Eine langjährige Tradition ist auch in diesem Jahr wieder umgesetzt worden, wenn auch in einer etwas anderen Form. Die Forschungsstelle Glücksspiel der Universität Hohenstein hatte vom 16. bis 17. März 2021 zum 18. Symposium Glücksspiel geladen. Diesmal allerdings nur virtuell aufgrund der anhaltenden Gesundheitskrise. Dabei mussten die Teilnehmenden zwar auf die reizvolle Umgebung der Universität Hohenstein verzichten, der Qualität der Veranstaltungen tat dies aber keinen Abbruch. Zahlreiche Vorträge und Diskussionsrunden beschäftigten sich wieder ausgiebig mit allen möglichen Themen rund um das Glücksspiel.

18. Symposium Glücksspiel der Universität Hohenstein mit verschieden Themenschwerpunkten

Parapgraph Online Gesetz

Über 350 Teilnehmende konnte die Veranstaltung zum Schluss verzeichnen. Thematisch es gab vier Blöcke, die über die zwei Tage verteilt waren. Am ersten Veranstaltungstag waren dies die Themenblöcke Politik, Recht und Online Glücksspiel, am zweiten Tag die Themen Problematisches Glücksspiel und technische Aspekte. Natürlich war der neue Glücksspielstaatsvertrag der heimliche Star der Veranstaltung. Schließlich hatten viele der Teilnehmenden in verschiedensten Funktionen, ob beratend oder ausführend, an diesem mehr oder weniger mitgearbeitet oder waren Interessierte, die seine Entwicklung auch unter wissenschaftlichen Aspekten verfolgten. Dabei ging es nicht nur um landbasierte Casinos oder Slots oder Online Glücksspiel Betreiber, sondern auch um rechtliche Aspekte oder wirtschaftliche, bis hin zu psychologischen Hintergründen und soziologischen Betrachtungen. Einige Auszüge aus dem Programm: „Glücksspielaufsicht in Österreich: Behördenorganisation ‐ Status quo und Ausblick“, „Aufbau der Glücksspielbehörde ‐ organisatorisch‐technische Umsetzung“, „Erfahrungen mit der Zulassung von Casinospielen im Internet in der Schweiz“, „Die Besteuerung des Online‐Glücksspiels ‐ Defizite und Reformbemühungen“, „Früherkennung problematischen Spielens und automatisierte Interventionen mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz“, “Werbung für Glücksspiele in sozialen Medien oder legales und illegales Glücksspiel ‐ vom politischen Kompromiss in die Realität“. Am zweiten Tag kam es so auch zu einer kontroversen Diskussion um das Thema „Warum entwickeln manche Menschen eine Glücksspiel-Störung und andere nicht?", nach dem Vortrag von Prof. Gerhard Bühringer von der TU Dresden. Durchaus strittig wurden von ihm, von Dr. Tobias Heyer von der Universität Bremen und von Prof. Tilman Becker von der Universität Hohenheim die Punkte „Verfügbarkeit des Angebots, Werbung und Vulnerabilität“ diskutiert und erörtert. Als: „... zu spät, zu schwach, zu wenig Kompetenz – wie ein zahnloser Tiger," beschrieb der Wissenschaftler Bühringer die Aufsichtsbehörde, die laut Glücksspielstaatsvertrag 2021 Spielerschutz-Maßnahmen kontrollieren soll.

Auch für den neuen Glücksspielstaatsvertrag fand er nicht nur positive Worte: „Die Einnahmen der Länder in 12 Jahren GlüStV belaufen sich auf etwa 35 Mrd. Euro. Davon wurde kein Cent für Forschungsprojekte zum GlüStV ausgegeben. Das ist ein Skandal!", und stellte ihm somit ein Armutszeugnis aus. Der zweite Teil des folgenden Tages war dann durch technische Aspekte geprägt. Alexander Haberl, Regulatory Development Manager bei Gaming Laboratories International, unterstützt europaweit zuständige Behörden bei der Umsetzung technischer Richtlinien für das Glücksspiel und führte aus: „Der GlüStV 2021 muss für die Industrie realisierbar und für die Aufsichtsbehörden machbar sein", lautete eine Kernaussage. „Mit dem neuen Gesetz wurde ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung gemacht; einige Anforderungen sind leider vom Gesetzgeber nicht richtig ausformuliert worden. Wir dürfen nicht auf der Aufsichtsbehörde herumhacken, sie muss sich erst entwickeln", erläuterte er. Demnach war dies eine etwas andere Sicht der Dinge als seine Kollegen vor ihm an den Tag legten. Im Laufe des Symposiums gab es sicherlich zahlreiche kontroverse Meinungen. Eine ausführliche Ausarbeitung der Veranstaltung wird noch durch die Forschungsstelle geleistet.

Universität Hohenstein diskutiert Glücksspiel-Themen im Symposium

Die 2004 gegründete Forschungsstelle der Universität Hohenheim in Stuttgart untersucht vielfältige Themen im Bereich des Glücksspiels. Sie beschreibt ihre Funktion selbst folgendermaßen: „Es ist Ziel der Forschungsstelle Glücksspiel, den Bereich Spiele und Wetten, Glück und Leidenschaft wissenschaftlich zu untersuchen. Je nach wissenschaftlicher Fragestellung werden Teams mit der Expertise der für die Fragestellung relevanten Fachdisziplinen gebildet.“ Dabei betreibt sie selbst keine Grundlagenforschung, sondern versucht durch Wissenstransfer zu neuen Erkenntnissen zu gelangen. Dabei kommt jedem Fachgebiet ein besonderer Nutzen zu: „Bedeutende Fachgebiete sind aus der Erforschung des Glücksspiels hervorgegangen. So entstand aus der Analyse des Würfelspiels die Wahrscheinlichkeitstheorie und Statistik, aus der Analyse des so genannten St. Petersburg Paradox, einem besonderen Glücksspiel mit unendlich hohem Erwartungswert, die ökonomische Nutzentheorie, und aus der Analyse der Gesellschaftsspiele die Spieltheorie.

Dies verdeutlicht, dass das Glücksspiel schon seit langer Zeit für Mathematiker und Statistiker und in neuerer Zeit insbesondere für Ökonomen ein bewährtes Forschungsmodell darstellt, um neue Erkenntnissen zu erlangen.“ Auch die Rechtswissenschaften profitieren von dem interdisziplinären Ansatz der Forschungsstelle, ebenso wie die Psychologie und die Soziologie. Insbesondere auf dem Gebiet der politischen Beratung wurden vielfältige Ergebnisse erzielt. So flossen viele Forschungsergebnisse auch in die Beratungen um den neuen Glücksspielstaatsvertrag ein und sicherlich ist die Expertise der Forschungsstelle auch in der Zukunft sehr gefragt.