Soeben hat game, der Verband der deutschen Games-Branche, die Studienergebnisse der Untersuchung „Die Games Branche in Deutschland 2018, 2019, 2020“ der Öffentlichkeit präsentiert, die vom Verband selbst in Auftrag gegeben und zu 15 Prozent mitfinanziert wurde. Die anderen 85 Prozent übernahm das Bundesverkehrsministerium. Dies geschah noch rechtzeitig vor dem Start der bundesweiten Games-Förderung. Der Auftrag für diese Studie war an die Media School Hamburg in Kooperation mit der Hamburger Universität gegangen. Sie untersuchten gemeinsam, wie sich der bundesdeutsche Games-Markt in den letzten drei Jahren entwickelt hat. Aus dem Ergebnis geht eindeutig hervor, dass der Markt international im Wachstum begriffen ist, während er in der BRD eher stagniert. Interessant ist diese Studie natürlich auch für die expandierende Branche der Online Casinos und Online Spielbanken, wenn auch die Ergebnisse keinen direkten Bezug zum Online Glücksspiel aufweisen.

Geringer Marktanteil trotz wachsender Umsätze

Verband der Games BrancheLaut der oben genannten Studie entwickelten sich die Umsätze des internationalen und des deutschen Games-Markts in den Jahren 2018, 2019 und 2020 sehr positiv. Gerade beim Mobile Gaming und bei den sogenannten In-Game-Käufen wurde im Jahr 2019 sogar ein Umsatzanstieg von 6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet. Der Umsatz betrug im letzten Jahr gut 6,2 Milliarden Euro. In 2020 stieg die Nachfrage noch weiter, was der anhaltenden weltweiten Gesundheitskrise geschuldet ist. In den ersten sechs Monaten 2020 konnte 27 Prozent mehr Umsatz generiert werden, als noch ein Jahr zuvor. Dennoch kann man im Bereich deutscher Games-Produktionen von einer gewissen Stagnation sprechen. Das Wachstum bei den Computerspielen ist hingegen konstant geblieben ist. Das erklärt der Leiter dieser Studie, Prof. Dr. Oliver Castendyk von der Media School Hamburg folgendermaßen: „Zwar ist der deutsche Games-Markt weiter stark gewachsen, allerdings konnten nur wenige heimische Unternehmen hiervon profitieren. Der Marktanteil deutscher Spiele-Produktionen liegt weiterhin bei unter 5 Prozent; auch die Anzahl der Beschäftigten hat sich nicht positiv entwickelt. Damit konnte das Potenzial der Games-Branche in Deutschland bisher nicht genutzt werden.“ Für eine mögliche Ursache hält er die „... zu geringe staatliche Förderung“, die in anderen Ländern wie beispielsweise Frankreich, Großbritannien, Kanada oder den USA um einiges höher ausfällt. Mit der zu erwartenden neuen Games-Förderung durch den Bund hofft man nun auf weitreichende Änderungen. Schon im Jahre 2018 hatte die amtierende Bundesregierung beschlossen, eine landesweite Computerspiel-Förderung zu etablieren. Damit soll das Ziel verfolgt werden, die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und den Standort Deutschland für Entwickler von Spielen attraktiver zu machen. Schon ein Jahr später wurde eine Art Pilotphase durchgeführt, in der mehr als 200 Games-Projekte eine Förderung erhielten. Für eine zweite Stufe der Games-Förderung ist es seit September dieses Jahres möglich, entsprechende Anträge einzureichen. Dazu sagte der Parlamentarische Staatssekretär des Bundesverkehrsministeriums, Steffen Bilger, dass der Bund mit insgesamt 250 Millionen Euro an Fördergeldern einen Beitrag dazu leisten will, den bundesdeutschen Marktanteil zu steigern und die Games-Produktion in der BRD zu stärken. Als Bezugspunkt soll dabei die vorliegende Studie dienen und als Bemessungsgrundlage für die Wirksamkeit der Bundesförderung ebenso.

Der Studie kommt eine besondere Bedeutung zu

Die Games-Branche in der BRD ist noch sehr jung, dafür aber sehr dynamisch. In der Regel sind die Unternehmen der Branche maximal sieben Jahre alt, die Hälfte davon sogar erst fünf Jahre oder noch jünger. Demzufolge sind die Unternehmen meist relativ klein und verfügen über weniger als zehn Mitarbeiter. Im Vergleich zu anderen Kultur- oder Kreativbranchen sind allerdings die Beschäftigungsverhältnisse wesentlich stabiler. Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass acht von zehn Beschäftigten unbefristet und sozialversicherungspflichtig angestellt sind. Als Standorte, in denen sich Firmen aus dem Bereich Games ansiedeln, haben sich in erster Linie Berlin, München, Hamburg und Köln etabliert. Aber auch andere Regionen spielen durchaus eine Rolle. „Dies ist eine Besonderheit im Vergleich zu anderen Ländern: Games-Unternehmen verteilen sich über eine Vielzahl an Standorten in ganz Deutschland.“ Wer sich für die vollständige Studie „Die Games-Branche in Deutschland 2018, 2019, 2020“ interessiert, kann sie auf der Website von game herunterladen. Sie enthält zahlreiche Daten aus den vergangenen drei Jahren, u.a. auch über den Bedarf an Fachkräften sowie den Gehaltsstrukturen und dem Vergleich zur internationalen Games-Wirtschaft.

Felix Falk, der Geschäftsführer von game, zeigt sich zufrieden mit dem Ergebnis der Studie – insbesondere im Hinblick auf die bevorstehende Förderung durch den Bund. Er sagt: „Die neue Games-Studie unterstreicht aus unserer Sicht die Bedeutung der Games-Förderung für den Standort Deutschland: Denn seit der ersten Studie 2017 gibt es in den entscheidenden Bereichen, wenn überhaupt, nur geringe Fortschritte. Das seit Jahren positive Umsatzwachstum des Games-Markts hatte bisher kaum Effekte für die hiesigen Games-Unternehmen oder Auswirkungen auf die Beschäftigtendaten. Die jetzt gestartete große Games-Förderung schafft dagegen erstmals konkurrenzfähige Rahmenbedingungen für die Spiele-Entwicklung in Deutschland“, und er fügt noch hinzu: „Damit kommt der neuen Studie eine besondere Bedeutung zu: Sie ist die „Nullmessung“, mit der in den kommenden Jahren die Wirksamkeit der Games-Förderung überprüft und optimiert werden kann.“