungen verführt. Und sich Gelder für Casinobesuche oder Wetten sich auf illegale Weise zu beschaffen, scheint ein weit verbreitetes Phänomen dieser Aussetzer zu sein.