Die UK Gambling Commission hat zum ersten Mal überhaupt ein National Strategic Assessment veröffentlicht. Mit der neuen Strategie soll der Spielerschutz in Großbritannien verbessert werden. Zwar gibt es auch jetzt schon zahlreiche Anstrengungen, dieses Ziel zu erreichen. Aber zum ersten Mal gibt es einen übergreifenden Plan für ganz Großbritannien.

Risiken erkennen und gezielt minimieren

UK GamblingDas Thema Spielerschutz ist komplex, insbesondere weil sich der Glücksspielmarkt seit Jahren verändert. Großbritannien war eines der ersten europäischen Länder mit einer nationalen Glücksspielregulierung, die auch Online Casinos umfasste. Aber wenn es um Spielerschutz geht, müssen auch die klassischen Wettbüros, Spielbanken und Spielhallen berücksichtigt werden. Es gibt keine einfachen Lösungen beim Spielerschutz, denn ein komplettes Verbot des Glücksspiels würde nur dazu führen, dass ein unkontrollierter illegaler Markt entstünde. Im Internet konnten das viele europäische Länder in den letzten beiden Jahrzehnten sehr schön verfolgen. Aber es gibt auch das berechtigte Interesse der Problemspieler, die sich nicht unter Kontrolle haben und deswegen Schutz benötigen. Auch der Jugendschutz ist ein wichtiges Thema, das zum Spielerschutz gehört. Eine wichtige Voraussetzung dafür, dass der Spielerschutz insgesamt auf einem hohen Niveau funktioniert, ist die Gestaltung der Angebote. Allerdings gibt es gerade bei den Online-Anbietern das Problem, dass die Angebote nicht beliebig reduziert und eingeschränkt werden können. Wenn der legale Markt nicht attraktiv genug ist, orientieren sich gerade die Problemspieler anderweitig und nutzen Anbieter, die sich nicht um die Regulierung scheren. Das kann keine Lösung sein für verantwortungsbewusste Politiker.

In jeder Gesellschaft muss austariert werden, wie Spielerschutz im Detail umgesetzt wird. Zum einen sollen die Angebote attraktiv werden für die vielen Glücksspiel-Fans, die nie ein Problem entwickeln. Zum anderen muss aber gewährleistet sein, dass Problemspieler sich nicht selbst ruinieren können. Eine wichtige Methode beim Spielerschutz besteht darin, die Problemspieler frühzeitig zu erkennen und dann auszusperren. Das funktioniert weder in Großbritannien noch in irgendeinem anderen Land derzeit optimal. Aber in den letzten Jahren sind neue Technologien entwickelt worden, die vor allem für die Online-Anbieter in Zukunft sehr nützlich sein können. Zudem hat sich gezeigt, dass nationale Sperrlisten für Glücksspielanbieter wertvoll sein können beim Schutz von Problemspielern. Es gibt viele kleine und große Lösungen, um den Spielerschutz zu verbessern. Aber in Großbritannien besteht gerade ein Stück weit die Gefahr, dass der Spielerschutz so heftig verstärkt wird, dass am Ende kein attraktiver Markt mehr übrig bleibt. Das Ergebnis wäre ein regulierter Markt mit vorbildlichem Spielerschutz, der jedoch nur von einem Teil der Marktteilnehmer genutzt würde. Der Rest würde sich auf dem unregulierten Markt umschauen. Auch in Großbritannien sind die Glücksspielgegner bislang Antworten schuldig geblieben, wenn es um die Frage geht, wie der illegale Markt wirkungsvoll bekämpft werden kann. Im Internet ist das eine fast schon unlösbare Aufgabe, ohne gleichzeitig die Vorteile des Internets insgesamt zu beschädigen.

Britische Glücksspielanbieter klar für Spielerschutz

In den letzten Monaten ist sehr deutlich geworden, dass die britischen Glücksspielanbieter nahezu durchweg für einen starken Spielerschutz sind. Zahlreiche Unternehmen haben bereits in Eigenregie Maßnahmen umgesetzt, die weit über die aktuellen gesetzlichen Vorgaben hinausgehen. Teilweise geschieht dies auch, um einer möglicherweise noch strengeren Regulierung zuvorzukommen. Aber generell lässt sich feststellen, dass bei den britischen Glücksspielanbietern das Bewusstsein vorhanden ist, das ohne guten Spielerschutz keine funktionierende Glücksspielbranche in Zukunft möglich sein wird. Die Glücksspielindustrie ist gut beraten, sinnvolle Lösungen vorzuschlagen und umzusetzen, bevor der Gesetzgeber am Ende den bislang gut funktionierenden Markt erheblich beeinträchtigt. Das könnte zum Beispiel geschehen, wenn das derzeit diskutierte Verlustlimit von 100 Euro pro Monat eingeführt wird. Mit diesem Verlustlimit könnten die meisten Glücksspielanbieter in Großbritannien nur schlecht leben. Der Hauptgrund dafür: Es gibt High Roller, die vierstellige oder fünfstellige Summen setzen und dementsprechend auch gelegentlich verlieren. Ohne diese High Roller dürfte es für viele Glücksspielanbieter schwer werden, profitabel zu arbeiten.

Der Bedarf nach Glücksspiel ist hoch. Deswegen ist es empfehlenswert und sinnvoll, jenseits aller moralischen Fragestellungen dafür zu sorgen, dass ein gut kontrollierter Markt vorhanden ist. Ein legalisierter Glücksspielmarkt ist in jedem Fall besser als der Wildwuchs, der nach wie vor in vielen Ländern beim Online-Glücksspiel zu beobachten ist. Deutschland ist gerade dabei eine umfassende Glücksspielregulierung einzuführen, die auch das Online-Glücksspiel nahezu vollständig erfasst. Das ist ein großer Fortschritt. Allerdings muss sich auch in Deutschland noch zeigen, ob die neue Glücksspielregulierung beim Spielerschutz nicht vielleicht ein paar Schritte zu weit geht. Auch in Deutschland wird am Ende entscheidend sein, ob die Kanalisierung, das heißt die Erfassung des existierenden Marktes, gut gelingt. Ein wichtiger Baustein in Deutschland und auch in Großbritannien wird dabei sein, dass die Bekämpfung der Anbieter ohne Lizenz gut funktioniert. Ansonsten werden sich die Glücksspiel-Fans, die nicht mit der Regulierung zufrieden sind, bei den Anbietern außerhalb der Regulierung vergnügen.

Hier mehr über das erste National Strategic Assessment der UK Gambling Commission lesen (auf Englisch).