Wie problematisch ist die neue Glücksspielsteuer in Deutschland? Eine aktuelle Studie von Goldmedia liegt nahe, dass bis zu 49 Prozent aller Spieler die Steuer umgehen könnten. Das wäre ein großes Problem für die neue Glücksspielregulierung. Es ist eine alte Geschichte. Wenn die Steuern zu hoch sind, entsteht ein Schwarzmarkt, der Produkte und Dienstleistungen günstiger anbietet. Dieser Zusammenhang existiert auch auf dem Glücksspielmarkt. Allerdings ist es beim klassischen Offline-Glücksspiel in Spielhallen und Spielbanken vergleichsweise einfach, staatliche Kontrollen umzusetzen. Ganz anders ist die Situation auf dem Online-Glücksspielmarkt. Wenn die Spiele nicht attraktiv genug sind, weil Steuern erhoben werden, haben die Kunden die Möglichkeit, Anbieter zu nutzen, die keine Steuern bezahlen. Schön ist das nicht, aber die Realität richtet sich nicht immer am Ideal aus, nach dem Politiker einen Gesetzestext entwerfen.

Begünstigt Glücksspielsteuer den Schwarzmarkt?

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In Deutschland wird mit dem neuen Glücksspielstaatsvertrag eine neue Glücksspielregulierung umgesetzt, die auch Online Casinos umfasst. Warum ist das gut? Bisher waren die Online-Spielbanken in einem Graubereich angesiedelt. Doch mit dem neuen Glücksspielstaatsvertrag werden die Online-Spielbanken umfassend legalisiert. Das ist eine gute Basis, sowohl für die Glücksspielanbieter als auch für die vielen Glücksspiel-Fans in Deutschland. Ein wichtiger Grund, warum viele Politiker, die grundsätzlich kritisch gegenüber Glücksspielen eingestellt sind, am Ende beim Glücksspielstaatsvertrag eingelenkt haben, sind die zusätzlichen Steuereinnahmen. Durch die Legalisierung des Online-Glücksspiels ist es in Zukunft möglich, die Anbieter zu besteuern. In Deutschland hat man sich dazu entschieden, eine Steuer auf jeden Einsatz zu erheben. Künftig muss jeder Online-Glücksspielanbieter 5,3 Prozent von jedem Einsatz in Form einer Steuer an den Staat abführen. Die Steuer erinnert an die Wettsteuer, die schon seit 2012 existiert und anfangs auch heftig umstritten war. Bei den Sportwetten hat es eine einfache Lösung gegeben: Fast alle Online-Buchmacher berechnen eine Gebühr, die genau der Höhe der Steuer entspricht. Deswegen können in Deutschland die Sportwetten-Fans nicht ganz so attraktive Wetten abschließen wie in anderen Ländern.

Eine neue Studie von Goldmedia kommt nun zu der Einschätzung, dass die Auswirkungen der neuen Glücksspielsteuer erheblich sein könnten. Bislang gab es keine besondere Steuer für Glücksspielanbieter in Deutschland. Doch mit der neuen Steuer könnte es auch zu einer neuen Gebühr für Kunden kommen, da es ansonsten schwer werden dürfte für die Glücksspielanbieter, profitabel zu arbeiten. Bei Spielen, die Auszahlungsquoten von 95 Prozent und mehr haben, ist eine Steuer von 5,3 Prozent ein echtes Problem. Aber das scheint die Politiker, die sich diese Steuer ausgedacht haben, nicht weiter zu stören. Wenn die Kunden allerdings unzufrieden sind mit der Gebühr, die wahrscheinlich demnächst bei Online-Spielbanken mit deutscher Lizenz Standard sein wird, könnte die Regulierung des Online-Glücksspiels schnell scheitern. In der Goldmedia-Studie kommen die Autoren zu der Erkenntnis, dass bis zu 49 Prozent aller Online-Spieler die Anbieter ohne Lizenz in Deutschland bevorzugen würden. Das wäre ein fatales Ergebnis der neuen Glücksspielsteuer.

Einsatzbesteuerung beim Glücksspiel keine gute Idee

Es kann kein Zweifel daran bestehen, dass der Staat ein berechtigtes Interesse daran hat, Glücksspielanbieter zu besteuern. Wir viel Geld verdient, soll auch einen Anteil an den Staat abführen. Das gilt in allen Bereichen und auch das Glücksspiel sollte keine Ausnahme darstellen. Die entscheidende Frage ist aber, an welcher Stelle die Steuer abgezogen wird. Bei Unternehmen ist es normalerweise üblich, dass eine Steuer vom Gewinn abgezogen wird. Dahinter steckt eine innere Logik, die auch dem normalen Steuerzahler sofort einleuchtet. Niemand zahlt gerne Steuern, aber wenn ein ordentlicher Gewinn entstanden ist, kann ein Unternehmer es verkraften, einen Teil an den Staat abzuführen zur Finanzierung gemeinschaftlicher Aufgaben. Die Besteuerung des Einsatzes ist jedoch etwas völlig anderes. In dem Moment, in dem diese Besteuerung stattfindet, hat der Glücksspielanbieter überhaupt noch keinen Gewinn gemacht. Die Auszahlungsquoten sind bei Online-Glücksspielen so hoch, dass es mit der Steuer bei vielen Spielen gar nicht mehr möglich wäre, einen Netto-Gewinn zu erzielen.

Was haben sich die deutschen Politiker nur bei der Glücksspielsteuer gedacht? Vermutlich hat man sich an die Wettsteuer und den Ärger um die Wettsteuer vor einigen Jahren erinnert. Die Online-Buchmacher sind trotz Wettsteuer und der mittlerweile üblichen Wettgebühr in Deutschland nicht untergegangen. Deswegen liegt es nahe zu vermuten, dass auch die Online-Spielbanken die Glücksspielsteuer verkraften werden. Aber die Politiker betreiben ein gefährliches Spiel. Wenn die Gebühr bei den Online-Spielbanken nicht so klaglos akzeptiert wird wie bei den Online-Buchmachern, könnte es schnell einen Exodus aus den Online-Spielbanken mit deutscher Lizenz geben. Damit das nicht möglich ist, müsste der deutsche Staat einen Weg finden, die Anbieter ohne Lizenz vom deutschen Markt auszusperren. Wie das geschehen soll, hat bislang allerdings noch kein Politiker schlüssig darlegen können. Viele Glücksspiel-Fans freuen sich über die neue Glücksspielregulierung. Es bleibt zu hoffen, dass dank der Glücksspielsteuer nicht bald ein böses Erwachen erfolgt, nicht nur bei den Glücksspiel-Fans, sondern auch bei den für die Regulierung zuständigen Politikern.