Die UK Gambling Commission hat bekannt gegeben, dass in Zukunft alle Online Casinos und Sportwettenanbieter, die mit einer UK-Lizenz arbeiten, Einzahlungen und Auszahlungen mit Kreditkarten nicht mehr anbieten dürfen. Die neue Regelung wird ab dem 14. April 2020 gelten, sodass die betroffenen Anbieter noch ein paar Monate Zeit haben, um die nötigen Vorkehrungen zu treffen.

Begründung der UKGC nachvollziehbar

UK Flagge England Big Ben CasinoIn Großbritannien spielen nach aktuellen Statistiken etwa 10,5 Millionen Menschen online. Die Statistik umfasst alle Kunden in Online Casinos und bei Online-Buchmachern. Etwa 800.000 Menschen nutzen Kreditkarten, um Glücksspiele und Sportwetten zu finanzieren. Das grundlegende Problem bei echten Kreditkarten ist, dass die Casino-Kunden und die Buchmacher-Kunden die Möglichkeit haben, über das vorhandene Kapital hinauszugehen. Das ist im einen oder anderen Fall wahrscheinlich der Hauptgrund, warum Kreditkarten genutzt werden. Deswegen wird schon seit vielen Jahren darüber diskutiert, ob es nicht sinnvoll sein könnte, Kreditkarten komplett für Glücksspiele und Sportwetten zu verbieten. Da das Online-Glücksspiel und die Online-Sportwetten in den letzten Jahren rasant gewachsen sind, hat sich das Problem verschärft. Die UK Gambling Commission nun auf die neue Situation, vermutlich auch unter dem gewachsenen politischen Druck.

Das Verbot von Kreditkarten in Online Casinos und bei Online-Buchmachern ist auf den ersten Blick vielleicht ein schwerer Schlag für die Anbieter. Aber schon ein Blick auf die Statistik zeigt, dass über 90 Prozent der Besucher in Online Casinos und bei Online-Buchmachern eine andere Zahlungsmethode verwenden. Allerdings wird unter manchen Experten auch bezweifelt, dass das Verbot von Kreditkarten zielführend ist. Tatsächlich werden nur etwa 22 Prozent der Kunden, die mit Kreditkarte einzahlen, in aktuellen Statistiken als problematisch eingestuft. Das ist natürlich zu viel. Aber trotzdem zeigt diese Statistik, dass ein großer Teil der Kunden, die eine Kreditkarte für Einzahlungen und Auszahlungen nutzen, überhaupt kein Problem hat. Für diese Kunden ist die neue Regelung besonders unschön, denn in Zukunft es notwendig sein, Einzahlungen und Auszahlungen mit anderen Zahlungsmethoden zu machen. Da es aber viele Alternativen gibt, sollte das in der Praxis für die meisten Casino-Kunden und Sportwetten-Fans kein Problem darstellen.

Entscheidung auf der Basis von Studien und Statistiken vorbildlich

Auch wenn man im Detail darüber diskutieren kann, ob das Kreditkarten-Verbot in Großbritannien für Online Casinos und Sportwettenanbieter sinnvoll ist, bleibt doch eines bemerkenswert: Die UK Gambling Commission hat ihre Entscheidung nicht einfach aus dem Bauch heraus gefällt oder aufgrund einer politischen Ideologie. Stattdessen wurden umfangreiche Studien und Statistiken angefertigt, auf deren Basis dann die Entscheidung getroffen wurde. Das ist genau der richtige Weg, denn am Ende haben auch alle seriösen Glücksspielanbieter ein Interesse daran, dass die Kunden, die sich selbst Schaden zufügen, vom Spielbetrieb ausgeschlossen werden. Ob der aktuelle Weg richtig ist, darf zumindest diskutiert werden. Aber dass die Begründung für das Kreditkarten-Verbot nicht völlig aus der Luft gegriffen ist, kann wohl niemand ernsthaft bezweifeln.

