Ende dieses Jahres geht eine Ära zu Ende! Die Spielbank Sylt ist seit 70 Jahren eine Institution auf der Nordseeinsel, doch damit ist bald Schluss. Im Dezember schließt das Traditionshaus endgültig. In der letzten Gemeindevertretung gab Bürgermeister Nikolas Häckel unmissverständlich bekannt, dass die Spielbank Sylt am Ende des Jahres ihren Betrieb einstellen wird. Eine Nachricht, die viele Inselbewohner und Fans aus der ganzen Republik eiskalt erwischt hat.   „Die Spielbank hat die Gemeinde Sylt gestern nach ihrer Mitarbeiterversammlung bedauerlicherweise über das Aus der 70-jährigen Geschichte hier auf Sylt im Rathaus informiert. Ich hatte Anfang des Jahres noch Kontakt mit der Leitung und wollte mich über die Zukunft der Spielbank auf Sylt austauschen - in diesem Gespräch war von einem Aus noch nicht die Rede,“ sagte Häckel. Die Spielbank SH GmbH hat sich mittlerweile selbst zu ihrem Aus geäußert.

Spielbank Sylt: Der Mietvertrag läuft aus und damit ist Schluss!

Casino Sylt

In einer Pressemeldung heißt es: „Lange hatte man um eine Lösung gerungen, doch nun ist es entschieden: Die Spielbank SH GmbH mit ihren fünf Häusern in Flensburg, Kiel, Lübeck, Schenefeld und Westerland zieht sich aus dem Spielbetrieb auf der Insel Sylt zum Ende des Jahres 2021 zurück“, und weiter: „Der langjährige Mietvertrag läuft zum Ende des Jahres aus. Ein attraktiver und alternativer Standort auf der Insel fand sich nicht.“  Damit geht eine Erfolgsgeschichte, die am 6. Juni 1949 begonnen hatte, zu Ende. Die Eröffnung der Spielbank, die zunächst mit einem Baccara- und fünf Roulette-Tischen an den Start ging, war ein groß angelegtes gesellschaftliches Ereignis, das sogar von Hörfunk- und TV-Stationen übertragen wurde. Den Höhepunkt ihres Erfolges feierte die Spielbank Sylt in den 1960er und 1970er Jahren, in denen sie gern auch mit den großen Casinos in Monte Carlo verglichen wurde. Die Gäste der Spielbank wurden von Flensburg aus mit einem sogenannten Casino-Express nach Westerland gebracht. Für die Inselbewohner selbst war das Glücksspiel bis 1977 tabu. Erst danach erlaubte der Gesetzgeber auch ihnen den Besuch „ihres“ Casinos, in dem in der Zeit von 1949 bis Ende der 1990er Jahre mehr als 500 Croupiers professionell ausgebildet wurden. An die drei Millionen Gäste haben in den letzten 70 Jahren die Spielbank Sylt besucht, in deren Räumen derzeit 42 Spielautomaten stehen sowie zwei Pokertische, ein Black Jack-Tisch und zwei Roulette-Tische.

Die landeseigene Spielbank SH GmbH übernahm im September 1997 das Traditionshaus und führt es seither weiter. Als Untermieter des Rathauses war das Casino stets umstritten. Einige Kommunalpolitiker planten bereits vor Jahren eine „Verwaltungs-Zentralisierung“ an diesem Standort und wollten den Mietvertrag kündigen. Vor rund drei Jahren war Knut Pauker, der langjährige Direktor der Spielbank, sehr verärgert, weil die Spielbank Sylt in keinem für den Umbau ausgeschriebenen Entwurf der Architekten vorkam. Damals sagte Pauker: „Wir bedauern, dass die Ausschreibung nicht so gestaltet wurde, dass ein Verbleib der Spielbank in den jetzigen Räumlichkeiten gewährleistet wurde“, und ergänzte: „Für den Verbleib der Spielbank auf Sylt müsste die Gemeinde uns bezugsfertige Räumlichkeiten zu unseren aktuellen Mietkonditionen zur Verfügung stellen. Dies ist nicht zu erwarten.“ Bürgermeister Häckel kommentierte diese Beschwerde damals so: „Seitens der Politik gibt es keinen Beschluss zur dauerhaften Zukunft der Spielbank im Rathaus. Der aktuelle Pachtvertrag ist befristet.“

Spielbank Sylt: Bitteres Ende nach 70 erfolgreichen Jahren

Zwischen der Spielbank SH GmbH und der Gemeinde Sylt knistert es bereits seit Jahren heftig. Bürgermeister Häckel sprach in der Gemeindevertretung von „... schwierigen Gesprächen mit der Spielbank GmbH“, an deren Ende keine andere Option, als das endgültige Aus feststand. Gerd Nielsen (SPD), Vorsitzender des Wohnungs-Bauausschusses, hatte sich zuvor noch erfolglos für den Verbleib der Spielbank eingesetzt. Der Geschäftsführer der Spielbank SH GmbH, Guido Schütz, betont: „Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie spielen und spielten bei der Entscheidung den Betrieb einzustellen keine Rolle.“ Er äußert sich auch auf die Frage, weshalb das Casino nicht innerhalb der Insel umzieht. „Damit ein Standort für eine Spielbank überhaupt in Frage kommen kann, müssen sowohl der Standort als solcher mit seiner Umgebung als auch die speziellen Räumlichkeiten eine ganze Reihe von Bedingungen erfüllen und hergerichtet werden. Daneben müssen entsprechende Genehmigungen durch die Spielbankenaufsicht nach einer europaweiten Ausschreibung vorliegen,“ sagt Schütz.

Ein solches Verfahren ist mit enormen Aufwendungen verbunden und benötigt eine lange Vorlaufzeit, betont er und fügt hinzu: „Schließlich müssen die mit einer Verlagerung der Räumlichkeiten verbundenen Investitionen wirtschaftlich darstellbar sein.“ Daran haperte es offensichtlich in der jüngeren Vergangenheit. Dass auch andere Standorte in Gefahr seien, verneint der Geschäftsführer der Spielbank SH GmbH allerdings entschieden. „Ich gehe einmal davon aus, dass wir diese Räumlichkeiten nun in die Planung der Verwaltung-Zentralisierung mit aufnehmen werden - bislang war hier die Spielbank ja gesetzt, da sie an einem anderen zentralen Standort nicht interessiert war“, sagt Bürgermeister Häckel abschließend. Damit geht eine lange und erfolgreiche Glücksspiel-Unternehmensgeschichte nun endgültig zu Ende.