Der Sport ist in der Krise. Die aktuelle Gesundheitskrise führt dazu, dass alles anders ist als vorher. Nicht nur der Profisport ist betroffen. Auch die privaten Sportveranstaltungen sind erheblich beeinträchtigt. Es wird noch lange dauern, bis alles wieder normal ist. Vielleicht kommt die alte Normalität aber auch nie zurück. Wenn die Bundesliga läuft und die Sportwetten-Fans bei Betway und anderen Buchmachern Wetten platzieren, wirkt es fast so, als sei alles wieder normal. Aber ein Blick in die Stadien zeigt, dass es eine ganz neue Normalität gibt. Ohne Zuschauer wirken große Fußballspiele trotz hoher sportlicher Qualität unvollständig. Da es sich nicht um eine Wirtschaftskrise, sondern um eine Gesundheitskrise handelt, die für Beeinträchtigungen sorgt, gibt es in keinem Land der Welt im Moment eine echte Normalität. Beobachten lässt sich das derzeit gut in England, Italien und Spanien.

Profisport nur noch ohne Zuschauer möglich

Die drei traditionsreichen Fußball-Länder richten zwar im Moment ihre Liga-Spiele auf Top-Niveau aus. Aber ohne Zuschauer wirken die Spiele der Premier League, der Serie A und der Primera División genauso wie die Bundesliga-Spiele ein bisschen blutarm. Die Fußballfans müssen sich jedoch mit dem Gedanken anfreunden, dass es noch lange dauern wird, bis die Stadien wieder gefüllt werden können. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass es in diesem Jahr in Europa oder den USA gefüllte Stadien geben wird. Neuseeland hat zwischenzeitlich einmal ein Rugby-Spiel mit Zuschauern ausgerichtet. Aber Neuseeland hat eine besondere Situation durch die Insellage und kann deswegen die Gesundheitskrise besonders wirkungsvoll bekämpfen. An Großbritannien wird allerdings deutlich, dass auch die Insellage nicht zwingend hilft, wenn es um die Bekämpfung einer Krise geht.

Schon jetzt sind erste Auswirkungen der fehlenden Zuschauer in den Stadien deutlich. Die Atmosphäre bei den Spielen ist notgedrungen deutlich schlechter. Zwar konnte man zuletzt in den Bundesliga-Spielen und auch in den Relegationsspielen beobachten, dass auch ein paar Betreuer und Ersatzspieler viel Lärm machen können. Aber nichts geht über ein gefülltes Stadion, in dem sich die Fans mit lautstarken Gesängen und Schlachtrufen gegenseitig anfeuern. Die Fans müssen auf ihre liebste Freizeitbeschäftigung verzichten. Aber auch die Sportler leiden. Es ist kein Geheimnis, dass die meisten Sportler die absoluten Top-Leistungen nur dann bringen, wenn ein entsprechender Druck vorhanden ist. Ohne Zuschauer im Stadion läuft alles etwas ruhiger und gesitteter ab. Das mag einem neutralen Beobachter gefallen. Aber gerade beim Fußball geht doch einiges verloren, wenn die Zuschauer nicht mitwirken. Einen echten Heimvorteil gibt es aufgrund der fehlenden Zuschauer praktisch nicht mehr. Auch das ist ein Faktor, der berücksichtigt werden muss. Nicht zuletzt müssen Sportwetten Fans darauf achten, dass sie den Heimvorteil nicht überschätzen. Vor der großen Krise gab es immer gute Gründe, ein Heimteam etwas stärker zu bewerten, als es auf den ersten Blick aussah. Aber das hat sich komplett geändert. Die ungeschriebenen Gesetze des Fußballs verändern sich in der Krise. Ob das gut oder schlecht ist, sei dahingestellt. Aber niemand kann leugnen, dass sich ohne Zuschauer in den Stadien einiges verändert.

US-Sport kämpft mit großen Herausforderungen

Nicht nur der europäische Fußball, sondern auch der US-Sport muss durch die Krise ganz neue Mittel und Wege finden. In den USA stehen aktuell einige große Sportarten vor dem Neustart. Aber die USA haben die Gesundheitskrise längst nicht so gut in den Griff bekommen wie Europa und Asien. Deswegen wird es wahrscheinlich auch deutlich schwieriger, den Profisport wieder auf einem hohen Niveau durchzuführen. Schon bei den Vorbereitungen zum Neustart hat sich an verschiedenen Stellen gezeigt, dass es haken könnte. Einige Sportler machen den Neustart überhaupt nicht mit. Das ist ein Phänomen, das es in der Bundesliga nicht gab. In der Bundesliga haben alle Spieler dem Neustart mitgemacht. Doch in den USA befürchten viele Experten, dass sogar der eine oder andere Superstar freiwillig auf Spiele in diesem Jahr verzichten könnte. Die NBA macht den Anfang für den US-Sport. Es wird sehr spannend sein zu sehen, ob die NBA mit ihrem Hygienekonzept Erfolg haben wird. Wenn die NBA es nicht schafft, die Liga zu Ende zu spielen und einen Meister zu krönen, haben die anderen Top-Ligen wahrscheinlich eine noch schlechtere Chance. Auch in den USA wird sich schnell zeigen, dass Sport ohne Zuschauer vor Ort etwas ganz anderes ist als das, was in den letzten Jahrzehnten weltweit als Profisport präsentiert worden ist. Es liegt in der Natur der Sache, dass großartige Sportveranstaltungen vor Publikum ausgerichtet werden. In der Bundesliga waren einige Teams sogar so verwirrt über das fehlende Publikum, dass sie auch ohne Zuschauer vor den Tribünen standen um zu feiern.

