Neil McArthur, der Boss der UK Gambling Commission, hat die Glücksspielindustrie dazu aufgefordert, Problemspieler nicht aus den Augen zu verlieren. Grundsätzlich ist es richtig und wichtig, dass eine Glücksspielbehörde dieses Thema weit oben auf der Prioritätenliste hat. Aber die britische Glücksspielbranche ist alles andere als untätig beim Spielerschutz.

Spielerschutz ist am Ende auch Kundenschutz

UK Gambling CommissionFür Neil McArthur ist Spielerschutz das zentrale Thema der Glücksspielindustrie, wenn es um Zukunftsfähigkeit geht. Auch wenn die Statistiken etwas umstritten sind, ist es doch nicht verkehrt davon auszugehen, dass etwa ein Prozent der Glücksspiel-Fans früher oder später in Großbritannien einmal ein kleines und ein großes Problem entwickelt. Die Einzelfälle können sehr unterschiedlich sein, aber völlig klar ist, dass kein Unternehmen der Glücksspielbranche die grundsätzliche Thematik Spielerschutz aus den Augen verlieren darf. Das geschieht aber auch nicht, denn zum einen gibt es strenge gesetzliche Vorgaben. Zum anderen hat die Glücksspielindustrie speziell in Großbritannien schon lange verstanden, dass Spielerschutz am Ende auch Kundenschutz ist. Was bedeutet das konkret? Neil McArthur hat in einer aktuellen Rede darauf hingewiesen, dass die Glücksspielindustrie gut beraten ist, jeden Problemspieler als langfristig verlorenen Kunden zu sehen. Aber es geht noch weiter: Wenn die ganz normalen Glücksspiel-Fans, die nie ein Problem entwickeln, mitbekommen, dass ein Glücksspielanbieter sich nicht vernünftig um die Kunden kümmert, die ein Problem haben, ist das schlecht für das Image und auch schlecht für die wirtschaftliche Entwicklung. Aufgeklärte Glücksspiel-Fans entscheiden sich nach Einschätzung von Neil McArthur schon jetzt überwiegend für Anbieter, die großen Wert auf Spielerschutz und Kundenschutz legen. Genau so muss es in einer gut organisierten modernen Glücksspielindustrie allerdings auch sein. Die langfristigen Aussichten der Glücksspielbranche hängen nicht zuletzt davon ab, dass eine vernünftige Regulierung stattfindet. Das wird aber in der Praxis nur der Fall sein, wenn das Problem mit dem Problemspieler besser gelöst wird.

In den letzten Jahren hat sich vieles getan beim Spielerschutz. Aber nach wie vor gelingt es nicht optimal, die Spieler, die Probleme bekommen, frühzeitig zu erkennen. In Online Casinos ist das ungleich schwerer als im stationären Geschäft, da keine permanente Beobachtung stattfindet. Aber gerade an dieser Stelle muss die Glücksspielindustrie sich deutlich bewegen und entweder mehr Geld investieren in Personal oder aber in neue Technologien, um die Anzahl der Problemspieler, die einen großen Schaden erleiden, deutlich zu reduzieren. Im Idealfall wird ein Problemspieler entdeckt, bevor ein nennenswerter wirtschaftlicher Schaden entstanden ist. In der Vergangenheit ist das jedoch nicht immer gelungen, sodass mitunter auch Fälle in den Medien gelandet sind, die kein gutes Licht auf die britische Glücksspielindustrie geworfen haben. Aber das Problem ist erkannt worden und es gibt auch Lösungsmodelle. Beispielsweise glauben viele Vertreter der Glücksspielindustrie, dass mit Künstlicher Intelligenz bzw. Machine Learning die Identifikation von Spielern mit problematischen Verhaltensmustern in Zukunft deutlich einfacher wird. Aber bis es so weit ist, wäre es vielleicht nicht die schlechteste Idee, deutlich mehr Zeit aufzuwenden bei der Kontrolle der Spieler. Jede Verschärfung der Glücksspielregulierung wird mit der Notwendigkeit, die Spielerschutz zu verbessern, gerechtfertigt. Aber wenn die Glücksspielindustrie nachweisen könnte, dass praktisch keine Probleme entstehen, gäbe es auch keine Basis für eine extrem strenge Regulierung.

Zu strenge Glücksspielregulierung schlecht für Spielerschutz und Anbieter

Nicht nur für Neil McArthur führt kein Weg an einem besseren Spielerschutz vorbei. Der Spielerschutz kann aber nur von den Anbietern mit Lizenz in Großbritannien umgesetzt werden. Aus Sicht von Neil McArthur und den meisten Experten in der Glücksspielbranche ist es kein sinnvoller Weg, die Glücksspielregulierung immer strenger zu machen. Andernfalls würden gerade die Spieler, die zu Problemen tendieren, nur die Anbieter verlassen, die eine Lizenz haben. Das bedeutet jedoch nicht, dass diese Spieler dann nicht mehr aktiv wären. Vielmehr gibt es nach wie vor auch in Großbritannien eine große Auswahl an Anbietern ohne Lizenz, die sich über jeden britischen Kunden freuen. Das ist ärgerlich, lässt sich in der Praxis aber wohl nicht vermeiden. Deswegen ist es wichtig, dass die Glücksspielregulierung ein gesundes Maß hat. Damit das aber in der Praxis ausreicht, um einen erstklassigen Spielerschutz zu gewährleisten, müssen die Glücksspielanbieter dafür sorgen, dass die potenziellen Problemspieler keine Probleme bekommen.

Was einfach klingt, ist in der Praxis eine sehr komplexe Aufgabe. Aber die Glücksspielindustrie macht große Umsätze und ist deswegen gut beraten, einen erheblichen Teil des Geldes in die Entwicklung des Spielerschutzes zu investieren. In den letzten Jahren ist das zwar zum Teil schon passiert, aber nach wie vor ist laut Neil McArthur viel Luft nach oben vorhanden. Im Moment diskutieren britische Politiker darüber, die Glücksspielregulierung für Online-Spielbanken erheblich zu verschärfen. Das wäre dann zum Nachteil der Glücksspielanbieter und der Glücksspiel-Fans. Vor allem würde aber der Spielerschutz auf der Strecke bleiben, auch wenn die Absicht natürlich eine andere ist. Letztlich gilt nicht nur Großbritannien: Die Glücksspielindustrie muss langfristig selbst dafür sorgen, dass eine gesunde Geschäftsgrundlage auf der Basis eines erstklassigen Spielerschutzes vorhanden ist.

Hier mehr über die aktuelle Rede von Neil McArthur, dem Boss der UK Gambling Commission, lesen (auf Englisch).