Die UK Gambling Commission hat bekannt gegeben, dass sich die Regeln für Online Casinos und andere Glücksspielanbieter ab dem 31. Oktober 2020 ändern werden. In erster Linie geht es darum, die Regulierung und Lizenzierung zu vereinfachen. Aber es sind auch ein paar Verschärfungen beschlossen worden, die dafür sorgen sollen, dass der Spielerschutz besser wird. In Großbritannien ist in den letzten Monaten viel diskutiert worden über die Regulierung der Online Casinos. Es gibt einige Befürworter einer strengeren Regulierung, aber es gibt auch viele Glücksspiel-Experten, die sich dafür aussprechen, die bestehende Regulierung vor allem in den Details zu verbessern. Die UK Gambling Commission hat nun bekannt gegeben, dass zum 31. Oktober 2020 insgesamt 22 Änderungen am Licence Conditions and Codes of Practice (LCCP) gültig werden.

UK Gambling Commission beschließt 22 Änderungen

UK Gambling CommissionDiese Änderungen sind zum Teil auch für die Casino-Betreiber relevant. In erster Linie dienen die neuen Lizenzregeln aber nicht dazu, den Spielerschutz dramatisch zu verändern oder die Glücksspielangebote zu beeinflussen. Vielmehr soll die gesamte Regulierung deutlich vereinfacht werden. Vor allem soll erreicht werden, dass die britische Glücksspielbehörde weniger Aufwand hat, um sich den wichtigen Themen wie dem Spielerschutz widmen zu können. Nicht nur in Großbritannien hat sich in den letzten Jahren bei der Regulierung des Online-Glücksspiels gezeigt, dass die Behörden immer wieder neu die Regeln justieren müssen, um sich an die veränderten Bedingungen anzupassen. Das hat zum Teil aber auch dazu geführt, dass viele Regeln doppelt und dreifach geprüft worden sind. Mit dem neuen Vorstoß zur Änderung des Licence Conditions and Codes of Practice (LCCP) möchte die Glücksspielbehörde eine Vereinfachung des gesamten Regelwerks erreichen, ohne dass unter dem Strich die Qualität der Regulierung verändert wird. Das ist eine sinnvolle Maßnahme, die auch von der Glücksspielbranche insgesamt befürwortet wird.

In einigen Punkten kommt es auch zu Verschärfungen. Unter anderem müssen zum Beispiel die Anbieter von Lotterien transparenter arbeiten in Zukunft. Auch bei der Umsetzung des Schutzes vor Geldwäsche wird es einige Verbesserungen geben. Der Aufwand für die Glücksspielanbieter, die eine britische Lizenz haben, wird sich jedoch aller Voraussicht nach in Grenzen halten. Jeder Casino-Betreiber wird sich allerdings ganz genau anschauen, inwiefern die neuen Regeln zu einer Veränderung führen werden. Vielleicht muss die eine oder andere kleine Anpassung gemacht werden. Aber die ganz großen Umbrüche werden mit der angekündigten Veränderung der Licence Conditions and Codes of Practice (LCCP) nicht umgesetzt. Es kann jedoch sein, dass schon in den nächsten Monaten eine viel größere Änderung auf die Glücksspielanbieter in Großbritannien zukommen wird. Derzeit setzt sich eine Parlamentarier-Gruppe dafür ein, das Glücksspiel deutlich schärfer zu regulieren. Vor allem die Online Casinos sind in das Visier vieler Politiker geraten. Es ist derzeit schwer einzuschätzen, ob die Parlamentarier-Gruppe Erfolg haben wird mit ihrem Vorstoß. Aber es könnte durchaus passieren, dass sich die Casinos mit britischer Lizenz demnächst auf wesentlich strengere Regeln einstellen müssen. Das wäre dann ein echtes Problem. Die 22 Änderungen, die aktuell angekündigt worden sind, werden das Geschäftsmodell hingegen nicht verändern.