Die Beziehung zwischen den Fans und den Sportlern ist ein Aspekt, der den Profisport ausmacht. Aber es gibt auch den ganz banalen monetären Aspekt. Schon jetzt wird deutlich, dass zum Beispiel im europäischen Profifußball die Gehälter sinken werden. Aufgrund der Unsicherheit, die im Markt ist, müssen die Spieler, die Moment einen neuen Vertrag aushandeln, mit sinkenden Gehältern rechnen. Auch die Ablösesummen werden bis auf wenige Ausnahmen sinken. Es ist unklar, ob sich dieser Trend langfristig verstetigen wird. Es kann auch gut sein, dass nach einer Komplettlösung der Gesundheitskrise schnell die alte Normalität inklusive hoher Ablösesummen und hoher Gehälter wieder vorhanden ist. Es ist auch nicht auszuschließen, dass einige clevere Spieler ihre Verträge so verhandeln, dass in dem Moment, in dem wieder Zuschauer in die Stadien kommen dürfen, höhere Beträge bezahlt werden. Ein interessantes Detail: Die wenigsten Top-Clubs in Europa und den USA sind maßgeblich auf die Einnahmen aus den Stadien und Hallen angewiesen. Vereine wie der FC Bayern, Manchester United oder Real Madrid verdienen ihr Geld mittlerweile vor allem über die TV-Vermarktung. Aber ohne jeden Zweifel wird das Vermarktungspotenzial ohne Zuschauer im Stadion geringer. Die Bedeutung der Fans ist durch die aktuelle Krise vielleicht sogar ein Stück weit gewachsen. In Zukunft wird es für die berühmten-berüchtigten Ultras wahrscheinlich noch ein bisschen einfacher, mit den Vereinen zu verhandeln, da nun jeder gesehen hat, wie es ohne frenetisch feiernde Zuschauer in Fußballstadien aussieht.

Profisport läuft weder – privater Sport nur bedingt

Für den Neustart der Bundesliga und vieler anderer Top-Ligen wird aktuell sehr viel Aufwand betrieben. Dieser Aufwand ist beim privaten Sport überhaupt nicht denkbar. Es ist völlig unklar, ob es in naher Zukunft zum Beispiel wieder Spiele in den unteren Klassen geben wird. Die berühmten Kreisklasse-Fußballer müssen wahrscheinlich warten, bis die Gesundheitskrise komplett gelöst ist. Vielleicht werden auch viele Spieler auf den unteren Ebenen freiwillig pausieren, bis alles wieder sicher ist. Auf der mittleren Ebene sind viele Vereine darauf angewiesen, dass Zuschauer kommen. Wenn keine Zuschauer kommen, wird die Finanzierung des Spielbetriebs schwierig. Auch wenn ständig über den Profisport geschrieben und gesprochen wird, sind die massivsten Auswirkungen wahrscheinlich in den mittleren Klassen zu finden. Auch der Amateurfußball auf höchster Ebene muss wahrscheinlich in diesem Jahr erheblich leiden. Solange die Gesundheitskrise nicht gelöst ist, wird es keine Zuschauereinnahmen geben. Es ist völlig unklar, wie Vereine, die vor allem von den Erlösen aus dem Verkauf von Eintrittskarten leben, in naher Zukunft überleben sollen.

Sportliche Betätigung ist nach wie vor völlig problemlos möglich. Jeder Mensch hat die Möglichkeit, in die Natur oder den nächsten Park zu gehen, um sich zu bewegen. Sogar auf dem Höhepunkt der Krise in Deutschland gab es immer wieder die Aufforderung seitens der Politik, die Möglichkeit zur sportlichen Betätigung zu nutzen. Körperliche Fitness ist eine wichtige Voraussetzung für ein gesundes Leben. Zumindest in dieser Hinsicht wird es keine Einschränkungen geben, wenn sich die Gesundheitskrise nicht auf unerwartete Weise dramatisch zuspitzen sollte. Darauf deutet jedoch im Moment überhaupt nichts hin. Die neue Normalität verändert das Leben vieler Menschen. Mannschaftssport wird auf absehbare Zeit für viele Menschen keine praktikable Option sein. Selbst wenn der Mannschaftssport wieder im großen Stil möglich sein wird, könnte es eine Weile dauern, bis das alte Niveau wieder erreicht wird. Der Profisport ist eine wichtige Ausnahme, aber die Maßnahmen, die der Profisport ergreift, um eine neue Normalität zu kreieren, sind für Hobbysportler keine echte Alternative. Wohl niemand hätte gedacht, dass das Jahr 2020 auch für Sportler zu einer derart großen Herausforderung wird. Die gute Nachricht: Es gibt nach wie vor die Hoffnung, dass die Gesundheitskrise spätestens im Laufe des nächsten Jahres komplett gelöst wird. Dann wird es auch wieder möglich sein, Stadien zu besuchen und Mannschaftssport ohne Einschränkungen auszuüben.