Für Glücksspielanbieter wie Tipico ist die geplante neue Glücksspiel-Regulierung eine ganz besondere Sache. Ab Mitte 2021 wird es in Deutschland möglich sein, mit einer nationalen Lizenz Sportwetten, Online Casinos und Poker im Internet anzubieten. In einem aktuellen Interview mit Tipico-Vertretern kommt zum Ausdruck, dass die Glücksspielbranche die neue Regulierung grundsätzlich positiv, im Detail aber doch sehr skeptisch betrachtet.

Glücksspielanbieter begrüßen zuverlässige Regulierung

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Photography - Keith Darmanin #KitzKlikz

Für Tipico und die meisten anderen Glücksspielanbieter, die auf dem deutschen Markt unterwegs sind, ist es ein positives Signal, dass sich die 16 deutschen Bundesländer dazu entschieden haben, eine umfassende Glücksspiel-Regulierung durchzuführen. Dadurch wird zum ersten Mal überhaupt ein umfassendes rechtliches Korsett für Glücksspiele im Internet in Deutschland geschaffen. Tipico weist jedoch darauf hin, dass die endgültige Bewertung der neuen Regulierung davon abhängt, wie die konkrete Umsetzung stattfinden wird. Der Anwalt Dr. Markus Körner weist im aktuellen Interview darauf hin, dass einige der vorgeschlagenen Restriktionen durchaus sinnvoll seien. Zudem sei es in jedem Fall ein Fortschritt, dass ein klarer rechtlicher Rahmen geschaffen würde. Allerdings seien einige Restriktionen, die in der neuen Glücksspiel-Regulierung vorgesehen sein, durchaus problematisch für die Anbieter. Dr. Markus Körner glaubt, dass vor allem das Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat die meisten Glücksspielanbieter nicht zufriedenstellen wird. In Deutschland soll es ab Mitte 2021 nicht mehr möglich sein, mehr als 1.000 Euro pro Monat bei legalen Anbietern einzuzahlen. Diese Regelung soll für alle Angebote übergreifend gelten, nicht für jedes einzelne Casino.

Ein großes Problem der neuen Glücksspiel-Regulierung könnte beim Datenschutz lauern. Damit ein Einzahlungslimit in Höhe von 1.000 Euro kontrolliert werden kann, müsste an zentraler Stelle jede Transaktion vermerkt werden. Genau das ist auch vorgesehen, denn die neue zentrale Glücksspielbehörde, die demnächst geschaffen werden soll, wird unter anderem die Aufgabe haben, die Einhaltung des monatlichen Einzahlungslimits zu kontrollieren. Das geht aber nur mit einer riesigen Datenbank, in der alle Kunden von Buchmachern, Casinos und Pokeranbietern mit sämtlichen Einzahlungen aufgezeichnet werden. Das alles muss auch noch möglichst in Echtzeit geschehen, denn ansonsten wäre es in der Praxis wahrscheinlich sehr leicht, das Einzahlungslimit zu überschreiten. Das Einzahlungslimit mag in der Theorie ein bedenkenswerter Vorschlag sein, aber durch die riesige Datensammlung wird das Einzahlungslimit in der Praxis zu einer Datenkrake. Es ist davon auszugehen, dass eine Umsetzung dieses Plans dazu führen wird, dass diverse Klagen stattfinden werden. Dann wäre es interessant zu sehen, wie die Gerichte darüber urteilen, dass der Staat für den Spielerschutz dazu bereit ist, sämtliche Kunden bei Glücksspielanbietern gläsern zu machen. Aber so weit ist es noch nicht. Noch gibt es auch die Chance, dass das Einzahlungslimit nicht in der aktuell vorgesehenen Form kommen wird.

Letztes Update am 10.09.2020
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Glücksspiel-Steuer könnte großes Problem werden

Für Rainer Lauffs, den COO der Veltyco Group, könnte die geplante Steuer für Online-Glücksspiele zu einem großen Problem für den gesamten Markt werden. Noch ist nicht offiziell bekannt, wie hoch die Steuer sein soll und was genau besteuert werden wird. Bei den Sportwetten ist es zum Beispiel aktuell so, dass der Staat fünf Prozent Wettsteuer vom Einsatz kassiert. Aber zuletzt gab es Gerüchte, dass eine Steuer in Höhe von 30 Prozent verlangt werden könnte. Wenn eine Steuer in dieser Höhe kommen würde, zum Beispiel auf die Einsätze in Online Casinos, würde das fast zwangsläufig dazu führen, dass sehr viele Anbieter dem regulierten deutschen Markt gar nicht betreten oder schnell wieder verlassen würden. Erfahrungen aus anderen Jurisdiktionen zeigen, dass eine zu hohe Glücksspiel-Steuer den unerwünschten Effekt hat, dass viele Anbieter den legalen Markt meiden und lieber im grauen oder schwarzen Markt unterwegs sind. Genau das soll aber durch eine umfassende Glücksspiel-Regulierung ab Mitte 2021 in Deutschland verhindert werden. Die Gewinnspanne ist weder bei Sportwetten noch bei Casino-Spielen besonders hoch, sodass eine hohe Steuer schnell dazu führen kann, dass es schwierig bis unmöglich wird, wirtschaftlich zu arbeiten.

