Der Tiger ist wieder los. Ex-Fußballprofi Stefan Effenberg hat einen neuen Nebenjob. Er ist nun Markenbotschafter einer Firma, die mit keinem geringeren Anspruch auftritt, als die Sportwetten-Welt zu revolutionieren. Das Münchener Unternehmen 1x2 LiveTip will nicht, wie viele andere, dem Glück auf die Sprünge helfen, sondern wenn es geht, das Glück ganz umgehen. Dazu dient eine App., deren Algorithmus aus 65 Parametern die zielgenaue Wahrscheinlichkeit errechnet, welche Mannschaft das nächste Tor schießt.

Nicht nur auf´s Glück verlassen

esport Sportwetten Fussball„Wir wissen wer das nächste Tor schießt, bevor es gefallen ist.“ Mit diesem vollmundigen Slogan wirbt das neue Unternehmen, das sich nicht mit Astrologie oder Wahrsagen beschäftigt, sondern mit Mathematik und Programmierung.  „Schluss mit Bauchgefühl und Intuition! 1x2 LiveTip ist die voll automatisierte Live-Datenanalyse von Fußballspielen. Unser Algorithmus verarbeitet 65 Parameter und errechnet eine zielgenaue Wahrscheinlichkeit, welches Team das nächste Tor erzielt.“ Nun ja, das klingt irgendwie zu schön, um wahr zu sein. Ganze 4,99 Euro soll ein Monats-Abo der App kosten. Und dass es zu immer mehr Downloads der App kommt, dafür soll auch das bekannte Werbegesicht Stefan Effenberg sorgen. Der Ex-Nationalspieler hat ja im „wirklichen“ Leben einen Job als Moderator bei dem TV Sender Sport1. Dort kommentiert er sachkundig Fußballspiele, wenn auch nicht jeder mit seinen Einschätzungen und Kommentaren einverstanden ist. Aber was die Menschheit über ihn denkt, das hat den Tiger noch nie so richtig gestört. Die einen sagen wohlwollend „ein Mensch mit Charakter, Ecken und Kanten“, die anderen sehen in ihm eher einen Selbstdarsteller. Dennoch wird er als Experte anerkannt, und in dieser Funktion tritt er auch bei 1x2 LiveTip auf. Dafür wird er schön in Szene gesetzt. Auf einem Kunstrasenplatz ins Dunkle getaucht, gibt er seine Einschätzungen zu Spielen auf Facebook oder Instagram ab.

1x2LiveTip beziffert ihre Trefferquote im Moment auf 70% und sagt, sie seien damit besser als die Schussgenauigkeit von Mario Basler. Übrigens ein alter Kollege von Stefan Effenberg. Leider fehlen noch Erfahrungsberichte oder Untersuchung vom Nutzen und der Funktion der App. 70% wäre ja eine schon verdammt gute Quote. Ein wenig erinnert dies an die todsicheren Systeme beim Roulette, Poker oder Blackjack. Aber vielleicht tun wir der App ja auch Unrecht. Das wird erst die Zukunft zeigen. Erfahrene und professionelle Sportwetter arbeiten viel mit Statistiken, Tabellen und Parametern. Information gehört zu einer der entscheidenden Faktoren, wenn es um erfolgreiche Sportwetten geht. Das gilt auch für die Tippabgabe bei Online Anbietern, wie beispielsweise Mr. Green oder Karamba. Hat eine Mannschaft in 20 Spielen 19 mal gegen eine andere gewonnen, so ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie auch das 21. Spiel gewinnt, relativ hoch. Wenn in einer Mannschaft zehn Stammspieler fehlen, so ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie ein erfolgreiches Spiel abliefern, eher gering. Woraus die 65 Parameter bei 1x2 LIveTip bestehen, das ist natürlich Betriebsgeheimnis.

Eine Revolution der Sportwetten?

Herr Effenberg hat schon einmal Erfahrungen mit dem Werbeeinsatz für einen Wettanbieter gesammelt. Vor Jahren zählte er mit Maradona, van Almsick, Cafu und Delbosque zu den Werbegesichtern eine Kampagne von bwin. Der Einstieg als Markenbotschafter scheint bei einigen altgedienten Fußball-Profis ein lukrativer Nebenverdienst zu sein. Auch Lothar Matthäus, Icke Häßler oder Oliver Kahn haben, oder tun es immer noch, mit ihrer Popularität für einen Wettanbieter geworben. Nun wird dies der ein oder andere sicherlich moralisch verwerflich finden und insbesondere Suchtforscher oder Betroffene, wie der ehemalige Sportreporter Werner Hansch, der es letztens im Dschungel bei RTL zugeben hat, jahrelang von Pferdewetten abhängig gewesen zu sein, ziehen gegen dieses Engagement zu Felde: „Solche Gesichter sollten sich auf der anderen Seite engagieren. Dann hätten sie eine Laola verdient. Wenn sie sich also GEGEN Glücksspiel engagieren würden. Gewinnen kann auf Dauer niemand“, so Hansch. Aber diese Diskussion ist eine zweischneidige, wie man aus zahlreichen Untersuchungen weiß und wirft einfach zu viele grundsätzliche Fragen auf, die wir hier nicht vertiefen wollen. Bei 1x2 LiveTip wird man sicherlich argumentieren, dass man ja gerade den Unberechenbarkeitsfaktor eliminieren möchte und somit dazu beiträgt, dass Wetten viel weniger mit Glück zu tun haben, als in der Vergangenheit. Also könnte sich die Gefahr des unsachgemäßen Umgangs mit Sportwetten auch reduzieren. Dies wäre natürlich die angekündigte Revolution der Sportwetten. Aber Sport wird in diesem Sektor immer noch von Menschen betrieben, und damit bleibt wohl ein Faktor, der sich letztendlich nicht zu 100% berechnen lässt. Für die einen macht gerade das den Reiz bei Sportwetten aus, für die anderen ist gerade dies die ganz große Gefahr.