Dies ist der Stoff, aus dem die Träume sind. Zumindest wenn es nach einigen Film-Produzenten geht. Denn der Film, der sich mit der Biografie der „Queen of Edge Sorting“, Cheung Yin, besser bekannt als „Kelly Sun“ beschäftigt, scheint konkrete Formen anzunehmen. Immerhin ist mit dem amerikanisch-chinesischen Multimedia Star Nora Lum, bekannt unter dem Künstlernamen "Awkwafina", die Hauptdarstellerin für die Rolle von „Kelly Sun“ gefunden worden. Unter dem bisherigen Arbeitstitel „The Baccarat Machine“ soll sie den Aufstieg von Sun zu einer der besten und erfolgreichsten Glücksspielerin der Welt aufzeigen. Natürlich wird ihre Zusammenarbeit mit einem der besten Pokerspieler der Welt; Phil Ivey, einen besonderen Raum in dem Film einnehmen. Nach einigen Verlautbarungen, soll dies aber nur ein Teil des Projektes sein. Es geht vielmehr um ihre gesamte Entwicklung: von einem armen Mädchen aus einfachen Verhältnissen zu einer weltweit gefeierten Heldin des Baccarat, um ihren Aufstieg, ihre Gewinne und ihr Scheitern. Und natürlich geht es auch um ihre Zusammenarbeit mit Phil Ivey, die jetzt schon seit Jahren für eine große mediale Aufmerksamkeit sorgt, nicht zuletzt wegen eines immer noch schwelenden Rechtstreits. Darüber wollen wir jetzt nicht berichten. Die Geschichte ist hinlänglich bekannt.

Awkwafina spiel Kelly Sun in „The Baccarat Machine“ 

Kelly Sun BaccaratNora Lum alias „Awkwafina“ ist keine Unbekannte mehr im Filmgeschäft. Die 31-jährige New Yorkerin mit chinesischen Wurzeln erhielt erst letztens für ihre Hauptrolle als Billi Wang in dem Film „The Farewell“ einen Golden Globe. Sie drehte ihre eigene Fernsehkomödie „Awkwafina is Nora from Queens“ und spielte in den Filmen „Crazy Rich Asians“, „Ocean's 8“ und „Jumanji: The Next Level“ mit. Angelehnt soll „The Baccarat Machine“ an einen Artikel von Cigar Aficionado sein. Nun fiebert man natürlich der Besetzung der anderen Hauptfigur, Phil Iveys, entgegen, aber noch werden keine konkreten Namen bekannt. 

Eigentlich stand Cheung Yin „Kelly Sun“ ein schönes Leben bevor. Als Tochter eines erfolgreichen Bankers in Nordchina sollte sie in Wohlstand und Luxus aufwachsen. Doch die chinesische Kulturrevolution nahm ihrer Familie den ganzen Besitz und sperrte ihren Vater in ein „Inhaftierungsgefängnis“. Die Familie war plötzlich arm, Geld für Schuhe gab es nicht, diese wurden aus Kartons gebastelt, wie sie einmal in einem Interview erzählte. In dieser Zeit wuchs wohl ihr Wunsch es dem System heimzuzahlen, sich das Geld wieder zu holen, dessen sie beraubt worden war. Erst mit Maos Tod und der Öffnung der chinesischen Politik für marktwirtschaftliche Verhältnisse, änderte sich ihre Situation wieder. Ihr Vater kam frei und schaffte es durch Produktion von Holzprodukten zu Wohlstand zu kommen. Sie wurde in Shanghai auf Schulen geschickt und lebte ein wohlbehütetes Leben. Im Alter von 15 Jahren kam sie zum Glücksspiel. Mit einem gefälschten Ausweis unternahm sie ausgedehnte Glücksspielkreuzfahrten nach Hongkong und Macau. Finanziert wurde sie tatsächlich von ihrer Familie. Doch schon bald, „verdiente“ sie ihr eigenes Geld. Ein prägendes Erlebnis war dabei sicherlich einer ihrer ersten Spieleabende, an welchem sie mit einem Einsatz von 1.500 Dollar, 150.000 Dollar gewann. Sie schrieb sich zwar für ein Studium des Modedesigns an der Pariser Sorbonne ein, doch tatsächlich waren zwischen ihrem 20ten und 30ten Lebensjahr die Casinos der Welt ihre Heimat. Monte Carlo, Las Vegas, Baden-Baden und, und, und. Überall dort, wo es um hohe Einsätze und Gewinne ging, war sie zuhause. Sie wurde hofiert – Suiten, Autos, kostenlose Abendessen und kostenlose Chips – die Casinos freuten sich über ihre Besuche und über das Geld, das sie an ihren Spieltischen verlor. Denn es war mehr, als das was sie gewann. Aber dies realisierte sie erst später. Ihr Vater war ihre Bank.

