Die UK Gambling Commission hat eine spannende Statistik zum Spielerverhalten im August 2020 veröffentlicht. Die britische Glücksspielbehörde untersucht kontinuierlich das Verhalten der Spieler. In der aktuellen Krisensituation ist es besonders wichtig, die Anbieter von Glücksspielen zu kontrollieren, um gegebenenfalls bei ungünstigen Entwicklungen eingreifen zu können.

Neue Statistik als solide Basis für Entscheidungen

UK GamblingDie neue Statistik der UK Gambling Commission umfasst den Zeitraum von März bis August 2020. Warum gerade dieser Zeitraum? Durch die weltweite Gesundheitskrise, die Großbritannien härter getroffen hat als viele andere Länder, hat sich auch die Situation auf dem Glücksspielmarkt deutlich verändert. Zeitweise waren sämtliche Spielhallen und Spielbanken geschlossen. Dadurch ist kurzfristig ein Aufschwung beim Online-Glücksspiel zu verzeichnen gewesen. UK Gambling Commission hat sich nun den Zeitraum angeschaut, in dem die großen Veränderungen stattgefunden haben. Die Zahlen zeigen allerdings, dass die Veränderungen längst nicht so dramatisch waren, wie mitunter von Experten befürchtet worden ist. Zwar hat es Fluktuationen gegeben. Als Spielhallen und Spielbanken sowie sämtliche Sportwettenanbieter die Tore schließen mussten, waren die Online-Anbieter klar im Vorteil. Aber über den gesamten Zeitraum von März bis August gibt es im Durchschnitt erstaunlich wenige Veränderungen beim Spielerverhalten. Das ist ein gutes Zeichen, denn daran wird auch deutlich, dass der Spielerschutz, den die UK Gambling Commission verantwortet, offenbar gut funktioniert. Von März bis August ist der Online-Glücksspielmarkt in Großbritannien um zwei Prozent geschrumpft. Das liegt vor allem daran, dass es bei den Sportwetten einen Einbruch von zwölf Prozent gab. Auch die Anzahl der Kunden ist im Sportwetten-Bereich deutlich gesunken.
Der Sportwetten-Markt war das große Sorgenkind der Online-Anbieter, da es in Großbritannien und fast nirgendwo auf der Welt Sportevents gab im Frühjahr. Deswegen nutzte es auch nicht viel, dass Online-Sportwetten verfügbar waren. Während die Sportwetten eingebrochen sind, sind die Online-Glücksspiele nach oben gegangen. Aber es hat nicht gereicht, um von März bis August die Verluste, die durch die Sportwetten entstanden sind, auszugleichen. Daran wird aber nicht unbedingt deutlich, dass einige Glücksspiel-Fans komplett auf Aktivitäten verzichtet haben in diesem Zeitraum. Vielmehr hat es insgesamt elf Prozent mehr Kunden gegeben, die aber dann insgesamt weniger Umsatz produziert haben als im Vorjahr. Die Nutzung der Online-Slots hat zugenommen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Slots-Sessions, die länger als eine Stunde dauern, sind im Vergleichszeitraum um sieben Prozent angewachsen. Das ist ein eher niedriger Wert, wenn man sich die Rahmenbedingungen anschaut.

Kein Grund für Änderung der Regulierung

Die UK Gambling Commission hat schon früh darauf hingewiesen, dass sie ganz genau hinschauen wird bei den Online-Glücksspielanbietern. Nachdem klar war, dass viele Offline-Angebote zeitweise nicht verfügbar sein würden, hatte es die Befürchtung gegeben, dass das Online-Glücksspiel explodieren könnte. Aber insgesamt ist das nicht passiert. Natürlich wäre es möglich, sich den März und den April anzuschauen, um dann herausragende Zahlen für die Online-Spielotheken zu verzeichnen. Aber das wäre nur bedingt seriös, denn die Analyse des Zeitraums von März bis August ist deutlich realistischer. Die Spieler, die im März und im April in den Online-Spielbanken besonders aktiv waren, haben ihre Aktivitäten nach der Öffnung der Spielhallen und Spielbanken wieder verlagert oder ganz aufgeben. Wenn es einen dauerhaften Trend zu mehr Online-Glücksspiel geben würde, sollte sich das viel deutlicher in den aktuellen Zahlen niederschlagen. Vielmehr deutet vieles darauf hin, dass die Glücksspiel-Fans in Großbritannien sich im Großen und Ganzen sinnvoll und verantwortungsbewusst verhalten haben. Nicht zuletzt haben auch die britischen Glücksspielanbieter, die schon seit Jahren beim Spielerschutz führend sind, frühzeitig die richtigen Weichen gestellt, um ungünstige Entwicklungen zu vermeiden. Dass in Zeiten, in denen Sportwetten nicht oder nur sehr eingeschränkt verfügbar sind, die Online-Glücksspiele florieren, sollte niemanden überraschen. Aber der Effekt ist insgesamt deutlich kleiner gewesen als viele Beobachter anfänglich vermutet haben.

Die wichtigste Erkenntnis aus den aktuellen Daten der UK Gambling Commission ist, dass sich erstaunlich wenig getan hat durch die Gesundheitskrise. Die Rahmenbedingungen waren zwischenzeitlich dramatisch anders als im letzten Jahr. Und trotzdem hat sich nicht plötzlich eine halbe Nation dazu entschieden, in Online-Spielbanken aktiv zu werden. Das wäre auch überraschend, denn warum sollte es einen derartigen Trend geben? Derartige Befürchtungen werden meist von politisch interessierter Seite lanciert. Aber die Realität ist, dass es Glücksspiel-Fans gibt, die in irgendeiner Form immer einen Weg finden, ihrer Leidenschaft nachzugehen. Ob es sich um ein klassisches Sportwettenbüro, eine Beton-Spielbank oder eine Online-Spielbank handelt, ist dann letztlich nur eine Frage des Geschmacks. Aber die Menschen, die sich nicht für Glücksspiel interessieren, ändern ihre Leidenschaft dann auch nicht plötzlich in einer Krise. Insofern sind die Zahlen der UK Gambling Commission vielleicht gar nicht so überraschend, wie es auf den ersten Blick scheinen mag.

Hier mehr die neue Statistik der UK Gambling Commission zum Spielerverhalten lesen (auf Englisch).