Besserer Schutz gegen Geldwäsche angestrebt

Ein wichtiges Thema für alle Glücksspielbehörden ist der Schutz gegen Geldwäsche. Viele Casino-Betreiber setzen schon aus Eigenschutz seit vielen Jahren umfangreiche Maßnahmen gegen Geldwäsche um. Einige Änderungen, die am 31. Oktober 2020 in Kraft treten, sind dazu gedacht, dem Schutz gegen Geldwäsche zu verbessern. Schon beim leisesten Verdacht sind die Glücksspielanbieter in Zukunft dazu verpflichtet, eine Meldung an die UK Gambling Commission zu machen. Das ist im Grundsatz richtig, denn Geldwäsche ist nicht nur ein großes finanzielles Problem. Auch das Image der Anbieter ist vor allem in der Anfangszeit des Online-Glücksspiels immer wieder durch Geldwäsche-Vorwürfe beeinträchtigt worden. Mittlerweile ist es in der Praxis aber so gut wie unmöglich, Geldwäsche in Online Casinos zu betreiben. Alle seriösen Online Casinos verlangen zum Beispiel von ihren Kunden eine umfassende Identifizierung, wenn größere Beträge ausgezahlt werden sollen. Früher war die Situation ein bisschen anders und deswegen war es für Kriminelle deutlich leichter, Online Casinos für unlautere Absichten zu missbrauchen. Doch es ist in jedem Fall richtig, dass die UK Gambling Commission an dieser Stelle die Regeln noch einmal verschärft, um von vornherein auszuschließen, dass auch nur ein kleines Problem an dieser Stelle entstehen kann. Grundsätzlich wird es nie möglich sein, kriminelle Handlungen komplett zu verhindern. Aber es ist wichtig, alle verfügbaren Erkenntnisse und Erfahrungen zu nutzen, um die bestmöglichen Regeln zum Schutz vor Geldwäsche und anderen kriminellen Aktivitäten umzusetzen. Nicht nur in dieser Hinsicht hat sich die UK Gambling Commission in den letzten Jahren einige Meriten erworben.

Die Online Casinos sind deutlich professionalisiert worden im Laufe des letzten Jahrzehnts. In der Anfangszeit waren Online-Glücksspiele noch so etwas wie der Wilde Westen des Internets. Jeder Glücksjäger hatte die Möglichkeit, ohne Regeln und Vorgaben Online Casinos zur Verfügung zu stellen. Es hat eine Weile gedauert, bis eine umfassende Regulierung stattgefunden hat. Doch mittlerweile lässt sich nachweisen, dass nicht nur in Großbritannien die Regulierung des Online-Glücksspiels ein hohes Niveau erreicht hat. Durch die Malta Gaming Authority und noch einige andere Glücksspielbehörden in Europa ist das Niveau insgesamt sehr hoch. Die Glücksspielbehörden kooperieren miteinander, um schwarze Schafe frühzeitig zu erkennen und auszusortieren. Darüber hinaus sind die Lizenzbedingungen bei den seriösen Glücksspielbehörden mittlerweile so anspruchsvoll, dass nur ein sehr gut aufgestelltes Unternehmen überhaupt eine Chance hat, eine Lizenz für Online Casinos zu bekommen. In der Regel muss zum Beispiel ein Unternehmen einer Glücksspielbehörde detailliert belegen, welche Personen hinter dem Unternehmen stehen. Damit soll verhindert werden, dass zwielichtige Gestalten vom Online-Glücksspiel profitieren. Es sind viele Fortschritte gemacht worden im Bereich der Lizenzierung des Online-Glücksspiels, auch weil der Markt insgesamt größer geworden ist. Die großen Glücksspielanbieter sind nicht nur in Großbritannien mittlerweile börsennotierte Konzerne. Interessanterweise hat sich das Online-Glücksspiel in einer ähnlichen Weise entwickelt wie Las Vegas, auch wenn der Vergleich vielleicht nicht in jedem Detail stimmt. Aber auch in Las Vegas waren in der Anfangszeit viele zwielichtige Kriminelle an den Casinos beteiligt, bevor dann die großen Konzerne das Geschäft übernahmen.