Die Wende in Kelly Sun’s Leben

 Eine Wende trat 2006 in ihr Leben und in ihre Karriere als Spielerin ein. Im Wynn Las Vegas lernte sie Steven Black kennen. Der Mann fiel ihr durch seine Fingerfertigkeit an den Spielautomaten auf, und sie sprach ihn an. Der erfolgreiche Autoverkäufer hatte sich auf Ass-Sequenzierung und Shuffle-Tracking beim Black Jack spezialisiert. Sein gutes Gedächtnis half ihm dabei erfolgreich zu sein. Black nahm Kelly in die Lehre. Er zeigte ihr seine Tricks und gemeinsam bereisten sie die Casinos der Vereinigten Staaten. Für Kelly war es wirklich eine Lehrzeit. Sie erhielt damals 20 Dollar die Stunde als Lehrlingslohn sozusagen. 

Doch sie sollte nicht nur etwas verdienen, sondern auch Lehrgeld zahlen. Im selben Jahr spielte sie mit alten Freunden aus Shanghai im MGM Grand in Las Vegas. Als eine alte Freundin sie bat ihr 100.000 Dollar zu leihen, da sie alles verloren hatte, sprang Kelly bereitwillig ein und unterschrieb einen Schuldschein im Casino. Die Freundin versicherte ihr, dass das Geld zurückgezahlt worden sei und so machte sie sich auch keine Sorgen, als sie sechs Monate später nach einem Europaaufenthalt wieder in die USA reiste. Noch im Flugzeug wurde sie in Handschellen abgeführt. Der Schuldschein war mitnichten beglichen worden und das Casino forderte noch knapp 100.000 Dollar von ihr. Sie verbrachte 21 Tage im Gefängnis, bis ihr aus China angereiste Vater sie auslöste. 

Edge Sorting als die Rettung

Im Laufe ihre Lehrjahre hatte sie sich selbst das Edge Sorting beigebracht, d.h. das „Erkennen“ von Karten aufgrund winzigster Abweichungen an den Kanten und Ecken. Bei jeder Produktion von Spielkarten werden diese aus Bögen ausgestanzt. Da diese Stanzung nicht immer gleichmäßig ist, kommt es zu minimalen Veränderungen an den Ecken und Kanten einzelner Spielkarten. Durch genaues Beobachten und einem sehr guten Gedächtnis ist es also möglich, einzelne Karten zu erkennen und so das Spiel zu beeinflussen. 

Und damit begann auch ihre große Zeit mit Phil Iveys. Diesen lernte sie wiederum durch Steven Black kennen, der beide miteinander bekannt machte. Der Beginn ihrer Zusammenarbeit war aber nicht einfach. Steven Black meinte ein System zu kennen, mit welchem Würfel beim Craps beeinflussen konnten. Er lieh sich von Iveys Geld, verlor natürlich und bat Sun das Geld beim Baccarat zurück zu gewinnen. Und sie schaffte es. Danach waren die Drei mehr oder weniger unzertrennlich und zogen durch die Casinos der Welt. Es entwickelte sich fast eine Routine: „Wir verbrachten den ersten Tag damit, uns zu entspannen. Dann gingen wir in den Nachtclub, gefolgt von zwei oder drei Tagen im Casino. Eines Tages verloren wir 3 Millionen Dollar. Wir gingen zurück und gewannen in der nächsten Nacht 5 Millionen Dollar.“

Sie spielten nur noch Baccarat, wie in Live Casinos, und so kam auch ihr Spitzname „The Baccart Machine“ zustande. Alles lief gut, bis zu jenem Abend 2012 im Crockfords Casino in London. Sie gewann, doch das Casino zahlte nicht. Und dann ging es nach Borgata in Atlantic City. Der Rest ist Geschichte und zieht sich immer noch hin. 

Kelly Sun zog sich zurück und unterrichtet jetzt in Asien Studenten in ihrer Technik. Arm ist sie nicht, aber ob sie glücklich ist, wissen wir nicht. Es könnte auf alle Fälle ein ungemein spannender Film werden, über die Frau, die den Casinos dieser Welt das Fürchten gelehrt hat. Wie sie selber sagte: „Ich habe nie daran gedacht, berühmt zu sein. Ich bin sehr leise. Ich sage nichts. Ich möchte nur die Casinos schlagen.“