Vor ein paar Jahren wäre ein Kreditkarten-Verbot noch ein großer Schlag gewesen für die Glücksspielindustrie. Aber mittlerweile gibt es viele andere Zahlungsmethoden, zum Beispiel E-Wallets wie Skrill, Neteller oder Muchbetter, sowie schnelle Überweisungsmethoden wie Trustly und Sofortüberweisung. In Deutschland ist auch die Paysafecard eine sehr beliebte Zahlungsmethode in Online Casinos. Früher gab es nur sehr wenige Zahlungsmethoden, die zuverlässig in Online Casinos funktioniert. Aber heutzutage ist das Kreditkarten-Verbot nur eine unschöne Fußnote für die Anbieter. Selbst wenn alle Kreditkarten-Nutzer ab dem 14. April 2020 aufhören, Einzahlungen in Online Casinos zu machen, wird das die Industrie nicht nachhaltig beeinträchtigen. Zudem ist es realistisch davon auszugehen, dass ein großer Teil der Glücksspiel-Fans, die bisher Kreditkarten genutzt haben, weil es sich um ein komfortables Zahlungsmittel handelt, auch weiterhin aktiv sein werden in Online Casinos. Getroffen werden aber die Casino-Kunden, die mit Geld gespielt haben, das nicht verfügbar war. Das wird in Zukunft jedenfalls mit Kreditkarten nicht mehr möglich sein in Großbritannien.

Gute Entscheidung für Glücksspielindustrie

Für die moderne Glücksspielindustrie ist es enorm wichtig, ein gutes Image zu haben. Casino-Kunden und Sportwetten-Fans, die mit Kreditkarten ihr Hobby finanzieren und dann am Ende nicht bezahlen können, sind sehr schlecht für das Image. Deswegen ist das Kreditkarten-Verbot für die Glücksspielindustrie unter dem Strich eine gute Entscheidung. Es mag sein, dass der eine oder andere Casino-Betreiber, der einen hohen Anteil an Kreditkarten-Einzahlungen hat, das im Moment etwas anders sieht. Aber für die gesamte Industrie ist es kein Nachteil, dass an dieser Stellschraube gedreht wird. Das Ziel aller seriösen Casino-Betreiber und Buchmacher ist es, ein faires und attraktives Unterhaltungsangebot zur Verfügung zu stellen. Alle durchdachten Maßnahmen, die dazu beitragen, dass die Kunden sich nicht selbst schaden, sind deswegen begrüßenswert. Vielleicht hätte es auch einen anderen Weg gegeben, die Spieler, die Kreditkarten nicht verantwortungsbewusst nutzen, einzuschränken. Aber der Aufwand wäre wohl deutlich größer gewesen.

In den britischen Casinos wird es demnächst nicht mehr möglich sein, mit Kreditkarten zu zahlen. Debitkarten werden aber wahrscheinlich weiterhin funktionieren. Doch wie die neue Regelung genau umgesetzt wird, wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Aktuell hat die UK Gambling Commission nur bestätigt, dass das Kreditkarten-Verbot kommen wird. Für die Glücksspiel-Fans, die bislang mit Kreditkarten eingezahlt haben, wird sich dadurch einiges ändern. Allerdings bleibt genügend Zeit, um eine andere Zahlungsmethode auszuwählen. Ohnehin haben längst nahezu alle Casinos viele verschiedene Zahlungsmethoden zur Auswahl. Es ist davon auszugehen, dass schon vor dem Verbot der Kreditkarten in Online Casinos und bei Online-Buchmachern viele Kunden freiwillig umsteigen werden auf andere Zahlungsmethoden. In jedem Fall wird es spannend sein zu sehen, ob der gewünschte Effekt eintritt. Die UK Gambling Commission wird den gesamten Prozess begleiten und Studien und Statistiken anfertigen, um die Auswirkungen des Kreditkarten-Verbots zu dokumentieren.

Kreditkarten-Verbot auch in Deutschland ein Thema?

In Deutschland wird derzeit nicht über ein Kreditkarten-Verbot für Online Casinos debattiert. In der Praxis wäre es auch nicht möglich, Kreditkarten in Online Casinos auszuschließen, da es in Deutschland anders als in Großbritannien keine Lizenzbehörde gibt. Die seriösen Online Casinos in Deutschland arbeiten mit einer EU-Lizenz. Gegebenenfalls müsste dann ein Lizenzgeber wie die Malta Gaming Authority seine Regeln für Zahlungsmethoden ändern. Darauf deutet aktuell aber nicht hin. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass es nicht in Zukunft auch einmal zum Kreditkarten-Verbot in Deutschland kommen könnte. Wenn beispielsweise Deutschland im neuen Glücksspielstaatsvertrag eine Lizenzierung für Online Casinos hat, kann es durchaus sein, dass auch das Kreditkarten-Thema bald diskutiert wird. Aber im Moment ist noch völlig unklar, ob es eine Casino-Lizenz für Online-Anbieter in Deutschland geben wird. Deswegen wäre es auch verfrüht, über ein Kreditkarten-Verbot zu diskutieren. In jedem Fall hätte der deutsche Gesetzgeber mit einer deutschen Casino-Lizenz wesentlich mehr Einfluss auf die Online Casinos in Deutschland als bisher.