Die UK Gambling Commission hat ihren Business-Plan für das Geschäftsjahr 2020/21 in den Nachrichten veröffentlicht. Angesichts der dramatischen Ereignisse durch die Gesundheitskrise hat der Business-Plan bislang nicht die Aufmerksamkeit bekommen, die er verdient. Die britische Glücksspielbehörde berichtet im aktuellen Business-Plan von erreichten Zielen und anstehenden Maßnahmen, unter anderem auch in Online Casinos.

UK Gambling Commission setzt auf Spielerschutz

UK Gambling ComissionEs ist keine Überraschung, dass die britische Glücksspielbehörde den Spielerschutz in den Mittelpunkt aller Maßnahmen stellt. In der aktuellen Gesundheitskrise bekommt der Begriff Spielerschutz noch einmal eine ganz andere Bedeutung. Aber generell ist damit gemeint, dass die Glücksspielindustrie dafür sorgen muss, dass die angebotenen Spiele und Sportwetten fair und verantwortungsbewusst angeboten werden. In den letzten Jahren hat die UK Gambling Commission einiges erreicht, um den Spielerschutz zu verbessern. Unter anderem ist es gelungen, die Altersverifizierung bei den Glücksspielanbietern mit Lizenz deutlich zu verbessern. Unter anderem müssen sich die Kunden in britischen Casinos seit 2018 mit einem Personalausweis oder einem vergleichbaren Dokument identifizieren. Auch für deutsche Glücksspiel-Fans ist das mittlerweile Standard, denn Casino-Betreiber haben ein großes Interesse daran, ausschließlich Erwachsene für die Nutzung der Spiele zuzulassen. Die Verifizierung über einen Personalausweis ist eine bewährte und sichere Methode, um das Alter zu überprüfen. Aber die UK Gambling Commission hat auch noch viele andere Dinge beim Spielerschutz erreicht, die zum Vorbild für andere Glücksspielbehörden werden könnten.

Erst vor kurzem ist es der UK Gambling Commission gelungen, ein Kreditkarten-Verbot für Online-Glücksspielanbieter durchzusetzen. Beim Kreditkarten-Verbot geht es tatsächlich um echte Kreditkarten, die es dem Kunden ermöglichen, über das verfügbare Guthaben hinaus Einzahlungen in einem Casino oder beim Buchmacher zu machen. Es gibt gute Gründe, Kreditkarten nicht zuzulassen. Allerdings gibt es auch Politiker, die sich gegen dieses Verbot gewehrt haben. Die Begründung: Wenn eine Bank einen Kunden einen Kreditrahmen einräumt, sollte der Staat nicht eingreifen. Letztlich sollte die Eigenverantwortlichkeit der Glücksspiel-Fans mehr zählen als die Wünsche des Gesetzgebers. Aber in Großbritannien war das eine Minderheitsmeinung, sodass Kreditkarten in Zukunft nicht mehr von britischen Glücksspiel-Fans genutzt werden können. Letztlich wird das keinen großen Unterschied machen, denn die meisten Menschen haben ohnehin keine echten Kreditkarten, senden Debitkarte. Bei Debitkarten ist es nicht möglich, über den vorhandenen Kontostand hinaus Einzahlungen zu machen. Zudem gibt es viele andere Zahlungsmethoden für Online-Glücksspiele von der Paysafecard bis hin zu Skrill und Neteller.

VIP-Programme der Online-Glücksspielanbieter im Fokus

Einer der nächsten Programmpunkte der UK Gambling Commission ist die bessere Regulierung der VIP-Programme. Schon seit einiger Zeit diskutieren Glücksspiel-Experten darüber, ob es sinnvoll sein könnte, die Treueprogramme in Online Casinos und bei Online-Buchmachern einzuschränken. Unter anderem ist es vorstellbar, dass die Altersgrenze für die Teilnahme an VIP-Programme nach oben gesetzt wird. Aber auch andere Regulierungsmöglichkeiten sind denkbar, zum Beispiel die Beschränkung des Vorteils, der mit einem solchen Treueprogramm einhergeht. Die Grundidee hinter der Regulierung der VIP-Programme lautet: Die UK Gambling Commission möchte den Wunsch, regelmäßig zu spielen oder Sportwetten zu platzieren, nicht zusätzlich anheizen. Aber genau das ist der Sinn von VIP-Programmen. Auf der anderen Seite gibt es in vielen anderen Branchen auch Treueprogramme für Kunden, die regelmäßig aktiv sind. Derzeit ist allerdings auch nicht geplant, die VIP-Programme komplett zu streichen. Doch es ist damit zu rechnen, dass in den nächsten Monaten strengere Regeln für Treueprogramme kommen werden. Vielleicht wird die UK Gambling Commission dieses Thema aber auch angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage etwas nach hinten schieben. Derzeit gibt es keine Anzeichen dafür, aber auch für die Glücksspielindustrie in Großbritannien kann sich die gesamte Situation in den nächsten Wochen und Monaten bei einem ungünstigen Verlauf noch deutlich verschärfen. Dann könnte es sein, dass es irgendwann nur noch darum geht, möglichst viele Unternehmen und Konzerne zu retten.