Kann deutsche Glücksspielbehörde von UK Gambling Commission lernen?

Noch gibt es keine deutsche Glücksspielbehörde. Aber wenn der neue Glücksspielstaatsvertrag von den Bundesländern ratifiziert wird, können sich die Glücksspiel-Fans in Deutschland schon bald an die deutsche Glücksspielbehörde in Magdeburg wenden. Sachsen-Anhalt hat den Zuschlag für die neue Glücksspielbehörde bekommen, die demnächst unter anderem auch die Online Casinos regulieren soll. Der Glücksspielstaatsvertrag ist die Basis für die Regulierung des Online-Glücksspiels in Deutschland. Bei der Ausarbeitung des Glücksspielstaatsvertrags haben sich die zuständigen Landespolitiker nicht davon irritieren lassen, dass Länder wie Großbritannien, Malta oder auch Schweden schon deutlich mehr Erfahrung mit der Regulierung von Online-Glücksspiel haben. Vielmehr sind Regeln eingeführt worden, die mehr oder weniger aus der Luft gegriffen worden sind. Dabei wäre es sehr leicht gewesen, bei der UK Gambling Commission nachzufragen, wie die Regulierung des Online-Glücksspiels am besten funktioniert. Immerhin hat die UK Gambling Commission schon viele Jahre Erfahrung, denn in Großbritannien waren Online Casinos schon sehr früh zulässig. Auch die Malta Gaming Authority wäre eine gute Adresse, um einen Erfahrungsaustausch zu initiieren. Immerhin lizenziert Malta zahlreiche Top-Casinos in Europa. Vielleicht muss die deutsche Glücksspielbehörde aber erst die Erfahrung machen, wie schwierig es ist, das Online-Glücksspiel effizient und zuverlässig zu regulieren, bevor ein Erfahrungsaustausch angestrebt wird.

In Deutschland gibt es viele Glücksspiel-Fans, die regelmäßig in Online Casinos spielen, die von der UK Gambling Commission oder der Malta Gaming Authority reguliert werden. Diese Casinos müssen sich an strenge Vorgaben halten und die Glücksspielbehörden helfen den Casino-Kunden, wenn einmal ein Problem entstehen sollte. Im Grundsatz klingt das alles sehr einfach, aber sowohl die UK Gambling Commission als auch die Malta Gaming Authority haben in den letzten Jahren immer wieder die Lizenzierungsregeln verändert. Das war nötig, weil sich das Online-Glücksspiel kontinuierlich verändert. Es wird interessant sein zu sehen, wie der deutsche Glücksspielstaatsvertrag, der immer für mehrere Jahre gilt, für den sehr volatilen Glücksspielmarkt im Internet geeignet ist. Sollte der Glücksspielstaatsvertrag in der beschlossenen Form ratifiziert und umgesetzt werden, steht den Casino-Betreibern in Deutschland eine sehr strenge Regulierung bevor. Ob diese strenge Regulierung zu einem Erfolg wird, wird einzig und allein davon abhängen, ob die Glücksspiel-Fans in Deutschland ausschließlich oder zumindest überwiegend die regulierten Online Casinos nutzen. Wenn viele Casino-Fans sich hingegen für Anbieter entscheiden, die in anderen Ländern lizenziert sind, würde die deutsche Glücksspiel-Regulierung scheitern. Vielleicht wäre doch eine gute Idee, einmal in andere Länder zu schauen. Beim Online-Glücksspiel könnte Deutschland von Ländern wie Großbritannien, Malta und Schweden einiges lernen und viele unnötige Fehler vermeiden.