Die meisten Casino-Spiele haben eine Auszahlungsquote deutlich über 90 Prozent. Für Spielautomaten ist es zum Beispiel mittlerweile völlig normal, dass die Auszahlungsquote bei 96 Prozent oder mehr liegt. Es liegt auf der Hand, dass bei einer derart hohen Auszahlungsquote eine Steuer von 30 Prozent auf jeden Einsatz für die meisten Anbieter wirtschaftlich nicht umsetzbar wäre. Aber selbst eine Steuer von 30 Prozent auf den Unternehmensgewinn wäre problematisch, zumal die meisten Glücksspielanbieter im Netz in vielen unterschiedlichen Jurisdiktion unterwegs sind. Mit der Wettsteuer in Höhe von 5 Prozent hat Deutschland einen Weg gefunden, die Sportwetten so zu besteuern, dass der Markt insgesamt nicht beschädigt wird. Die Wettsteuer könnte vielleicht auch zu einem Vorbild für den Casino-Markt und den Poker-Markt werden. In jedem Fall sollten die Bundesländer daran interessiert sein, den Glücksspielmarkt so zu regulieren, dass am Ende nicht ein großer Teil der Angebote vom legalen Markt verschwindet. Die Angebote würden dann aber wahrscheinlich nicht komplett aus der Reichweite der deutschen Glücksspiel-Fans verschwinden, sondern auch weiterhin größtenteils verfügbar sein. Das wäre nicht im Sinne des Gesetzgebers.

Bei Tipico demnächst mehr Casino-Spiele und Poker?

Für Tipico könnte sich durch die neue Regulierung einiges ändern. Bislang ist der Anbieter vor allem für das riesige Sportwetten-Angebot bekannt. Aber da es in Zukunft möglich sein wird, in Deutschland auch Casino-Spiele und Poker mit deutscher Regulierung anzubieten, könnte es gut sein, dass Tipico auch diese beiden Felder bedient. Allerdings ist das noch Zukunftsmusik, denn bislang ist noch nicht klar, wie die Regulierung im Detail aussehen wird. Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, könnte Tipico demnächst den kompletten Glücksspielbereich in Deutschland abdecken. Die nötigen Voraussetzungen dafür wären in jedem Fall vorhanden, da Tipico in anderen Ländern wesentlich mehr als nur Sportwetten zur Verfügung stellt. Allerdings ist das Sportwetten-Geschäft für Tipico die Hauptsache. Alles andere wird entschieden, wenn die Glücksspiel-Regulierung endgültig beschlossen ist. Ähnlich werden wahrscheinlich auch die meisten anderen Sportwettenanbieter auf dem deutschen Markt agieren. Es gibt viele Buchmacher, die seit Jahren zusätzlich auch noch Casino-Spiele und zum Teil auch Poker anbieten. Wenn eine vernünftige Glücksspiel-Regulierung umgesetzt wird, kann es gut sein, dass das Angebot für deutsche Glücksspiel-Fans in Zukunft deutlich vielfältiger wird.

Im aktuellen Interview weist Tipico darauf hin, dass einige der geplanten Vorschriften in der neuen Glücksspiel-Regulierung juristisch anfechtbar seien. Das ist ein sehr wichtiges Detail, denn wenn die Glücksspiel-Regulierung nicht rechtssicher umgesetzt wird, kann es gut sein, dass demnächst die deutschen Gerichte dafür sorgen müssen, dass die Glücksspiel-Fans und die Glücksspielanbieter in Deutschland zu ihrem Recht kommen. Das wäre ein Albtraum-Szenario für die gesamte Branche, denn dann entstünde auf dem regulierten Markt genau das, was niemand haben möchte: Unsicherheit. Bedauerlicherweise hat es gerade in der deutschen Politik in den letzten Jahren viele Gesetze gegeben, die im Nachhinein von den Gerichten und oft auch vom Bundesverfassungsgericht kassiert worden sind. Es wäre schön, wenn die neue Glücksspiel-Regulierung sich nicht in diese Tradition einreihen würde. Aber bei einem Thema wie Glücksspiel spielen leider oft Interessen eine Rolle, die nichts mit den tatsächlichen Fakten zu tun haben. Eine pragmatische Lösung für die Glücksspiel-Regulierung wäre langfristig im Sinne aller Beteiligten am besten. Noch bleibt Zeit für eine pragmatische Lösung, aber im aktuellen Interview wird deutlich, dass es längst nicht sicher ist, dass in Deutschland demnächst eine vernünftige Regulierung für Buchmacher, Casinos und Pokeranbieter im Internet umgesetzt wird.