Spezielle Kommission soll Kunden Gehör verschaffen

Ein grundsätzliches Problem bei der britischen Glücksspiel-Regulierung, aber auch bei der Glücksspiel-Regulierung in vielen anderen Ländern ist, dass meistens über Glücksspiel-Fans gesprochen wird, aber nicht mit Glücksspiel-Fans. In Großbritannien soll sich das ein Stück weit ändern durch eine besondere Kommission, die den Namen „Experts by Experience Board“ tragen wird. In dieser Kommission werden erfahrene Glücksspiel-Fans sitzen, die aus verschiedenen Perspektiven die geplanten Regulierungen und die bestehenden Regulierungen bewerten sollen. Für die UK Gambling Commission könnte diese neue Kommission sehr wertvoll werden, da aus erster Hand berichtet wird, was beim Spielerschutz wirkt und was eher Symbolpolitik ist. Vielleicht sollte der Leiter der deutschen Glücksspielbehörde, die in den nächsten Monaten im Bundesland Sachsen-Anhalt entstehen wird, auch darüber nachdenken, von Anfang an eine Kommission einzurichten, in der echte Glücksspiel-Fans sitzen, die viel Erfahrung haben. Damit könnte vielleicht die eine oder andere schlecht zielende Regulierung von Anfang an verbessert werden. Es ist erstaunlich, dass die Glücksspiel-Fans nur selten zu Wort kommen, wenn es um Glücksspiel-Regulierung geht. Meist gibt es Politiker, Wissenschaftler und Lobbyisten in den Diskussionsrunden. Aber die echten Glücksspiel-Fans haben nur selten eine Stimme.

Große Herausforderungen durch Gesundheitskrise

UK Gambling Commission weist in ihrem aktuellen Business-Plan 2020/21 darauf hin, dass das aktuelle Geschäftsjahr von der weltweiten Gesundheitskrise geprägt ist. Besonders hart getroffen ist Großbritannien, sodass die Auswirkungen auf die Glücksspielindustrie entsprechend umfassend sind. Arg getroffen sind derzeit die Sportwettenanbieter und die landbasierten Casinos und Spielhallen. Die UK Gambling Commission wird sich sehr genau überlegen müssen, welche Maßnahmen in naher Zukunft umgesetzt werden. Die Vertreter der Glücksspielindustrie drängen darauf, keine zusätzlichen Belastungen vorzugeben durch neue Regulierungen. Viele Unternehmen sind im Moment bereits am Limit und es kann gut sein, dass es auch in der Glücksspielindustrie in Großbritannien der eine oder andere Pleite geben wird. In den letzten Jahren hat die britische Glücksspielindustrie immer wieder nachgewiesen, dass sie ein großes Interesse daran hat, einen vernünftigen Spielerschutz umzusetzen. Aber alle Maßnahmen, die mit einem hohen finanziellen oder personellen Aufwand verbunden sind, sollten im Moment vielleicht ein wenig in die Zukunft verschoben werden, um die Industrie insgesamt zu retten.

Der aktuelle Business-Plan belegt, dass die UK Gambling Commission die Problematik sieht und trotzdem ein großes Interesse daran hat, den Spielerschutz weiter zu verbessern. Es könnte zu einem großen Balanceakt werden, neue Spielerschutz-Maßnahmen umzusetzen, ohne gleichzeitig neue Belastungen für die Industrie zu schaffen. Die britischen Casino-Betreiber und Sportwettenanbieter stehen vor der größten Herausforderung in ihrer Geschichte. Die noch vor wenigen Monaten florierende Glücksspielbranche kämpft im Moment ums Überleben. Die Situation es bei den großen Konzernen deutlich besser als bei den kleinen Unternehmen. Aber für alle Player auf dem britischen Glücksspielmarkt gilt, dass die finanziellen Belastungen schon jetzt enorm hoch sind. In vielen anderen Branchen wird derzeit über Steuervergünstigungen und andere Vorteile gesprochen, um wirkungsvoll zu verhindern, dass es zu einer großen Pleitewelle kommt. Vielleicht sollte die UK Gambling Commission derzeit auch mehr über wirtschaftliche Effekte diskutieren als über weitere Verbesserungen am Spielerschutz. Damit kein Missverständnis entsteht: Der Spielerschutz ist ein zentrales Thema für eine erfolgreiche Glücksspielindustrie, nicht nur in Großbritannien. Aber ein Glücksspielanbieter, der Insolvenz anmelden muss, kann sich nicht mehr um den Spielerschutz kümmern. Zudem ist der Spielerschutz in Großbritannien schon jetzt auf einem sehr beachtlichen Niveau.